Freiluftsport in Steyerberg fördert die Beweglichkeit

Gymnastik ohne Leggings

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Zur Übungsgruppe der Freiluftgymnastik in Steyerberg treffen sich wöchentlich rund 20 Leute auf dem Sportplatz.

Steyerberg - Von Vivian Krause. Regenjacken und festes Schuhwerk statt Ballettschühchen und Leggings. Schlager aus einer tragbaren Musikanlage statt klimpernde Klavierbegleitung. Motivierende Worte und eine kontrollierte Atmung statt Disziplin und kerzengerader Haltung. Willkommen in einer der Übungsstunden der Freiluftgymnasten in Steyerberg.

„Locker, locker, locker“, das sind die meistgehörten Worte in der einstündigen Freiluftgymnastik-Runde. Zunächst treffen sich die rund 20 Teilnehmer am Parkplatz an der Sportallee in Steyerberg und wandern dann gemeinsam zum mit Flutlicht erhellten Sportplatz. „Wir machen immer einen Kreis“, erklärt Übungsleiter Herbert Nordbrock.

Es gibt sechs Gruppen, die sich bei Wind und Wetter wöchentlich an festgelegten Orten treffen – in Oyle, Siedenburg, Liebenau, Varrel, Marklohe und Steyerberg. Dies stärke nicht nur das Immunsystem, sondern auch die Beweglichkeit und fördere den Abbau von Muskelverspannungen. Die Freiluftgymnastik ist als Reha-Sport anerkannt. So sind auch Teilnehmer mit einer Verordnung für Reha-Sport bei den Terminen. „Alle anderen nehmen für einen kleinen Obulus teil“, so der Pensionär.

„Einen nach rechts, einen nach links, einen nach hinten“, lauten die Anweisungen des Übungsleiters, der mit unermüdlicher Energie alles vormacht. Dabei dreht er sich wie ein sehr langsamer Kreisel um die eigene Achse, damit auch alle sehen können, wie die Übung korrekt ausgeführt wird. Gemeint bei dieser ist die Bewegung des Beins. „Jetzt kommt die beste Übung“, ruft der 54-Jährige: „Wir klettern erst eine Leiter hoch und dann ein Seil.“

Bei der nächsten Bewegung knackt und knarrt es in den Gelenken. „Das sind Bewegungen, die der Körper sonst nicht kennt“, erklärt Nordbrock die Geräusche. Er führt insgesamt 52 verschiedene Übungen durch, darunter der Aufwärtshaken von unten, eine große Acht in der Luft, gemalt mit dem linken und dem rechten Arm und einige Einheiten in denen „wir schwingen und pendeln“.

Arme, Beine, Schulter – alles, bis in die Fingerspitzen, wird in der Trainingsstunde beansprucht, mal mit und mal ohne musikalische Untermalung.

„Immer an die Atmung denken“, erinnert Nordbrock regelmäßig nicht nur mit seiner Stimme, sondern auch mit seinen Pfeiftönen, die er beim deutlichen Ausatmen von sich gibt. Klingt etwas wie ein Teekessel, bewirkt aber das Richtige: Die Sportler atmen bewusster.

„I‘m your Lady“ von Céline Dion ertönt aus der tragbaren Anlage und bei den langsameren Tönen gibt es Übungen für die Wirbelsäule. Nordbrock legt dabei großen Wert auf bewusste und langsame Bewegungen.

Sollte ein Teilnehmer nächste Woche wieder die Gruppe besuchen, wüsste dieser, was in etwa auf ihn zukommt. Denn: Der Übungsleiter bleibt seinem Konzept weitestgehend treu, verändert nur Kleinigkeiten.

Authentizität sei laut ihm das A und O. Wenn ein Übungsleiter vor der Trainingseinheit noch eine raucht oder eine Ernährungsberaterin schon nahezu übergewichtig wirkt, fehlt es daran offensichtlich. Herbert Nordbrock aber verkörpert die Lust am Sport mit allen Fasern. Nicht nur, dass er mit vollem Elan seine Gymnastik-Gruppe antreibt, er ist Vollblut-Sportler seit 35 Jahren, sagt er über sich selbst.

Dass seine Lebensweise sich positiv auswirkt, zeigt sich auch in unterschiedlichen Tests. So habe ein Lungenvolumentest verdeutlicht, dass sich dieses innerhalb von zwei Jahren deutlich verbessert hat, auch ein Belastungs-Elektrokardiogramm (EKG) bestätigte die Leistungsfähigkeit Nordbrocks. Und letztlich ist ein sogenannter Back-Check zur Feststellung der Rückenfitness ein weiteres Indiz für die positive Auswirkung. Der 54-Jährige ist also der lebende Beweis für die Wirksamkeit seines Sportprogramms, beteuert er.

Dafür hat er zunächst bei acht Übungsleitern verschiedene Heigl-Angebote – ein Training mit fließenden, harmonischen Bewegungsabläufen an der frischen Luft – durchprobiert, manches für gut und manches für „nicht so gut“ befunden. Daraus entwickelte er seine Freiluftgymnastik.

Die Idee kommt nicht von irgendwo: Nordbrock hatte schon diverse Knie-Operationen, ein Lendenwirbelsäulensyndrom und auch Verkalkungen in der Schulter – von all dem merke er durch sein eigen konzipiertes Trainingsprogramm nichts mehr, versichert er.

Die Teilnehmer, die im Durchschnitt etwa 50 Jahre alt sind, haben „schon alles durch“. Yoga, Walking oder Radfahren. Aber dennoch landen sie regelmäßig bei der Gymnastik im Freien.

„Ich brauche nichts anderes mehr machen. Früher habe ich fünf mal die Woche Sport gemacht“. Mit früher meint Nordbrock seine etwa 30 Jahre bei der Bundeswehr. Dort war er 20 davon Ausbilder für Fahrlehrer. Von Drill merkt man aber nichts, es ist eher ein höfliches Auffordern zu mehr Beweglichkeit und Elan.

Weitere Informationen zur Freiluftgymnastik gibt es online.

www.reha-binnen.de

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