Millionenbesitz vorgeschwindelt

Hof-Kauf in Balge: Obdachloser betrügt Markler

880 000 Euro als Kaufpreis für zwei Höfe in Balge seien kein Problem. Das vermittelte im Sommer 2018 ein Interessent aus dem Hamburger Umland einem Makler und mehreren Hofbesitzern – einer von ihnen: ein Staatsanwalt. Nach dem Unterschreiben der Kaufverträge flog der Schwindel auf. Der angebliche Millionär, der sich diese Woche vor dem Landgericht Verden verantworten musste, soll damals schon in einer Obdachlosenunterkunft gewohnt haben.

Verden/Balge – In dem jetzigen Strafprozess geht es einzig um den finanziellen Schaden des Maklers. Dieser wurde um seine Courtage in Höhe von 19.635 Euro geprellt, so hatte es das Amtsgericht Nienburg im Juni 2019 festgestellt und den heute 50 Jahre alten Angeklagten wegen Betruges zu acht Monaten Haft verurteilt.

Angeklagter sagt aus, er hätte für einen Bekannten seiner früheren Verlobten Geld waschen sollen

Auf die Berufung des Angeklagten erging in zweiter Instanz am Landgericht ein Freispruch. Weil damit die Staatsanwaltschaft nicht einverstanden war, musste das Oberlandesgericht Celle entscheiden. Dort wurde der Fall zur erneuten Verhandlung an eine andere Strafkammer des Landgerichts Verden zurückverwiesen.

Und da saß er dann wieder, der einschlägig vorbestrafte Angeklagte. Von einer schweren Erkrankung gezeichnet, konnte er sich nur mühsam erklären, betonte aber, dass er niemals jemanden habe schädigen wollen. Den Kaupreis und viel mehr habe ihm ein Bekannter seiner früheren Verlobten zur Verfügung stellen wollen. „Millionen“ sollten angeblich fließen. „Es ging darum, dass nicht versteuerte Gelder gereinigt werden sollten“, sagte der 50-Jährige. Von dem „Investor“ nannte er nur einen relativ geläufigen Familiennamen.

Angeklagter habe eine Baumschule und eine Wellness-Einrichtung auf den Höfen geplant

Der Angeklagte habe damals von Plänen für eine Gärtnerei oder Baumschule auf dem einen Hof und von irgendwas mit Wellness auf dem anderen Hof gesprochen, erinnerte sich der Makler vor Gericht. Alles so konkret, dass bei einem Ortstermin „jemand vom Denkmalschutz“ dabei gewesen sei. „Sein Vater habe eine Baumschule besessen und die habe er geerbt“, habe der Angeklagte ihm berichtet. Bei einer Google-Recherche sei er damals auf eine Gärtnerei mit dem Familiennamen des Angeklagten gestoßen, sagte der in Thedinghausen wohnhafte Zeuge.

„Angeblich spielte Geld keine Rolle.“ Teure Autos, Pferde und andere Immobilien seien auch Thema gewesen. Von „Millionen“ habe der Angeklagte geredet. Als alles aufgeflogen war, habe sich bei ihm ein Landmaschinenhändler aus Oyten gemeldet. Bei diesem hatte der Angeklagte Maschinen im Wert von 750.000 Euro geordert. Zur Vorführung der Fahrzeuge sei er zuvor bereits in Balge gewesen. Das wieder aufgestellte Verkaufsschild in Balge ließ ihn nachfragen, was passiert sei.

Urteil: Sechsmonatige Freiheitsstrafe

Der Pflichtverteidiger hielt dem Makler vor, dass die zahlreichen Rechtschreibfehler in den E-Mails und das Erscheinungsbild des heute 50-Jährigen Zweifel hätten wecken können. Ob jemand Geld hat, zeige sich nicht am Aussehen, hielt der Makler dagegen. „Das habe ich über die Jahre gelernt. Es gibt Leute, die laufen rum wie Penner. Das sagt nichts aus. Ich habe schon an Leute verkauft, denen würden sie einen Euro in den Becher schmeißen.“

Die Verhandlung endete mit der Verurteilung zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe. Der Makler habe seine Leistung erbracht. „Sie wussten, dass sie ihn täuschen“, sagte die Vorsitzende Gözde Yurtsever-Gök. Die Geschichte von dem abgesprungenen Investor habe die Kammer nicht überzeugt. „Sie haben so einen kompetenten Eindruck gemacht, dass der Makler ihnen damals Glauben geschenkt hat und der Staatsanwalt.“ Als einzuziehender Betrag wurden 19.635 Euro festgelegt. Der Angeklagte hat Revision eingelegt.

Rubriklistenbild: © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

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