Frisch restauriert: Seltenes Druckwerk mit Einträgen von 1619 bis 1753

Geheimnisse des „Urphed“-Buches

Diese Unterschriften waren einst rechtsgültig. Heute dürfen keine drei Keuze oder Ähnliches genutzt werden.
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Diese Unterschriften waren einst rechtsgültig. Heute dürfen keine drei Keuze oder Ähnliches genutzt werden.

Nienburg – Im Stadt- und Kreisarchiv Nienburg befindet sich ein besonderer Buchschatz, der jetzt restauriert worden ist. Wie das Archiv berichtet, geht es um ein in Pergament gebundenes „Urphed-Buch“. Bindung und Verformung des Buchblockrückens wurden gerichtet und die abgerissenen Verschlussbänder aus Leder erneuert. „So bleibt das Buch auch zukünftigen Generationen erhalten“, erläutert Stadt- und Kreisarchivarin Patricia Berger.

Der Ausdruck „Urfehde schwören“ stammt aus dem dem Mittelalter. Das Wort „Urvehede“ aus dem Mittelhochdeutschen meint herausgehen (= ur) aus der Fehde. Straftäter mussten damals nach Verbüßung ihrer Strafe schwören, sich nicht an den Verantwortlichen für die Bestrafung zu rächen. Dieser Eidschwur wurde auf Urkunden oder in Urfehdebüchern dokumentiert. Die Einträge im Nienburger Exemplar beginnen im Jahr 1619 und enden 1753. Dabei folgen sie einem ähnlichen Muster. Der aus dem Gefängnis entlassene Delinquent erkannte die Strafwürdigkeit seines Vergehens oder Verbrechens an. Aber was genau wurde gesagt? Auch das ist den Wissenschaftlern bekannt. Am Beispiel von Conrad Wachthausen veranschaulicht Berger den Wortlaut des Schwures: „Ich Conrad Wachthausen gelobe und schwöre einen Eyd zu Gott und auf sein heiliges Wort, daß ich wegen meiner allhir zu Rathhause außgestanden Gefängniß-Strafe mich weder an jemand, wer der auch seyn möchte noch an dem Sergeant Ecker und dessen Ehefrau und Kinder so wenig mit worden, als mit wercken mich rächen sondern gegen selbige soviel an mir ist mich friedsam bezeigen wolle: So wahr mir Gott helfe und sein heiliges wort uhrkundlich meines eigenhändig unterschrift.“ „Auch die Unterschriften sind äußerst interessant, denn nicht alle Menschen in jener Zeit waren des Lesens und Schreibens kundig“, so Berger weiter. Es finden sich auf den Seiten neben flüssiger Federführung unbeholfene, manchmal kindlich anmutende Unterschriften, aber auch Symbole anstelle von Buchstaben oder die berühmten „drei Kreuze“.

Die Unterschriftsfähigkeit der Menschen kann ein Indikator dafür sein, dass sie Texte lesen und verstehen können oder eben nicht.

„Der Pergamentband ist ein Unikat und besitzt einen hohen Quellenwert für die Nienburger Stadtgeschichte des 17. Jahrhunderts“, betont die Archivarin. „Er spiegelt das damals geltende Straf- und Prozesswesen wider.“ Sobald der Lesesaal des Archivs wieder öffnet, steht das „Urphed-Buch“ Interessierten zur Einsicht bereit.

Nach der Strafe keine Rache: Das mussten Delinquenten im Mittelalter schwören, nachdem sie ihre Strafe verbüßt hatten. Stadt- und Kreisarchivarin Patricia Berger präsentiert das restaurierte Urfehdebuch, in dem solche Details zu finden sind.

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