„Kleine Lichter“ führen nicht zu Hintermännern

29-Jähriger verschickte Drogen mit der Post

Nienburg - Ein 29-jähriger Nienburger sowie sein 51-jähriger Helfer mussten sie jetzt vor dem Schöffengericht Nienburg verantworten, weil sie von November 2015 bis Oktober 2016 in mindestens 23 Fällen Postsendungen mit Cannabis-Produkten verschickt hatten. Dazu kommt Beihilfe in vier weiteren Fällen.

Bei einer Durchsuchung in Schleswig-Holstein war die dortige Polizei auf einen Groß-Dealer gestoßen, der über das sogenannte Darknet mit einer Person in Spanien in Kontakt stand und über diesen Betäubungsmittel bezog. Als die Polizei im besagten undurchsichtigen Teil des Internets nach dem besagten Dealer Ausschau hielt, stieß sie auf den angeklagten 29-Jährigen. Er stand ebenfalls mit dem spanischen Drogen-Versender in Kontakt. Daraufhin wurde das Ermittlungsverfahren bei der Polizei in Nienburg in Gang gesetzt. Die sicherte sich wiederum Unterstützung einer Fachdienststelle in Hildesheim.

Parallel zu den Erkenntnissen aus Schleswig-Holstein waren von Nienburger Einwohnern Briefe von nicht bekannten Absendern bei der Polizei abgegeben worden, die Cannabis-Produkte enthielten – ein weiterer Anhaltspunkt für die Ermittlungen der Beamten.

Zunächst verliefen beide Spuren im Sande. Es tauchten immer wieder die besagten Briefe in Nienburg auf, ohne dass sich daraus ein konkreter Hinweis ergab. Letztlich war es die Post, die den entscheidenden Tipp gab: Den Bekundungen der Postmitarbeiter zufolge wurden die meisten Briefe in einem Briefkasten in der Stadt aufgegeben, woraufhin sich die Polizei zu einer Observation entschloss, bei der der 29-Jährige schließlich festgenommen wurde.

Pakete wogen zwischen 200 und 1 .000 Gramm

In der polizeilichen Vernehmung gab der Angeklagte an, dass er den 51-jährigen Bekannten gebeten habe, Drogenpakete aus Spanien für ihn in dessen Wohnung entgegenzunehmen, wobei der Komplize mit jeweils 50 Euro pro Entgegennahme entschädigt wurde. Das sei viermal so abgelaufen. Die Pakete, die per Post kamen, waren zwischen 200 und 1 .000 Gramm schwer. Der 29-Jährige portionierte die Sendungen neu und schickte sie weiter.

Bei der Festnahme und anschließenden Durchsuchung wurde unter anderen sein Computer sichergestellt. Nach der Auswertung konnten die Ermittler 23 Sendungen nachvollziehen. Hinweise auf den spanischen Hintermann ergaben sich nicht. Da der 29-Jährige von vorherein umfassend mit der Polizei kooperierte, wurde versucht, mit seiner Hilfe Kontakt nach Spanien herzustellen. Das misslang jedoch.

Ein federführender Ermittler der Polizei Hildesheim gab in einer Vernehmung an, dass die beiden Angeklagten nur „kleine Lichter“ seien. Das Verfahren aus Spanien habe allerdings weitreichende Bedeutung und bereits zu Ermittlungen in ganz Deutschland geführt. Allein aus den Verfahren in Nienburg und Schleswig-Holstein wurden weitere 2. 300 Strafverfahren eingeleitet.

Für das Nienburger Gericht blieb nur die Frage im Raum, welche Strafen die Angeklagten erwarten müssten. Für den 51-jährigen war es verhältnismäßig einfach: Die Staatsanwaltschaft ging von einem minderschweren Fall aus und beantragte für die vier Fälle, bei denen er die Pakete entgegengenommen hatte, eine Geldstrafe von sieben Tagessätzen zu je zehn Euro sowie die Einziehung der 200 Euro, die er für die Entgegennahme der Drogen bekommen hatte.

Für den 29-Jährigen gestaltete sich das ganze etwas schwieriger, da die Mindestfreiheitsstrafe für den Handel von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge ein Jahr beträgt. Da er aber ein unbeschriebenes Blatt war, verurteilte das Gericht ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Darüber hinaus hatte die Staatsanwaltschaft errechnet, dass der Angeklagte mit seinen Machenschaften etwa 4. 600 Euro über den Ankaufspreis der Betäubungsmittel hinaus erwirtschaftet hatte – rund 15 Prozent des Originalpreises. Diese 4 .600 Euro zieht das Gericht darüber hinaus ein. Noch im Ssaal erklärten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung mit dem Urteil einverstanden. awz

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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