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Sprengfähige Mörsergranate, schwere Brandstiftung, lebensgefährliche Verfolgungsfahrt

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Von: Wiebke Bruns

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Skulptur von Justizia vor blauem Himmel
Die Unterbringung des psychisch kranken Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus wurde angeordnet. © dpa

„Ich dachte, das ist wie der Anfang von James Bond“, sagte der vorsitzende Richter.

Verden/Diepenau – „Glück und Zufall ist es zu verdanken, dass niemand zu Schaden gekommen ist“, stellte der Vorsitzende Richter Nikolai Sauer am Dienstag am Landgericht Verden in dem Sicherungsverfahren mit einem 40 Jahre alten Beschuldigten aus Wiesbaden fest. Die Unterbringung des psychisch kranken Mannes in einem psychiatrischen Krankenhaus wurde angeordnet.

Der Mann hatte eine sprengfähige Mörsergranate, die er an einem Strand in Frankreich gefunden haben will, nach Diepenau transportiert, dort eine schwere Brandstiftung begangen und sich nach der Flucht aus der Psychiatrie in Lübbecke eine lebensgefährliche Verfolgungsfahrt mit der Polizei durch Nordrhein-Westfalen geliefert. Alles im Zustand der Schuldunfähigkeit. Darin waren sich alle Verfahrensbeteiligten einig.

Granate hätte jederzeit explodieren können

Das Hämmern auf dieser Granate, wobei der Beschuldigte sich selbst gefilmt hatte, war hochgefährlich, auch bei einem Fallenlassen hätte der Zünder auslösen können, verdeutlichte Staatsanwältin Dr. Kristina Hillebrecht in ihrem Plädoyer. Die Granate hatte der 40-Jährige nach der Brandstiftung in Diepenau zurückgelassen. Die Hausbesitzerin, eine Bekannte des Mannes, hatte diese gefunden. Experten hatten die Granate als einen Blindgänger eingestuft, der „jederzeit explodieren könne“, so die Staatsanwältin. Deshalb war in Diepenau eine kontrollierte Sprengung erfolgt.

Den Brand hatte der in allen Fällen geständige Mann nachts gelegt. Die Katze der Hausbesitzerin hatte die Frau geweckt. Alle Personen in dem Haus konnten sich vor dem Feuer in Sicherheit bringen. Den Sachschaden beziffert die Staatsanwältin mit 275 000 Euro. Grund für diese Tat war laut dem Beschuldigten ein vermutetes Komplott seiner Ex-Frau mit seiner Gastgeberin.

Der Beschuldigte glaubte, „dass man ihn erschießen würde“

Danach war der Beschuldigte in einer Psychiatrie in Lübbecke untergebracht worden. Dort glaubte er, dass man ihn vergiften wolle. Auf seiner Flucht machte er mit dem Auto einer Bekannten, das er habe kaufen wollen, eine Probefahrt. Bei einer Tankstelle in Herford habe seine EC-Karte nicht funktioniert.

Als die Polizei nach einem Hinweis infolge einer Öffentlichkeitsfahndung auftauchte, flüchtete der 40-Jährige erneut. Er sei in „Todesangst geraten“, habe geglaubt, „dass man ihn erschießen würde“, fasste die Staatsanwältin zusammen. Diese „halsbrecherische Fahrt“ habe über circa eine halbe Stunde gedauert. „Ich dachte, das ist wie der Anfang von James Bond“, sagte später in der Urteilsbegründung der Vorsitzende. „Das hatte den Stil, wenn nicht sogar besser. Aber leider war das real und gefährlich für alle Verkehrsbeteiligten.“

„Sämtliche Taten haben sie in einem Zustand begangen, der sie nicht anders hat handeln lassen“, wandte Nikolai Sauer sich am Dienstag in Verden an den Beschuldigten. Diesem wurde von einem psychiatrischen Sachverständigen eine paranoide Schizophrenie, eine Suchterkrankung und Polytoxikomanie bescheinigt.

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