Knochenmarkspende

Genetische Zwillinge: Rehburger hilft Australier zu überleben

André Janssen hat eine Knochenmarkspende abgegeben, um seinem genetischen Zwilling Graham Evans aus Melbourne, Australien, das Leben zu retten.
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André Janssen hat eine Knochenmarkspende abgegeben, um seinem genetischen Zwilling Graham Evans aus Melbourne, Australien, das Leben zu retten.

„Your genetic twin“ – „Dein genetischer Zwilling“. So enden die E-Mails, die André Janssen und Graham Evans sich seit einigen Wochen schreiben. „Eure Gene stimmen zu 100 Prozent überein“, hat ein Arzt zu Graham Evans gesagt. Weswegen der Rehburger dem fernen Australier das Leben retten konnte.

Rehburg – Zwei Jahre sind vergangen, seit Janssen abends einen Anruf von der DKMS, der Deutschen Knochenmarkspenderdatei, bekam. Er komme als Stammzellspender in Betracht. Für einen Menschen, der an Leukämie erkrankt sei. Ob er am nächsten Morgen für eine erste Untersuchung bereit sei?

Datenschut macht das Kennenlernen der Betroffenen schwierig

Mehr als zehn Jahre zuvor hatte er sich bei der DKMS registrieren lassen. Der damals 30-Jährige sagte sofort zu. Eine Blutabnahme bei seinem Hausarzt und einen Gesundheitscheck in Köln später stand fest: Er kam als Spender in Frage. Bald darauf reiste Janssen wieder nach Köln. Nun für eine Blutwäsche, bei der seine Stammzellen ausgespült wurden.

Als Spender registrieren

Die Registrierung als Stammzellenspender bei der DKMS ist denkbar einfach. Über das Internet kann ein Set beantragt werden, mit dem ein Wangenabstrich gemacht werden kann. Die Probe wird dann zurückgeschickt, analysiert und schon sind die notwendigen Daten hinterlegt.

Sollte eine Person als Stammzellenspenderin oder -spender in Frage kommen, werden die notwendigen Werte noch einmal per Blutanalyse überprüft. In 80 Prozent der Fällen werden die Stammzellen mittels einer Blutwäsche gewonnen (siehe Bild oben), einem Verfahren, das etwa 90 bis 240 Minuten dauert. Deutlich seltener ist eine Entnahme aus dem Knochenmark unter Vollnarkose.

Er wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, wer seine Spende bekommen sollte. Ein Mann aus Australien. Aus Datenschutzgründen wurde ihm nur das mitgeteilt. Die Hoffnung, dass er von demjenigen, für den er gespendet hatte, später mehr erfahren könnte, war gering. Der Datenschutz in Australien, teilte ihm die DKMS mit, sei noch strenger als in Deutschland.

Zwei Jahre nach der Spende lernen André Janssen und Graham Evans sich kennen

Umso größer waren Überraschung und Freude, als er zwei Jahre später eine E-Mail von Evans, dessen Frau und ihren beiden Kindern bekam. Der Australier mit britischen Wurzeln hatte in Melbourne nicht locker gelassen, hatte nachgehakt und nachgefragt und so schließlich den Kontakt zu Janssen hergestellt. „Weil wir ihm danken wollten für die gemeinsamen Jahre, die er uns geschenkt hat.“

40 Stunden nachdem der rote Beutel mithilfe von André Janssen in Deutschland gefüllt wurde, hing er in Melbourne neben Graham Evans.

„Alle haben geweint“, sagt Janssen. Alle, denen er die Post vom anderen Ende der Welt zeigte. Seitdem erzählen sie sich über Kontinente hinweg voneinander und von dem Glück, das Leben gerettet bekommen beziehungsweise ein Leben geschenkt zu haben.

André Janssen: „Es ist ganz einfach sich registrieren zu lassen.“

Evans Familie feiert nun an jedem 6. März dessen Geburtstag. Mit deutschem Essen, wie er Janssen erzählt, und mit Gläsern, die sie auf dessen Wohl erheben. Der Tag, an dem er die Stammzellen bekam. Janssen berichtet im Gegenzug davon, dass er jeden Tag mindestens einmal den Gummiball in Herzform knetet, den er im Krankenhaus in die Hand gedrückt bekam, damit sein Blut besser fließen konnte. „Save a life“ steht darauf. Eine Erinnerung an eine gute Tat, die er immer wieder tun würde.

„Es ist ganz einfach, sich registrieren zu lassen“, sagt Janssen und ermutigt dazu, aktiv zu werden (siehe Infokasten). Vielleicht kommt dann irgendwann ein Anruf mit der Anfrage nach einer Lebensrettung. In Janssens Bekanntenkreis haben das seit der ersten E-Mail von Evans schon einige gemacht.

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