Friedhöfe von St. Martin mit neuer Bestattungsform

„Halbanonyme“ Bestattungen

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Dieter Isensee, Wolfram Müller, Birgit Graue und Dr. Gerhard Neuenfeldt (v.l.) stehen vor einem der neuen Urnengrabfeldern auf dem Nordertor- und Leintorfriedhof.

Nienburg - Von Kristina Stecklein. In der schnelllebigen Welt fehlt den Menschen heutzutage vor allem eins: Zeit. Ob Zuhause, auf der Arbeit oder einfach während der Freizeit selbst – der Mensch nimmt immer mehr Verpflichtungen auf sich.

Genau diesem Trend wirken die St. Martin Friedhöfe im Nienburger Nordertor und Leintor entgegen. Seit Anfang dieses Jahres werden dort neue Grasurnengrabfelder als alternative Bestattungsform angeboten. Diese entlasten die Angehörigen in der Pflege der Grabstätten ungemein.

„Viele fragen sich dann; Wer pflegt später mein Grab? Hier ist die Urne mit einer Rasenfläche bedeckt“, erklärt Obergärtner Wolfram Müller „die meisten möchten nicht zur Last fallen und entscheiden sich dafür. Es müssen keine Grabsteine bestellt werden, der Aufwand hält sich sehr gering und die Pflege der Grabstätte erfolgt ausschließlich durch den Friedhofsträger.“

Der Wunsch, in der heimatlichen Wohngegend begraben zu werden, kommt in den meisten Fällen ebenfalls dazu. Nicht selten ziehen Angehörige der Verstorbenen fort, sodass eine konstante Pflege erschwert wird und viele Gräber verkommen.

Bei den „Rasenurnengrabfeldern“ handelt es sich um Reihengräber, die nach einander belegt werden. „Deshalb ist eine Partnerbestattung nicht möglich“, erläutert Birgit Graue von der zuständigen Friedhofsverwaltung. Wenn eine Partnerbestattung erwünscht sei, gebe es für solche Fälle Rasenurnenwahlgrabstätten, die vom Interessenten frei gewählt werden können. Rasenwahlgrabstätten hingegen unterscheiden sich darin, dass die Bestattung in einem Sarg und nicht in einer Urne vollzogen wird.

Diese naturnahen Bestattungsformen werden von der St. Martin-Kirchengemeinde unterstützt und gefördert, deshalb können neue Gräber (ob Sarg oder Urne) nur als Rasengräber angelegt werden. Die Pflege erfolgt auf beiden Friedhöfen durch zuständige Friedhofsgärtner.

Die bisherigen Bestattungsformen wurden nun erstmals in diesem Jahr durch das Gemeinschaftsgrab ohne Einzelgraberkennung erweitert, sozusagen „halbanonym“.

Halbanonym, weil anonyme Bestattungen auf den Friedhöfen der St. Martin Gemeinde verboten sind. Dafür hat Dr. Gerhard Neuenfeldt, Kirchenvorstandvorsitzender, eine plausible Erklärung. „In der Bibel heißt es: ‚Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!‘ Der Name ist auch nach dem Tod vor Gott entscheidend.“ Aus diesem Grund werden zwar Bronzeplatten mit den Namen der Verstorbenen zur Erinnerung an der Gedenkstätte angebracht, eine genaue Einzelkennzeichnung der Urne ist allerdings nicht vorhanden. Im Gegensatz zu einem anonymen Grab dürfen Angehörige hier die Urne bis zur Beisetzung begleiten. Pro Gedenkstätte haben 160 Urnen Platz, bei Bedarf kann dieser jedoch auf 140 weitere Urnen erweitert werden.

Finanziert wurden die dazugehörigen Grabstein-Denkmäler auf beiden Friedhöfen im Nordertor und Leintor im Wert von 3 200 Euro von der Wirker-Stiftung. Die Stiftung ist seit 2007 aktiv und hat bereits 17 Projekte mit insgesamt über 100 000 Euro unterstützt. Namensgeber und Gründer Wilhelm Wirker war selbst bekannter Steinmetz und fertigte während seiner Lebzeiten einige Grabsteine an.

Der Kostenfaktor spielt für Interessenten auch häufig eine große Rolle. Bei dieser neuen Bestattungsform wird, wie für jedes andere Grab auch, eine Ruhezeit von 25 Jahren garantiert, eine Verlängerung ist bei einem Reihengrab allerdings nicht möglich.

„Jeder Zweite entscheidet sich mittlerweile für die Urnenbestattung“, weiß Wolfram Müller. „Die Angehörigen können ihre Trauer trotzdem verarbeiten und Blumen, Kerzen oder Andenken an der zentralen Gedenkstätte platzieren.“

Vom Ruheforst in Marklohe rät Birgit Graue ab, Bestattungen unter einem Baum seien sowohl auf dem Nordertor, als auch auf dem Leintorfriedhof möglich. „Ältere Menschen können den Forst ohne fremde Hilfe nicht mehr betreten“, warnt die Verwalterin. Dem stimmt auch Müller zu. „Bei uns gibt es richtige Wege, die den Zutritt in jedem Alter ermöglichen.“

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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