Grundlegend neue Erkenntnisse: Gebäude-Eingang aus dem 12. Jahrhundert

Tag der offenen Grabung – zurück ins Mittelalter

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Kommunalarchäologe Dr. Jens Berthold und Grabungsleiter Frank Wedekind (v.l.) vor dem Gebäude-Eingang.

Nienburg - Von Vivian Krause. Besen huschen über die soeben freigelegten Steine. Die Hände sind dreckverschmiert. Die Augen leuchten bei einem neuen Fund. Die Kamera wird gezückt und die erdverkrustete Entdeckung abfotografiert. Gelbe Zettel mit Nummern kleben an den freigelegten Wänden. Ein wenig erinnert die Kulisse an einen Tatort von CSI. Falsch gedacht: Es sind Grabungen zur Erforschung des Burghügels Wölpe.

Ein Blick in den Grabungsschnitt zeigt Studenten der Uni Regensburg, die vorsichtig mit Spaten, Schaufel, Kelle und Besen die Mauern freilegen und Funde wie Münzen, Wandscherben oder Tierknochen in einem Eimer sammeln. Diese würden später von Restrauratoren aufbereitet, so der örtliche Grabungsleiter Frank Wedekind.

Aufgeregt zeigt er sein Lieblingsfundstück: Eine Münze, die den Sonnenkönig, Ludwig XIV., zeigt. Dies schlussfolgert Wedekind durch die Prägung „FR ET N REX“ und der Abbildung einer Person mit barocker Perücke.

Die gelben Zettelchen dienen der Zuordnung. So bekommt jede der über 100 Erdschichten eine Nummer, damit die in eben dieser Schicht gesammelten Funde eindeutig zugeordnet werden können. So wird klar, aus welchem Jahr die jeweiligen Funde sind.

Was für den Laien wie Baumstämme oder Geäst aussieht, lässt die Experten darauf schließen, dass die Hölzer gezielt eingesetzt wurden, um dem von Menschenhand erbauten Hügel Stabilität zu geben. Ein Eichenstamm wird etwa ins Jahr 1110 zurückdatiert, schätzt Frank Wedekind.

Bis vor sechs Jahren war der Ort, wo heute beachtliche Funde zum Vorschein kommen, ein grüner Hügel. Um 1120 hingegen lebten auf der Burg Wölpe die Edlen, später Grafen, von Wölpe. Danach diente sie als Amtssitz, der schließlich 1877 abgerissen wurde.

Der annähernd runde Burghügel hat einen Durchmesser von rund 60 Metern und ist etwa viereinhalb Meter hoch.

Ein lokales Interesse in Erichshagen-Wölpe, die Burg zu erforschen und zugänglich zu machen, führten zu ersten Aufräumaktionen, erklärt Dr. Jens Berthold, Kommunalarchäologe der Schaumburger Landschaft.

Für dieses Projekt brauchte es laut Berthold drei Dinge: Interesse, Fachleute und Geldgeber. Letzteres löste unter anderem die Uni Regensburg, welche seit 2012 jedes Jahr vier bis sechs Wochen Archäologiestudenten zu einer Lehr- und Forschungsgrabung nach Erichshagen-Wölpe schickt.

Zuvor, in 2011, wurden erste geophysikalische Untersuchungen unternommen. Heißt: Mit dem Verfahren kann, ohne zu graben, herausgefunden werden, was sich unter dem Boden verbirgt. Vergleichbar sei dieses Verfahren mit dem Röntgen, so Berthold.

Der Schichtaufbau des Hügels wurde im Laufe der Jahre immer weiter untersucht und soll mit der vierten und vorerst letzten Grabung, welche die ältesten Burghügelschichten zum Vorschein bringt und noch bis Ende nächste Woche andauert, abgeschlossen sein.

Durch die Grabung offenbart sich ganz klar ein L-förmiger Gebäude-Eingang, eine Verengung und eine Innenmauer – sogar für Laien zu erkennen. Auch ragt ein Teil aus der Wand, welches als Türangel identifiziert wird, bestätigt Berthold. Was jedoch noch fehlt ist der Fußboden des Gebäudes. „Wahrscheinlich war das hier ein Gebäude der ganz frühen Jahre.“ Die Teile lassen auf das 12. oder 13. Jahrhundert schließen.

Eine komplette Freilegung der Burg sei nicht geplant. Berthold vergleicht die Arbeit eines Archäologen mit dem Handwerk eines Zahnarztes: „Die hatten vor 100 Jahren auch ganz andere Werkzeuge“. Vielleicht können die Archäologen irgendwann sogar ohne Grabungen herausfinden, was noch alles unter der Erde schlummert, hofft der Berthold.

Was passiert mit der offenen Grabung? Zunächst wird diese wahrscheinlich mit Stroh gefüllt und mit einer Plane bedeckt. Sofern die Grabung aber nicht weitergeführt wird, muss der Grabungsschnitt jedoch wieder vollständig geschlossen werden, erklärt Erich Block vom Arbeitskreis „Wölper Burghügel“. Was definitiv bleibt sind neue Erkenntnisse, Messungen, Zeichnungen und Funde aus früheren Jahrhunderten.

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