Kirchenkreis besucht Partner in Pretoria

Delegation reist heute nach Südafrika

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Martin Lechler

Heemsen - Der Klang von Trommeln hallt durch die St.-Michaelis-Kirche in Heemsen. Und die ganze Gemeinde singt – stehend, klatschend und unterstützt vom Gospelchor und dem Gesangsverein – eher ungewohnte Worte: Amani leo, tumekombolewa. Übersetzt heißt das: Friede heute, wir sind befreit. Viel lebendige Musik und viel Freude prägten den Gottesdienst am Sonntag, der zur Erinnerung an die Partnerschaft zwischen den Kirchenkreisen Nienburg und Pretoria gefeiert wurde.

Diese Partnerschaft gibt es schon lange. Sie wurde 1979 von Pastor Klaus Piehl und Dean Emmanuel Mutshekwane gegründet. Zu dieser Zeit herrschte in Südafrika noch die Apartheid, und es war ein ausdrückliches Anliegen der Nienburger, mit ihrer Partnerschaft zu einem Kirchenkreis der ELCSA (Evangelical Lutheran Church in Southern Afrika) ein Zeichen zu setzen. Die Mitglieder der ELCSA waren die „schwarzen“ Gemeinden, deren Angehörige in ihrem Alltag ununterbrochen wegen ihrer Hautfarbe diskriminiert wurden.

Daran erinnerte auch Superintendent Martin Lechler in seiner Predigt: „Diese Menschen hatten keinen Zugang zu Wohlstand oder Bildung, sie bekamen bestimmte Wohnbereiche zugewiesen, und durften die Gebiete der Weißen nicht betreten. Die Gründer unserer Kirchenkreis-Partnerschaft wollten den schwarzen Menschen in Südafrika zeigen: Für uns seid ihr gleichwertige und gleichberechtigte Menschen.“

So entstand eine Verbindung, die nun schon viele Jahre lang hält. Die gegenseitigen Besuche sind dabei nicht einfach exotische Urlaubsreisen, obwohl es natürlich immer auch spannend ist, an das andere Ende der Welt zu reisen. Aber die Reisen der Südafrikaner nach Nienburg und der Nienburger nach Pretoria haben einen viel tieferen Sinn: es geht darum, einander zu stützen und voneinander zu lernen. Die Zeit der Apartheid ist zum Glück vorbei, aber noch immer kämpfen die Menschen in Südafrika mit den Folgen dieser menschenverachtenden Politik.

erzählte Superintendent Lechler in seiner Predigt: „Eine alte Freundin von mir in Pretoria, Paulina, erzählte mir einmal von ihren beiden Söhnen, die im Gefängnis gefoltert und ermordet wurden. Voller Trauer, aber ohne Hass auf diejenigen, die ihnen das angetan haben.“ Die Kraft dazu gewinnt sie, ebenso wie viele derjenigen, die es damals wagten, gegen das Regime aufzustehen, aus ihrem Glauben und tiefen Gottvertrauen. „Auch in Nienburg leben wir nicht in einer sorgenfreien Welt. Aber der Blick über den Tellerrand kann neue Perspektiven eröffnen – und das Vorbild des gelebten Glaubens der Menschen in den Gemeinden Pretorias ermutigt und steckt an“, so Lechler.

Heute startet die Nienburger Partnerschafts-Delegation, bestehend aus zehn Personen des Kirchenkreises, in Richtung Südafrika. Für diese Reise und die vor ihnen liegenden Begegnungen wünschte die stellvertretende Superintendentin, Pastorin Gabriele Matthias, der Gruppe alles Gute: Vorfreude, etwas Platz im Koffer für Erinnerungen und vor allem Gottes Segen. Gemeinsam bat sie alle nach vorn in den Altarraum zu kommen, wo die Delegation feierlich ihren Reisesegen empfing. Unter ihnen auch Ella-Marie Beck aus Langendamm und Nick Stuke aus Rodewald. Sie sind die jüngsten Mitglieder der Gruppe und ihre Reise wurde speziell von der Werner-Ehrich-Stiftung und der Ernst-Stewner-Stiftung unterstützt, die besonders den internationalen Austausch von Jugendlichen fördern.

Repräsentiert wurden beide Stiftungen am Sonntag von Christoph Schäfer, dem der Superintendent bei der Gelegenheit nochmals seinen Dank aussprach.

Darüber hinaus wird die Reise der Partnerschafts-Delegation auch von der Landeskirche Hannovers, vom Sprengel Hannover und vom Kirchenkreis Nienburg finanziell unterstützt.

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