Aus dem Landgericht

Polizei schildert Festnahme im Fall um getötete Judith Thijsen

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Der Angeklagte wurde außerhalb des Maßregelvollzugs, bei einer Therapieeinheit, festgenommen.

Loccum - Von Wiebke Bruns. Der neunte Verhandlungstag in dem Prozess um den Mord im Loccumer Klosterwald war zwar nur ein Sprungtermin, aber wichtig für den Fortgang des Verfahrens. Weil beide Verteidiger des 51 Jahre alten Angeklagten verhindert waren und eine Kollegin geschickt hatten, wurden keine Zeugen vernommen. Es brauchte jedoch Programm, denn nach der Strafprozessordnung muss ein Prozess in diesem Stadium binnen drei Wochen fortgesetzt werden. Ansonsten muss er neu beginnen.

Die Beweisaufnahme beschränkte sich weitestgehend auf das Verlesen eines Vermerkes der Polizei zu der Festnahme des Angeklagten. Der heute 51-Jährige war zum Tatzeitpunkt auf Grund eines Urteils aus dem Jahr 2012 im Maßregelvollzugszentrum Bad Rehburg (MRVZ) untergebracht.

Erst im April 2016 war die Festnahme erfolgt, obwohl es einen Hinweis aus dem MRVZ auf den Angeklagten als möglichen Täter gegeben hatte. Der mehrfach vorbestrafte Sexualstraftäter soll am Tag des Verschwindens der 23-Jährigen mit Kratzern im Gesicht von einem unbegleiteten Freigang in die Einrichtung zurückgekehrt sein. Dies war Mitarbeitern aufgefallen.

Als die Polizei sieben Monate später zwecks Festnahme in der Einrichtung auftauchte, soll der damals stellvertretende Chefarzt laut dem Polizeivermerk spontan wie folgt reagiert haben: „Das überrascht uns nicht, den hatten wir gemeldet.“

Auf den 51-Jährigen als dann dringend Tatverdächtigen war die Polizei erst nach einer weiteren Panne gekommen. Ein Stück Kaugummipapier war nach dem Auffinden der Leiche am vermuteten Tatort gefunden und gesichert worden. Jedoch wurde es versäumt, dies auf DNA-Spuren zu untersuchen. Als das nachgeholt wurde, fanden sich DNA-Anhaftungen, die mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:14,5 Quadrillionen von dem Angeklagten stammen. So wurde es in einem ersten Prozess festgestellt.

Die Festnahme am 14. April 2016 gestaltete sich dann zunächst schwierig, weil man im MRVZ gar nicht wusste, wo der mehrfach vorbestrafte Sexualstraftäter mit angeordneter Sicherungsverwahrung gerade war. Schließlich konnte er während einer Behandlung in einer Praxis für Physiotherapie, außerhalb des MRVZ in Bad Rehburg, festgenommen werden.

Von der Behandlungspritsche ging es für den Angeklagten zur Polizeiinspektion nach Nienburg. Dabei habe er „ruhig und gefasst“ gewirkt, wie es in dem Polizeivermerk heißt. Auf die Frage nach einem Alkoholkonsum soll der heute 51-Jährige unterwegs geantwortet haben, dass er „seit fünf Jahren trocken“ sei.

Doch wegen eines angeblichen Hangs zum übermäßigen Alkoholkonsum war der Angeklagte im Januar 2013 im MRVZ untergebracht worden. Das Landgericht Aurich hatte ihn im Jahr 2012 wegen Vergewaltigung zu vier Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Außerdem war die Unterbringung in der Entziehungsanstalt (MRVZ) angeordnet worden, die der gleichzeitig angeordneten Sicherungsverwahrung voranzustellen ist. In Bad Rehburg wurde die Gefährlichkeit des 51-Jährigen anders eingeschätzt, und er konnte von allen Freiheiten des Maßregelvollzugs profitieren. Während eines unbegleiteten Freigangs soll er Judith Thijsen ermordet haben.

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