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Im Landkreis Nienburg fehlen Hautärzte

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Von: Katrin Köster

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Bis sie ins Sprechzimmer eines Hautarztes dürfen, müssen Patienten im Landkreis Nienburg bislang sehr viel Geduld mitbringen.
Bis sie ins Sprechzimmer eines Hautarztes dürfen, müssen Patienten im Landkreis Nienburg bislang sehr viel Geduld mitbringen. © dpa

Landkreis – Einen Termin beim Hautarzt zu bekommen, das ist für viele Menschen im Landkreis Nienburg wie eine Art Ausdauersport: Anrufen, besetzt, anrufen, besetzt und so weiter. Kommen die Patienten bei einer Praxis durch, können sie etwa ein halbes Jahr später mit einem Termin rechnen. Derzeit ist lediglich eine Hautarzt-Praxis im Kreis geöffnet – die von Torsten Opitz in Stolzenau.

Extrem lange Wartezeiten und überlastete Fachärzte sind auch für die Kassenärztliche Vereinigung (KVN) in Verden ein großes Problem. Michael Schmitz ist Geschäftsführer der KVN-Bezirksstelle in Verden und unter anderem für den Landkreis Nienburg zuständig. Er kennt die Engpässe bei der dermatologischen Versorgung: „Die Situation war schon lange angespannt“, sagt er auf Nachfrage. Die KVN habe lange nach einem Hautarzt mit Sitz in der Stadt Nienburg gesucht, aber niemanden gefunden, der sich dort niederlassen wollte. Erschwerend kommt hinzu: Seit 1. April ist auch die Praxis von Dr. Frank Wehner in Hoya geschlossen; einen Nachfolger gibt es bis heute nicht (wir berichteten mehrfach).

Dermatologe will nach Nienburg kommen

Nun könnte sich die Lage für die Patienten im Nienburger Raum zumindest mittelfristig verbessern: „Es hat sich jemand gefunden. Das sind gute Nachrichten!“, findet Schmitz. Demnach will sich ein neuer Dermatologe in der Stadt Nienburg niederlassen. Die Praxiseröffnung sei für die zweite Jahreshälfte geplant, sagt Schmitz. Derzeit suche man nach geeigneten Praxisräumen und Personal. Weitere Details nannte er nicht.

„Zudem schreiben wir die Hautarztpraxen im weiteren Umkreis an und schildern ihnen die Lage – in der Hoffnung, dass sie Patienten übernehmen“, ergänzt Schmitz. Auch die Telemedizin sieht die KVN als Option. „Diese Technologie ist im Bereich Dermatologie weit fortgeschritten. Das Problem: Auch hier brauchen Sie ja einen Arzt, der sich den Patienten anschaut“, bringt er das Dilemma auf den Punkt.

Es müssen also dringend weitere Fachärzte her. Und das nicht nur im Bereich Dermatologie. „Es fehlt auch an Hausärzten, Rheumatologen und Psychiatern“, listet der KVN-Geschäftsführer auf.

Ärzte oder Psychotherapeuten, die gesetzlich versicherte Patienten ambulant behandeln möchten, benötigen einen Kassenarztsitz. „Wie viele es davon in einer Region gibt, regelt die sogenannte Bedarfsplanung“, erläutert Pressesprecher Detlef Haffke von der KVN Hannover das Konzept. Die KVN ist per Gesetz verpflichtet, für die Niederlassung von Fachärzten den Landkreis als Ganzes zu betrachten und nicht einzelne Orte. Im Kreis Nienburg leben nach Angaben der KVN derzeit 121 636 Bürger. „Nach der Bedarfsplanung soll ein Hautarzt 39081 Menschen versorgen“, so Haffke. Zurzeit ist in dem Gebiet ein Hautarzt tätig. Stand heute können sich im Landkreis Nienburg rechnerisch weitere 2,5 Hautärzte niederlassen. „Aktuelle Bewerbungen um einen Hautarztsitz gibt es nicht“, ergänzt Haffke. „Aber wir bleiben dran“, versichert Michael Schmitz.

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