Kommandeurs-Wechsel in Nienburg

„Ist dem Kannibalismus von Strukturplanern geschuldet“

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In einer Kutsche verlässt Oberst Wolfgang Paulik den Ort des Übergabe-Zeremoniells in der Clausewitz-Kaserne in Nienburg, die er nach drei Jahren und neun Monaten in Richtung Den Haag (Niederlande) verlässt.

Nienburg - Von Kurt Henschel. So locker sich Oberst Wolfgang Paulik und sein Nachfolger Oberst Joachim Miller beim „Kasernen-Kaffee“ mit Vertretern der Presse Ende vergangener Woche noch präsentiert hatten (wir berichteten), so angespannt waren sie am Dienstag bei der feierlichen Übergabe des Kommandos des Zentrums Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr (ZentrZMZBw) in der Nienburger Clausewitz-Kaserne. Das gesamte Zeremoniell lief ab wie am Schnürchen, hatte den angemessenen feierlichen Rahmen sowie die gewohnte militärische Präzision – und enthielt durchaus kritische Anmerkungen des scheidenden ZentrZMZBw-Kommandeurs.

Und das war bei diesem offiziellen militärischen Akt, an dem zahlreiche Gäste auf einer Tribüne teilnahmen, nicht anders zu erwarten gewesen.

In seiner letzten Rede vor seinem Wechsel ins niederländische Den Haag erinnerte sich Oberst Wolfgang Paulik an seinen Start in Nienburg: An einem Freitag habe er in seinem Büro im Streitkräfteunterstützungskommando in Köln per Telefon erfahren, dass er das damalige CIMIC-Center in Nienburg übernehmen solle, am Montag darauf solle er in Nienburg sein, weil für Dienstag die Übergabe geplant sei. „Nach fünf Stunden Vorbereitung“ habe er das Kommando übernommen, so Paulik. Er blickte zurück auf „eine fordernde, spannende und tolle Zeit“, die ziemlich genau drei Jahre und neun Monate währte, beschrieb das Geleistete mit dem Umbau des CIMIC-Centers zum Zentrum für Zivil-Militärische Zusammenarbeit der Bundeswehr als „Pfeiler der NATO“ und würdigte „eine überaus interessante Kooperation mit der Stadt Nienburg und den Wirtschaftsbetrieben“.

Generalmajor Jürgen Knappe nimmt die Truppenfahne von Oberst Paulik (r.) an und übergibt sie dessen Nachfolger Oberst Miller (l.).

Philosophisch betrachtete Paulik den ständigen Wandel. Es gelte, „sich dem Wandel der Welt durch eigenen Wandel anzupassen“. Dazu gehöre auch der Verlust von etwa 100 Dienstposten (von ehemals 300), was auch er nicht habe verhindern können. Diese Tatsache sei „dem Kannibalismus von Strukturplanern geschuldet“. Dass diese „andere Verbände der Bundeswehr größer ausplanen mussten, macht diesen Verlust für mich nicht erträglicher“, so der scheidende Kommandeur und Standortälteste. Paulik verriet schließlich die Maxime seines Lebens und erzählte – seinen Untergebenen nicht zum ersten Mal – die Geschichte von einem Mayonnaise-Glas, Steinen, Kiesel und Sand (siehe Hintergrund unten). Danach wünschte er seiner Noch-Einheit „Standfestigkeit, Beharrlichkeit, aber auch Beweglichkeit, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.“ Und den Menschen, die Paulik als „unser Hauptwaffensystem“ bezeichnete, wünschte er „Zufriedenheit, Gesundheit und das notwendige Quantum Glück und Gottes Segen“.

Nienburgs Bürgermeister Henning Onkes würdigte in seiner kurzen Ansprache alle bisherigen und „stets guten Kommandeure“, die immer besten Kontakt zur Bevölkerung gepflegt hätten. „Das Nebeneinander in partnerschaftlicher Beziehung tut beiden gut – der zivilen Bevölkerung und der Bundeswehr“, sagte Onkes. Er freue sich auf Oberst Joachim Miller, den er bereits kennengelernt habe und der „auf seine Aufgabe brennt“, so das Oberhaupt der Stadt Nienburg, mit der als Standort die Bundeswehr „hoffentlich noch viel anfangen möchte“.

Hintergrund:Von einem Mayonnaise-Glas, Steinen, Kiesel und Sand

Ein Professor stand vor seinen Studenten und hatte ein paar Dinge vor sich liegen. Als der Unterricht begann, nahm er ein großes, leeres Mayonnaise-Glas und füllte es bis zum Rand mit großen Steinen. Anschließend fragte er seine Studenten, ob das Glas voll sei. Sie stimmten ihm zu.

Nun nahm der Professor eine Schachtel mit Kieselsteinen, schüttete sie in das Glas und schüttelte es leicht. Die Kieselsteine rollten natürlich in die Zwischenräume der größeren Steine. Dann fragte er seine Studenten erneut, ob das Glas jetzt voll sei. Sie stimmten wieder zu.

Der Professor seinerseits nahm nun eine Schachtel mit Sand und schüttete ihn in das Glas. Natürlich füllte der Sand die letzten Zwischenräume im Glas aus. „Nun“, sagte der Professor, zu seinen Studenten, „ich möchte, dass sie erkennen, dass dieses Glas wie ihr Leben ist“.

Die Steine sind die wichtigen Dinge im Leben: Familie, Partner, Gesundheit, Kinder. Dinge, die – wenn alles andere wegfiele und nur sie übrig blieben – Ihr Leben immer noch erfüllen würden. Die Kieselsteine sind weniger wichtige Dinge wie Arbeit, Wohnung, Haus oder Auto.

Der Sand symbolisiert die ganz kleinen Dinge im Leben, die uns oft so wichtig erscheinen, so der Professor: „Wenn Sie den Sand zuerst in das Glas füllen, bleibt kein Raum für die Kiesel oder große Steine. So ist es auch in Ihrem Leben. 

Wenn Sie all Ihre Energie für die kleinen Dinge in Ihrem Leben verwenden, haben Sie für die großen keine Kraft oder Zeit mehr. Achten Sie auf die wichtigen Dinge, nehmen Sie sich Zeit für Ihre Kinder oder Ihren Partner, auf Ihre Gesundheit. Achten Sie zuerst auf die großen Steine, sie sind es, die wirklich zählen. Der Rest ist nur Sand.“

Lesen Sie dazu auch: „Zentrum ist nicht wegdenkbar“

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