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Helios-Beschäftigte protestieren gegen Offerte des Klinik-Konzerns

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Von: Katrin Köster

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Die Beschäftigten der Helios Kliniken Mittelweser planen am 28. April eine Protestaktion gegen die Tarifpolitik des Konzerns.
Die Beschäftigten der Helios Kliniken Mittelweser planen am 28. April eine Protestaktion gegen die Tarifpolitik des Konzerns. © Archiv

Als „Schlag ins Gesicht“ bezeichnen Arbeitnehmervertreter das aktuelle Tarifangebot des Helios-Konzerns. Am Donnerstag soll eine Protestaktion auf die Tarifpolitik aufmerksam machen.

Landkreis Nienburg – „Wir jonglieren hier jeden Tag, um die Versorgung zu sichern, und dann so ein Angebot? Für die Kollegen ist das wie ein Schlag ins Gesicht“, bringt Izabel Dierks die Stimmung unter der Belegschaft der Helios-Klinken Mittelweser auf den Punkt. Aktueller Auslöser des Unmutes ist der Vorschlag des Helios-Konzerns, die Entgelte für dieses Jahr um 0,8 Prozent anzuheben. 2023 sollen 1,8 Prozent folgen. Zu wenig, finden Dierks, viele ihrer Kollegen und die Gewerkschaft Verdi.

Dierks ist Fachkraft für Intensiv- und Anästhesiepflege in den Helios Kliniken Mittelweser und Mitglied der Verdi-Tarifkommission in Nienburg. Um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen, planen sie und ihre Kollegen am 28. April eine Protestaktion in der Mittagspause. Treffpunkt ist auf dem Vorplatz des Nienburger Klinikums – einen Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde.

Neben den Helios Kliniken Mittelweser verhandeln derzeit auch die Beschäftigten der Helios-Krankenhäuser in Cuxhaven, Gifhorn, Herzberg am Harz, Hildesheim, Salzgitter, Uelzen und Wittingen mit dem Konzern. „Sie fordern 15 Prozent mehr im Monat sowie für die Auszubildenden 200 Euro mehr, bezogen auf eine Laufzeit von zwölf Monaten. Außerdem eine Corona-Prämie in Höhe von 1500 Euro sowie eine Anhebung der Jahressonderzahlung für alle Kliniken auf einheitlich 100 Prozent eines Monatsgehalts“, schreibt Verdi in einer Mitteilung.

Helios hatte am 17. März ein erstes Angebot vorgelegt. Demnach sei der Konzern bereit, in den kommenden zwei Jahren die Löhne halbjährlich um ein Prozent zu erhöhen. Zudem biete man eine Zulage für Pflegekräfte in Höhe von 70 Euro ab dem 1. Juli 2023 an.

Angebot entspricht Steigerung von 0,8 Prozent für 2022 und 1,8 Prozent für 2023

„Wir haben mal gerechnet“, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Jörn Bracker. Das Angebot von Helios bedeute aufs ganze Jahr 2022 gerechnet eine Entgeltsteigerung von gerade einmal 0,8 Prozent und für 2023 von ganzen 1,8 Prozent. „Das bedeutet nicht nur einen massiven Reallohnverlust für die Beschäftigten angesichts der derzeitigen Inflation, sondern ist auch ein Schlag ins Gesicht vor dem Hintergrund der Gewinnsituation des Konzerns und der Erhöhung der Rendite für die Helios-Aktionäre“, betonen er und Dierks.

Laut Verdi sei der Umsatz von Helios Deutschland 2021 um sechs Prozent auf 6,73 Milliarden Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern von Helios Deutschland sei 2021 um zwei Prozent auf 613 Millionen Euro gestiegen.

Dieses Geld kommt nach Ansicht der Gewerkschaftler von den Beschäftigten – sie hätten es letztlich mit Geldern aus der Versichertengemeinschaft erwirtschaftet. Und: „Binnen zehn Jahren hat Helios seine Dividende für die Aktionäre mehr als verdreifacht, jetzt steht die 29. Erhöhung in Folge an, und zwar um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr“, rechnet Bracker weiter. Angesichts dieser Zahlen sind ihre Kollegen empört, berichtet Dierks. „Und wir sind ja nicht raus aus der Pandemie“, ergänzt sie. Die Belastung durch die Pandemie und ihre Folgen gehe für das Personal weiter. Dierks kritisiert außerdem die ungleiche Behandlung der Beschäftigten: „Es gab die staatliche Corona-Prämie zum Beispiel nur am Standort Nienburg, nicht für die Kollegen in Stolzenau – trotz gleicher Belastung.“ Ebenso sei vom Gesetzgeber die Ärzteschaft von der Prämie ausgeschlossen worden. „Das ist sehr ungerecht und stiftet Unruhe in der Belegschaft“, stellt Dierks fest.

Die Zeit des Klatschens ist vorbei, wir holen uns jetzt, was uns zusteht. Das magere Angebot von Helios bezahlt nicht unsere Tankrechnungen.

Izabel Dierks, Fachkraft für Intensiv- und Anästhesiepflege in den Helios Kliniken Mittelweser und Mitglied der Verdi-Tarifkommission in Nienburg

Sie sieht den Helios-Konzern an dieser Stelle in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass keine Beschäftigten benachteiligt werden. „Die Zeit des Klatschens ist vorbei, wir holen uns jetzt, was uns zusteht. Das magere Angebot von Helios bezahlt nicht unsere Tankrechnungen“, zeigt sich Dierks kämpferisch.

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