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Nienburger Archivare forschen: Wer war Baurat Schmerse?

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Von: Katrin Köster

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Bürgermeister Jan Wendorf begutachtet den „Neuzugang“ im historischen Teil des Rathauses.
Bürgermeister Jan Wendorf begutachtet den „Neuzugang“ im historischen Teil des Rathauses. © Stadt Nienburg

Nienburg – Manchmal kann ein einziger Buchstabe alles verändern. So auch im Fall des großen Ölgemäldes, das die „Kunst-Galerie“ im Nienburger Rathaus ausstellt. Patricia Berger, Leiterin des Nienburger Stadt- und Kreisarchivs, ist die Freude darüber deutlich anzuhören. „So ein Glücksfall“, betont sie. Ein Buchstabendreher könnte den Archivaren jetzt eine heiße Spur zum Urheber des Werkes liefern.

Besagtes Gemälde hat seit einiger Zeit seinen Platz gegenüber des Bürgermeister-Büros bezogen. Es zeigt einen Blick auf den Marktplatz, das Rathaus mit seinem Weserrenaissance-Giebel, links davon die frühere Ratsapotheke und weiter hinten die Kirche St. Martin. „Ein Fuhrwerk ist in der Ferne auszumachen und Menschen bewegen sich auf der Straße. Die Perspektive führt den Betrachter oder die Betrachterin in das Bild hinein, vom Marktplatz bis zum Kirchplatz“, beschreibt es Berger. So erhalte die Szene räumliche Tiefe.

Patricia Berger und ihre Kollegen nahmen das gestiftete Werk genau unter die Lupe und entdeckten eine Signatur: „Schmorse“ lasen sie rechts unten auf der Leinwand. Aber das war falsch, wie sich jetzt herausgestellt hat. Patricia Berger berichtet auf Nachfrage unserer Zeitung, dass sich nach der Präsentation der Bilder-Stiftung eine 94-jährige Dame aus der Weserstadt bei ihr gemeldet habe und zu berichten wusste, dass die Signatur „Schmerse“ heißt – also mit „E“ statt „O“. Und mit dem Namen Schmerse habe es in Nienburg einen Baurat gegeben, so die Anruferin weiter.

Für Berger und ihre Mitarbeiter ein Meilenstein bei ihrer Recherche. „Wir haben hier im Archiv ganz viel gesucht und durchforstet“, fasst es die Archivarin zusammen. „Aber natürlich haben wir niemanden mit dem Namen Schmorse gefunden.“ Über einen Nienburger Baurat namens Schmerse sei bislang ebenfalls nichts bekannt. Nun wollen sie aber die Datenbank und die Akten erneut durchsuchen. „Toll wäre natürlich, eine Personalakte von ihm zu finden“, meint Berger. Sie geht davon aus, dass der geheimnisvolle Maler hauptamtlich als Baurat tätig war und lediglich in seiner Freizeit gemalt hat. „Aber das versuche ich herauszubekommen“, schiebt Berger hinterher.

Heißer Tipp einer Nienburger Seniorin

Die hilfreiche Anruferin habe ihr die Adresse der Tochter des Baurats Schmerse mitgeteilt. Auch zu ihr möchte das Stadtarchiv Kontakt aufnehmen. „Der Brief ist schon raus“, so Berger.

Ansehen können Besucher des Rathauses das Werk bereits jetzt, zu den Öffnungszeiten des Rathauses.  Das Ölgemälde ist 1,34 Meter breit. Die verstorbenen Eheleute Ernst Friederichs und Elsbeth geborene Vollbrecht aus Nienburg haben es der Stadt vermacht. „Es war der Wunsch von Elsbeth Friederichs, dass nach ihrem Tod das Gemälde an die Stadt Nienburg geht, um es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“, so Berger.

Das Gemälde war offenbar einst ein Geschenk von Albert Vollbrecht an seine Frau Elli, geborene Mühlenbruch, zum 10. Hochzeitstag. Albert Vollbrecht hat das Bild bei Schmerse in Auftrag gegeben. Nach dem Tod des Ehepaars Vollbrecht ging es in den Besitz der Tochter Elsbeth über, bei der es bis 2021 als Blickfang in ihrem Wohnzimmer hing. Nun haben die Nachkommen der Eheleute Friederichs das Bild an die Stadt übergeben.

Nienburg lagert rund 500 Gemälde in einem Depot. Betreut wird der Kunstbesitz durch das Stadt- und Kreisarchiv Nienburg. „Das Gros der Gemälde stammt aus Schenkungen“, sagt Berger. „Von Herta Amorelli bis Wilhelm Wieger sind es Künstlerinnen und Künstler, die sich in Nienburg einen Namen gemacht haben und die auch in so mancher Privatsammlung vertreten sind.“

Kontakt

Berger freut sich, falls jemand Informationen zu dem Gemälde geben kann und ist erreichbar unter E-Mail: stadtarchiv@nienburg.de und Telefon 05021/87 235.

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