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Kreis Nienburg: Mehr Altbauten umnutzen

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Ein Bauarbeiter richtet Stahlstangen aus.
Der Bedarf ist da, aber jemand muss die neuen Wohnungen auch errichten. Die IG Bau mahnt tarifliche Löhne für Beschäftigte im Baugewerbe an. © IG Bau

Vom Eigenheim bis zum Mehrfamilienhaus: Im Landkreis Nienburg wurden im vergangenen Jahr 440 neue Wohnungen gebaut. Das teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) unter Berufung auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes mit.

Danach flossen in den Neubau Investitionen in Höhe von rund 92 Millionen Euro. „Zusätzliche Wohnungen sind ein wichtiger Beitrag gegen steigende Mieten. Wichtig ist dabei das bezahlbare Segment. Und es kommt vor allem darauf an, dass im sozialen Wohnungsbau noch mehr getan wird“, sagt Stephanie Wlodarski.

Die Bezirksvorsitzende der IG Bau Niedersachsen-Mitte sieht insbesondere die Politik in der Pflicht. Der Wohnungsbau in der Region könne nur dann Power zeigen, wenn in Berlin und Hannover die richtigen Weichen gestellt würden. „Die Bundesregierung hat 400000 neue Wohnungen pro Jahr versprochen. Ein Viertel davon sollen Sozialwohnungen sein. Von diesem Ziel ist die Ampel-Koalition noch weit entfernt. Hier ist aber auch die Landespolitik gefordert“, so Wlodarski.

Im vergangenen Jahr seien laut Statistik bundesweit lediglich 293400 neue Wohnungen entstanden – 4,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Zudem erschweren knappe Baumaterialien, steigende Energiepreise, Inflation und steigende Bauzinsen derzeit den Neubau, berichtet die Gewerkschaft. Hinzu kämen ein hoher Fachkräftebedarf und unzureichende staatliche Förderungen.

Gewerkschaft: Sozialwohnungen fehlen

Um vor allem „den lahmenden Bau von Sozialwohnungen voranzubringen“, schlägt die IG Bau ein „Sonderpaket sozialer Wohnungsbau“ vor. Die Mehrwertsteuer auf Sozialwohnungen solle von 19 auf sieben Prozent abgesenkt werden. Der Bau einer staatlich geförderten Wohnung würde nach Angaben der Gewerkschaft so um zehn Prozent günstiger. „Außerdem müssen Bund und Länder dringend das Baurecht vereinfachen. Es wird höchste Zeit, dass Genehmigungsverfahren schlanker und schneller werden. Zwischen Bauantrag und Baubeginn geht oft wertvolle Zeit verloren“, betont Wlodarski.

Die IG Bau-Bezirksvorsitzende verweist auf eine Chance, um zusätzlichen Wohnraum zu gewinnen: den Umbau bestehender Gebäude. „Im Kreis Nienburg schlummert ein großes Potenzial in der Umnutzung von Altbauten. So lassen sich bei vielen Wohngebäuden, Büro-, Geschäfts- und Parkhäusern Dachetagen aufstocken. Dazu kommt – durch mehr Homeoffice – der Umbau von Büros zu Wohnungen.“ Gerade auch mit Blick auf den steigenden Wohnraumbedarf für die Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflüchtet sind, müssten alle Möglichkeiten genutzt werden. „Viele Firmen suchen dringend Fachkräfte, um die Aufträge bewältigen zu können. Aber qualifizierte Maurer und Zimmerleute gewinnt nur, wer anständige Löhne zahlt und gute Arbeitsbedingungen bietet“, appelliert Wlodarski an die heimischen Bauunternehmenr. Aber auch Baubeschäftigte sollten sich laut Woldarski „nicht unter Wert verkaufen und auf einer tariflichen Bezahlung bestehen“.

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