Kinder-Theatergruppe besteht schon im zehnten Jahr / Im Kuhstall von Wilkening fing alles an

„Winzlarer Witzlinge“ feiern Jubiläum

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Witzlinge – ihren Namen tragen die schauspielernden Kinder zu Recht. Ob mit oder ohne rote Nasen.

Winzlar - Von Beate Ney-Janßen. In einem Kuhstall hat die Geschichte der „Winzlarer Witzlinge“, Winzlars Kinder-Theatergruppe, ihren Anfang genommen. Zehn Jahre sind seitdem vergangen. Viele der Schauspieler der ersten Stunde sind längst erwachsen, an Nachwuchs hat es aber nie gefehlt. Aus der Taufe gehoben und seitdem immer geleitet hat Claudia Brandes-Hogrefe den munteren schauspielernden Haufen.

Das Weihnachtsmann-Kostüm legen sie zu dieser Jahreszeit selten weit weg – Sketche zur Adventszeit haben schließlich auch gerne den Mann im roten Mantel im Blick. In einem Senioren-Heim haben sie ihn schon benutzt in diesem Jahr. Und zweifelten ein wenig daran, ob sie das wirklich tun könnten. Mit den Kindern im Publikum hatten sie zuvor nämlich nicht gerechnet. Die meisten von denen, die nun unter dem Namen „Winzlarer Witzlinge“ in Rehburg-Loccum und anderswo auftreten, haben den Glauben an den Weihnachtsmann noch nicht allzu lange verloren und wollten ihn nun auch keinem Kind vorzeitig nehmen. Dann haben sie sich aber doch getraut – und statt am Weihnachtsmann zu zweifeln, hat das ganz junge Publikum laut mitgelacht.

Lachen – das steht im Vordergrund dessen, was die Witzlinge erreichen wollen. Und Lachen und Spaß haben wollen sie selbst auch bei ihren Auftritten und bei den vielen Proben, die jedem Auftritt vorangehen.

Der Name ist also Programm: „Winzlarer Witzlinge“, so heißt die junge Truppe seit 2007. In Winzlar gehören sie zur Theatersparte des TV Eiche, des Sportvereins im Ort. Und witzig ist das, was sie machen, schon immer gewesen. Zehn Jahre sollten die Mitglieder der Truppe schon mindestens alt sein, sagt Claudia Brandes-Hogrefe. Sollten lesen, einigermaßen diszipliniert und konzentriert arbeiten können und bereit sein, selbst längere Passagen auswendig zu lernen. In den zehn Jahren seit der Gründung hat sie bereits 40 Kinder gefunden, die sich auf diese Bedingungen einlassen mochten.

Angefangen hat alles 2005. „Im Kuhstall von Wilkening“, erzählt Brandes-Hogrefe. Damals hatte ihre Tochter Luna gemeinsam mit vier Freunden ihre Leidenschaft für das Theater entdeckt. Die Kinder trafen sich in dem Kuhstall der Nachbarn, schrieben gemeinsam ein Theaterstück, probten dort und luden schließlich ihre Verwandtschaft zur Premiere ein. „Da haben wir dann im Kuhstall gesessen und uns das Theater angesehen“, erinnert sich Brandes-Hogrefe.

So entstand ihre Idee, eine Theatergruppe für Kinder in Winzlar zu gründen. Wenn Kinder schon so viel Eigeninitiative zeigten, dann müsse das doch gelingen. Erwachsene studierten bereits seit zehn Jahren jährlich ein Stück ein. Das Jubiläum „800 Jahre Winzlar“ war der Auslöser dafür gewesen. Brandes-Hogrefe hatte damals zu den Gründern der Gruppe gehört und auch immer Rollen übernommen. Nun wechselte sie vom Platz auf der Bühne auf einen Platz daneben, suchte und fand schnell begeisterte Kinder und führte fortan Regie.

