Johanniter übertragen Daten per Smartphone/Andere Rettungsdienste zögern

EKG-Bilder direkt aus dem Rettungswagen in die Klinik

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Dank der neuen Überwachungsmonitore übermitteln die Johanniter künftig die EKG-Bilder der Patienten direkt vom Rettungswagen an die aufnehmenden Kliniken. Rettungsassistent Oliver Klausen (von links), Notärztin Michaela Klausen und Sanitäterin Noreen Barg demonstrieren die Übertragung eines 12-Kanal EKGs mit Hilfe eines Smartphones.

Hoya/Landesbergen - Bisher treffen die EKG-Bilder gemeinsam mit dem Notfallpatienten in den Zielkliniken ein. Das wollen die Johanniter im Landkreis Nienburg nun ändern. Durch neue Technik soll es möglich sein, die Daten während der Fahrt – zum Beispiel per Smartphone – an die Ärzte im Krankenhaus zu schicken. Die anderen Rettungsdienste im Landkreis Nienburg – der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und das DRK – zögern mit der Anschaffung dieser Technik aber noch.

Bereits vor Eintreffen des Patienten im Krankenhaus können Dank der neuen Technik vom Notfallort 12-Kanal EKG-Bilder direkt an die spezialisierten Fachabteilungen der Kliniken übertragen werden. Und zwar per Fax. Das EKG werde verschlüsselt übertragen und in der Klinik ausgedruckt, so der Sprecher der Helios-Kliniken Mittelweser, Jan Hetebrügge. „Wir brauchen den Johannitern nur noch unsere Fax-Nummer geben, dann kann es losgehen“, scherzt er.

Landkreis-Sprecher Torsten Rötschke erklärt das Zögern anderer Rettungsdienste damit, dass die Technik noch kein Standard im Rettungswesen ist. Er bezweifelt, dass die Kostenträger – sprich die Krankenkassen – die Finanzierung übernehmen würden. Zum Hintergrund: Die neu ausgerüsteten Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG) der Johanniter in Landesbergen und Hoya helfen bei Katastrophen, großen Einsätzen und wenn die Regel-Rettungsdienste – also ASB und DRK – gebunden sind.

Zudem merkt Rötschke an, dass nicht alle Krankenhäuser, die vom Landkreis Nienburg aus angefahren werden, die Empfänger-Technik haben. Grundsätzlich würde in einigen Kliniken das Verhältnis vom Aufwand zum Nutzen kritisch gesehen, sagt er.

Mit den DRK-Geräten in den Rettungswagen sei zwar auch eine Übertragung der Daten möglich, doch „das praktizieren wir zurzeit nicht“, erklärt der Geschäftsführer der gemeinnützigen Rettungsdienst-GmbH des DRK, Marcus Stövesand. „Aktuell ist das kein Thema.“

Bei den Helios-Kliniken hat man offenbar keine Zweifel, dass sich die Neuerung durchsetzt. „Mit der von den Johannitern neu eingesetzten Technik können wir Kardiologen den Notarzt vor Ort mit unserem Rat unterstützen und im Krankenhaus die optimalen Abläufe planen. Ich sehe in der Vorabübermittelung der EKG-Ergebnisse in unsere Kardiologische Abteilung eine deutliche Verbesserung in der Behandlung dieser schwer kranken Patienten und begrüße die Umsetzung dieses Projektes“, meint Dr. Leo Priebe, Oberarzt für Kardiologie an den Helios Kliniken Mittelweser.

Profitieren sollen hiervon vor allem die Notfallpatienten. Drei von derzeit insgesamt vier Rettungswagen der Schnell-Einsatz-Gruppen (SEG) in Landesbergen und Hoya sind bereits mit den hierzu erforderlichen EKG-Monitoreinheiten vom Typ Philips MRX ausgerüstet. Mittels eines Smartphones ist damit möglich, innerhalb von nur drei Minuten das Elektrokardiogramm des Patienten an die auf Versorgung solcher Krankheitsbilder spezialisierten Kliniken zu übertragen.

„Insbesondere Infarktpatienten oder auch Patienten mit unspezifischen Herzrhythmusstörungen sollen hiervon profitieren, denn somit ist es auch für den Notarzt möglich, seine Therapie schon lange vor Eintreffen in der Klinik mit den weiterbehandelnden Kollegen abzustimmen sowie auch in Zweifelsfällen den schnellen Rat der Experten einzuholen“, hofft Notfallsanitäter Marc Lüpkemann.

Pro Jahr werden in den Helios-Kliniken Mittelweser rund 350 Herzinfarktpatienten behandelt. Rund um die Uhr steht ein Expertenteam bereit, um bei Bedarf mittels Herzkatheter ein verschlossenes Gefäß wieder zu öffnen und die lebenswichtige Durchblutung des Herzmuskels zu gewährleisten. Bei jährlich etwa 280 Patienten mit Herzinfarkt kommt der Herzkatheter sofort zum Einsatz.

bor

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