Helfer brauchen Hilfe

Nienburger Tafel durch Corona stark belastet

Ein Helfer hält Paprikaschoten in den Händen.
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Sehr gefragt, aber auch von der Pandemie gebeutelt: Die Tafel Nienburg sucht Helfer und Spender, um ihre Arbeit langfristig zu sichern.

Landkreis Nienburg – Von einer besinnlichen Adventszeit kann bei Beate Kiehl und ihren Mitstreitern von der Tafel Nienburg keine Rede sein. Die Teams in Nienburg, Hoya und Stolzenau kommen langsam, aber sicher an ihre Grenzen. Immer mehr Menschen sind inzwischen auf die Lebensmittel-Ausgaben der Tafeln angewiesen. Und auch die Tafeln selbst brauchen personelle und finanzielle Unterstützung, um weiterhin helfen zu können.

  • Die Ehrenamtlichen bei der Nienburger Tafel sind überlastet und brauchen Hilfe.
  • Immer mehr Menschen nehmen die Hilfe der Tafeln in Nienburg, Hoya und Stolzenau in Anspruch.
  • Corona-Pandemie bringt viele Bürger an ihre finanziellen Grenzen.

Nach Angaben des Bundesverbandes der Tafeln macht sich seit der ersten Pandemie-Welle eine „neue Form der Armut“ in Deutschland bemerkbar: „Aktuell fragen Menschen die Unterstützung der Tafeln nach, die vorher nicht auf externe Hilfen angewiesen waren“, heißt es.

Dieses Phänomen kann Beate Kiehl Geschäftsführerin der Tafel, auch für die Region Nienburg bestätigen: „Wir haben alles: Alleinerziehende Mütter mit Kindern, Menschen, die aufgrund der Corona-Pandemie ihren Job oder Nebenjob verloren haben.“ Zu ihnen kommen auch Selbstständige, deren Existenzen aufgrund von wegbrechenden Aufträgen gefährdet sind, oder Menschen, die wegen der Krise in Kurzarbeit sind.

Gleichzeitig zeige sich laut Bundesverband aber auch, dass Menschen, die bereits vor der Corona-Pandemie zu den Tafeln kamen, momentan nicht erreicht werden. Auch das erlebt Beate Kiehl: Aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus kommen derzeit nur wenige Senioren zu den Tafeln. Sonst machen sie ein Viertel der Tafel-Kundschaft aus.

Die Tafel leistet monatlich rund 6000 Lebensmittelausgaben

Nichtsdestotrotz müssen die Tafel-Mitarbeiter zunehmend mehr bewältigen: Derzeit leistet die Tafel in Nienburg, Hoya und Stolzenau monatlich rund 6 000 Lebensmittel-Ausgaben – Tendenz steigend. Das belastet die Helfer. „Wir schleppen uns so durch“, fasst Kiehl die derzeitige Lage zusammen.

Was fehlt, ist zum einen Personal, zum anderen Geld. Um die Lebensmittel-Ausgaben zu bewältigen, müssen die Tafeln etwa 120 000 Euro Kosten pro Jahr für die Organisation des „Drumherum“ stemmen, so die Geschäftsführerin. Dazu zählen Ausgaben für Miete, Fuhrpark, Personal sowie Sonstiges.

Dem gegenüber kann die Tafel 43 000 Euro im Jahr aus den zu zahlenden Eigenanteilen der Tafel-Kunden verbuchen. Den Rest muss die Organisation über Spenden einwerben, berichtet Beate Kiehl. Staatliche Unterstützung gibt es keine. Das ärgert Kiehl sehr.

Sie nennt ein Beispiel: Die staatlich geforderten Schutzmaßnahmen in den Ausgabestellen, darunter Plexiglasscheiben, Desinfektionsmittel und Handschuhe belasten das knappe Tafel-Budget zusätzlich. „Aber wir müssen das ja haben. Es sind staatliche Vorgaben.“ Dass die Tafeln im Gegenzug keine Unterstützung bekommen, ist für sie ein Unding.

Die Tafel braucht Unterstützung

Unterstützung bekommt die Tafel vom Förderverein, berichtet Kiehl. Mit seiner Hilfe kamen in den vergangenen fünf Jahren knapp 80 000 Euro für die Erneuerung des Anlagevermögens, die Liquidität der Tafel sowie für Ausgaben in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie zusammen, so Kiehl.

Derzeit besuchen in Nienburg 237 Personen regelmäßig die Lebensmittel-Ausgabe, in Hoya und Stolzenau sind es jeweils 110 Personen. Damit sie 2021 nicht vor womöglich geschlossenen Türen stehen, braucht die Tafel Unterstützung. „Damit wir weitermachen können“, betont Kiehl. Der Gedanke an 2021 bereitet der Geschäftsführerin derzeit leichte Bauchschmerzen. „Die Corona-Pandemie war für uns auch eine gewaltige Herausforderung, die wir aber sehr gut gemeistert haben“, findet Kiehl.

Die Nienburger Tafeln gehörten ihr zufolge zu den wenigen Einrichtungen, die während der gesamten Pandemie in Betrieb gewesen sind. „Das klappte nur mit einem sehr guten Hygienekonzept, unseren großartigen 40 ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie der Unterstützung durch unseren Förderverein“, fasst Beate Kiehl zusammen.

Damit es auch nach den Feiertagen bei der Tafel rund laufen kann, hoffen Beate Kiehl und ihr Team auf zusätzliche Ehrenamtliche, die in den Ausgabestellen oder als Fahrer mithelfen möchten. Auch finanzielle Unterstützung wäre ihnen sehr willkommen.

Öffnungszeiten und Spenden-Infos

Die Nienburger Tafeln sind an Heiligabend und „zwischen den Jahren“ geschlossen. In Nienburg ist die letzte Lebensmittel-Ausgabe vor Weihnachten am 22. Dezember, in Stolzenau am 23. Dezember. In Hoya ist die Ausgabestelle am 17. Dezember zuletzt geöffnet. Los geht es wieder zu den regulären Uhrzeiten am 5. Januar in der Hauptstelle am Lager Nienburg, gefolgt vom 6. Januar in Stolzenau und am 7. Januar in Hoya.

Weitere Infos: www.nienburger-tafel.de

Spendenkonto:

Sparkasse Nienburg, IBAN: DE76 256 501 060 060 006 483

(bitte Name und Anschrift angeben, damit die Spendenbescheinigung zugesandt werden kann)

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