Nienburger Tafel braucht Helfer/Tag der offenen Tür am Samstag

Gesucht: Helfende Hände und sensible Gemüter

Die Nienburger Tafel lädt für den kommenden Sonnabend alle Interessierten in ihre Räume in der Leinstraße in Nienburg ein, um sich und ihre Arbeit vorzustellen. - Foto: Kreykenbohm

Nienburg - Von Julia Kreykenbohm. Die Hintertür zum Büro der Nienburger Tafel schiebt sich auf und ein großer, schmaler Mann schaut herein. Als er bemerkt, dass die Leiterin der Tafel, Beate Kiehl, im Pressegespräch ist, zieht er sich diskret wieder zurück. „Warte!“, ruft Beate Kiehl rasch und der junge Mann kommt scheu lächelnd in den Raum zurück. „Wie war es denn?“, fragt sie gespannt. „Bestanden“, erwiderte der 35-Jährige. Kiehl erhebt sich und umarmt den jungen Mann herzlich: „Glückwunsch!“

Sie besprechen noch ein paar Details für die kommenden Tage, dann geht der Mann wieder hinaus. „Das ist einer der drei Flüchtlinge, die bei uns arbeiten“, erläutert Kiehl strahlend. „Er hat eigentlich heute frei, aber er ist extra vorbeigekommen, um Bescheid zu sagen, dass er seine theoretische Führerscheinprüfung gemacht hat.“ Der junge Mann sei sehr engagiert, hilfsbereit und respektvoll. Er habe bereits den Führerschein in seiner Heimat erworben, doch der werde hier nicht anerkannt.

Seinen Namen oder seine Herkunft möchte Beate Kiehl nicht in der Zeitung lesen. Der Schutz ihrer Mitarbeiter und auch ihrer Kunden ist ihr sehr wichtig. Doch Menschen wie den jungen Mann braucht die Nienburger Tafel – im Moment mehr denn je. „Es ist eben Urlaubszeit“, sagt Kiehl und seufzt.

In allen Bereichen, die die Nienburger Tafel anbietet, werden helfende Hände, verschwiegene Münder und sensible Gemüter gesucht. „Wir brauchen Fahrer, die die Lebensmittel von den Supermärkten, Bäckereien und Firmen abholen, sie zu den Ausgabestellen in Neustadt, Hoya, Nienburg und Stolzenau fahren, sortieren und bei Bedarf auch bei der Ausgabe selbst helfen.“

Montags geht es sogar bis nach Hannover oder auch mal nach Bremen, wenn mit der Bremer Tafel Lebensmittel getauscht werden. Die Fahrer sollten ihre Fahrzeuge in Ordnung halten können und körperlich fit sein, um auch Kisten zu tragen. „Sie müssen Allrounder sein“, sagt Kiehl und lacht. Bei der Essensausgabe sei es zudem wichtig, freundlich mit den Kunden umzugehen.

Deren Anzahl sei mächtig gewachsen. „Im vergangenen Jahr hatten wir rund 4 000. Im April diesen Jahres sind es 6984“, erklärt Kiehl. 18 Nationen würden inzwischen bedient. Ein behutsamer Umgang sei allein schon deshalb wichtig, da auch viele traumatisierte Kunden dabei wären. „Anfangs gab es gerade sprachliche Probleme, aber inzwischen hat sich das eingespielt.“

Im Bereich der Hauslieferungen für Senioren oder Kranke, die aus gesundheitlichen Gründen nicht zur Tafel kommen können, fehlen ebenfalls noch Leute. Auch für die „Lernschritte“ werden Mitarbeiter gesucht. Lehrer oder einfach Menschen, die Spaß daran haben, Kindern bis zur vierten Klasse bei den Hausaufgaben zu helfen oder in den Fächern, in denen sie Probleme haben, Nachhilfe zu geben.

„Die Kindern kommen um 13 Uhr, dann gibt es eine warme Mahlzeit, es wird gespielt, erzählt und dann gelernt.“ Zusätzlich stellt die Tafel ein „gesundes Frühstück“ für einige Grundschulklassen zusammen. Dieses geht jeweils an eine komplette Klasse, damit alle Kinder etwas bekommen und nicht eines stigmatisiert wird.

Wenn sich genügend Helfer finden würden, könnte sogar der „Tafel-Kindergarten“, den es schon einmal gegeben habe, wieder aufgenommen werden. „Bei der Ausgabe am Dienstag und Freitag kommt es vor, dass Eltern ihre Kinder mitbringen. Und wenn es länger dauert, langweilen die Kleinen sich natürlich. Da wäre es toll, wenn man für die Zeit eine Betreuung anbieten könnte, wo mit den Kindern gemalt oder gebastelt wird.“

Wann und wie oft die Helfer arbeiten, könne individuell abgesprochen werden, so Kiehl. Wer sich einen Eindruck von der Nienburger Tafel und ihrer Arbeit machen möchte, hat am Sonnabend ab 14 Uhr die Gelegenheit dazu. Denn dann lädt die Tafel in der Leinstraße bis 17 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. „Für die Kinder wird es Spiele und ein Quiz, für die Erwachsenen Kaffee, Kuchen und Bratwurst geben“, so Kiehl.

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