Das erste Stück brachten die jungen Schauspieler 2006 auf die Bühne. „Isidora wird Nachtgespenst“ war der Titel. „Wir können nicht essen, wir können nicht schlafen, wir haben Schmetterlinge im Bauch“, bekannte Brandes-Hogrefe vor dem Premierenpublikum – beim Schauspiel ist davon nichts mehr zu spüren gewesen. Bravourös spielten sich die Kinder durch ihr Theater und bekamen so viel Applaus und begeisterte Stimmen, dass sie gerne weitermachten.

Ein Jahr darauf gab es für die schauspielernden Kinder dann auch einen Namen – als „Winzlarer Witzlinge“ treten sie seitdem auf und haben ihr Repertoire um kleine Szenen ergänzt. Für Auftritte bei Adventsfeiern, Senioren-Nachmittagen oder auch zum Fest in einer Kinderkrippe studierten sie mehr und mehr Sketche ein und lernten auch, Gedichte vorzutragen. Um Gelegenheiten, sich als Schauspieler präsentieren zu können, müssen sie seitdem nicht mehr bangen – oft und gerne werden sie engagiert. Hinzu kommt dann noch, dass sie immer wieder auch die Arbeit auf sich nehmen, ein komplettes Stück zu inszenieren. Und außerdem immer noch ein wenig besser werden, denn neben dem reinen Proben sorgt Brandes-Hogrefe auch dafür, dass der eine oder andere Workshop angeboten wird.

Pantomime haben sie etwa bei einem Meister seines Fachs gelernt. Peter Mim ist dafür zu ihnen in die winzige Winzlarer Turnhalle gekommen und hat ihnen die Kunst beigebracht, ausdrucksstark auch ohne Worte zu sein. Eine Clownin ist ein anderes Mal ihre Lehrerin gewesen. Rote Nasen haben alle Kinder schon einmal getragen und sich auch in diese Rollen gut einfühlen können.

Doch nicht nur die Witzlinge, auch ihre Regisseurin wollte immer besser werden. So ließ sie sich zur Theater-Pädagogin ausbilden und bietet seitdem auch für andere Gruppen Workshops und ähnliches an. In ihrem Beruf als Kinderkrankenschwester, erzählt sie, könne sie diese Zusatzausbildung außerdem manches Mal nutzen. Ein krankes Kind mit einer Handpuppe aufzuheitern, das sei schon etwas Besonderes.

Sie selbst hat die Liebe zum Theater ebenfalls schon als Kind entdeckt. Der Schützenverein in Winzlar hat damals zu Weihnachten Märchen inszeniert. „Ich habe dort immer die Bösen gespielt“, sagt sie lachend, „das hat mehr Spaß gemacht.“ Und damals, bei den Märchen, da habe Hella Gröger Regie geführt. Diejenige, bei der sie ihre ersten Schritte auf der Bühne lernte, ist heute bei den Witzlingen ihre Co-Regisseurin.

Wie sich das Ensemble entwickelt hat? Etliche der Kinder der ersten Jahre sind jetzt schon erwachsen und spielen nicht mehr mit. Eine ist ihnen aber erhalten geblieben: Carmen Rohrßen macht auch mit 17 Jahren immer noch gerne mit. Im vergangenen Jahr hat sie sogar selbst ein Stück geschrieben, das in einem Projekt an Hannovers „Ballhof“ verwendet wurde.

Ihren ersten „runden“ Geburtstag – zehn Jahre Kindertheater in Winzlar – haben die Witzlinge nicht an die große Glocke gehängt. „In diesem Jahr hat es sich einfach nicht ergeben, dass wir ein großes Stück aufführen“, sagt Brandes-Hogrefe.

Im Januar sollen aber die Proben für einen Schul-Krimi beginnen. Etliche Schauspieler hat sie dafür schon. „Aber da wimmelt es nur so von Figuren – wir können gut noch mehr Kinder gebrauchen“, sagt sie.

Wer also Lust hat, bei den „Winzlarer Witzlingen“ selbst mitzumischen, kann sich bei Claudia Brandes-Hogrefe gerne unter Telefon 0537 / 5613 melden.

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