AUS DEM LANDGERICHT 21-Jähriger bittet nach Überfall eines NP-Marktes um Entschuldigung

Geständiger Angeklagter

Marklohe – Mehr als zwei Jahre nach dem Überfall auf den NP-Markt in Lemke ist noch keiner der drei Räuber rechtskräftig verurteilt. Am Freitag ist nach mehreren gescheiterten Versuchen am Landgericht Verden das Berufungsverfahren mit zwei 20 und 21 Jahre alten Angeklagten aus Nienburg gestartet.

Unmittelbar vor Ladenschluss um 21 Uhr am Abend des 11. April 2019 hatten drei maskierte Räuber mit einer „Scheinwaffe“ das Geschäft betreten. Anwesend waren zwei Mitarbeiterinnen und ein zehnjähriges Mädchen als letzte Kundin.

„Überfall, Überfall“, soll der 21-Jährige gebrüllt und das Öffnen von Kasse und Tresor gefordert haben. Für das Schöffengericht des Amtsgerichts Nienburg stand fest, dass der 20-Jährige „die Tatwaffe gehalten und auf die Kassierin gerichtet“ hatte. Das zehnjährige Kind habe einer der Täter aus dem Laden geschickt.

Der geständige 21-Jährige wurde vom Nienburger Jugendschöffengericht wegen schweren Raubes und Bedrohung unter Einbeziehung eines früheren Urteils zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt. Er war von zwei Passanten auf der Flucht geschnappt worden und hatte einen dieser Männer später bedroht mit: „Wenn ich dich noch mal in Nienburg sehe, erschieße ich dich.“

Objektive Beweismittel gegen den 20-Jährigen liegen nicht vor. Er wurde von dem 21-Jährigen als Mittäter genannt, bestreitet aber jegliche Tatbeteiligung. Im ersten Prozess hatte er wegen schweren Raubes eine zweijährige Bewährungsstrafe erhalten. Sein Ziel ist ein Freispruch. Dem 21-Jährigen geht es mit seiner Berufung einzig um die Strafhöhe. Das Verfahren gegen einen 23 Jahre alten Beschuldigten aus Nienburg wurde mangels Tatnachweises vorläufig von der Staatsanwaltschaft Verden eingestellt.

Die beiden Mitarbeiterinnen wurden „in Todesangst versetzt“ und leiden bis heute unter dem Erlebten, stellte das Gericht fest. Mit jeder Ladung komme alles wieder hoch, sagte eine der Frauen am Freitag. Sie leide unter Schlaf- und Angststörungen. „Es ist ganz schwer. Mein ganzes Leben hat sich verändert durch so einen Scheiß“, sagt die 50-Jährige. Ihrer Kollegin blieb die Aussage erspart.

Wenigstens entschuldigte sich der 21-Jährige bei der Frau und dem Markloher. Dafür steckte er sogar kurzfristig sein Smartphone in die Tasche, auf dem er während der Verhandlung immer wieder herumtippte.

Der Markloher hatte gemeinsam mit einem anderen Mann die Verfolgung der maskierten Täter aufgenommen. Mit einer Schreckschusswaffe, die der Zeuge legal besitzt, habe er einmal in die Luft geschossen. Doch nur der 21-Jährige ließ sich dadurch stoppen. Dann habe der andere Zeuge, ein Türsteher, den Räuber gefesselt und an die eintreffende Polizei übergeben.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Wiebke Bruns

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