Die Verlierer der Pandemie

Corona-Krise belastet vor allem die Frauen

Eine Person droht einer Frau mit der Faust. Sie kauert auf dem Boden.
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Gewalt gegen Frauen ist bundesweit ein Thema – die strengen Lockdowns haben zum Anstieg der Fälle beigetragen, sind Experten überzeugt.

„Ich bin nur noch für andere da. Krank werden dürfte ich auf keinen Fall. Dann würde das Kartenhaus zusammenbrechen.“ Aussagen wie diese sind für Sarah Peters, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nienburg und ihre Kollegin auf Kreisebene, Petra Bauer, ein Alarmsignal. Die Worte stammen von einer Teilnehmerin der Online-Befragung „Corona und die Folgen für die Gleichstellung in der Stadt und im Landkreis Nienburg“.

  • 488 Männer und Frauen aus dem Landkreis Nienburg nehmen an der OnlineUmfrage teil
  • Werte aus dem Kreis finden sind im Bundestrend wider
  • Gleichstellungsbeauftragte: Politik soll Frauen und ihre Familien jetzt nicht alleine lassen

Landkreis Nienburg - Insgesamt haben sich 488 Personen den Fragen des Netzwerks Frauen für Nienburg gestellt. Rund 82 Prozent waren Frauen, 18 Prozent Männer. Ein Teilnehmer war divers. Die Zahl hat Bauer und Peters sehr gefreut. „Wir wollten gar keine repräsentative Umfrage machen“, so Peters. „Da hätten wir uns anders aufstellen müssen.“ Sie wollten vielmehr eine Momentaufnahme machen, wie es um die Frauen im Landkreis bestellt ist.

Wirklich überrascht habe sie das Ergebnis nicht. „Die Daten gibt es schon lange“, erklärt Peters mit Blick auf bundesweite Studien. Das Nienburger Ergebnis spiegelt sich darin wider: So gaben 49 Prozent der befragten Frauen im Landkreis an, von der Pandemie stark belastet zu sein, bei den Männern waren es 32 Prozent. Die Gleichstellungsbeauftragten verweisen auf eine entsprechende Erhebung aus dem Frühjahr 2020 von der Soziologin Lena Hipp. Deren Ergebnisse besagen, dass Frauen durch die Krise deutlich mehr belastet sind und damit vermutlich auch die Einschränkungen durch die Pandemie belastender erleben als Männer.

Zudem seien sie häufiger in systemrelevanten oder den „Care“-Berufen tätig. So sagten 58 Prozent der Frauen, dass sich ihre Arbeitsbedingungen „stark bis sehr stark“ verändert haben, aber nur 39 Prozent der Männer nahmen die Situation ebenso wahr. Wer kümmert sich in puncto Homeschooling oder Beschäftigung um die Kinder? Der Umfrage zufolge betreuten vor allem die Mütter den Nachwuchs. So sagten es 42 Prozent der befragten Männer und rund 55 Prozent der Frauen. 22 Prozent gaben an, dass sich die Eltern diese Aufgaben teilen. Auch da deckt sich das Nienburger Bild weitgehend mit den Daten auf Bundesebene.

Zurück zur klassischen Rollenverteilung?

Die klassische Rollenverteilung ist für die Gleichstellungsbeauftragten ein Warnsignal. „Wir müssen uns schon fragen, weshalb die pandemiebedingten Maßnahmen offenbar vor allem auf dem Rücken der Frauen ausgetragen werden“, so Peters. Zudem dränge sich ihr in diesem Zusammenhang die Frage auf, weshalb Frauen oft immer noch nicht für gleiche Arbeit gleich bezahlt werden, beispielsweise in pflegerischen oder sozialen Berufen.

Für Peters ist klar, dass diese Entwicklung auch nach der Pandemie Folgen für die gesellschaftliche Stellung von Frauen haben wird. „Ich prognostiziere ganz klar, dass wir dann in den Parlamenten auch wieder weniger Frauen haben werden“, befürchtet sie.

Am meisten Sorgen bereitet ihr jedoch: die Zunahme von häuslicher Gewalt während der Pandemie. Gut 67 Prozent der befragten Frauen aus dem Landkreis gaben an, dass sie den Eindruck haben, dass sich in Sachen häuslicher Gewalt die Lage innerhalb der Familien seit Beginn der Pandemie verändert habe. Bei den Männern empfanden dies rund 43 Prozent.

Peters: Sorge vor mehr häuslicher Gewalt gegen Frauen

Bundesweit melden Experten einen Anstieg von Gewalt gegen Frauen. Peters und Bauer verweisen auf eine Studie der TU München aus dem Jahr 2020, wonach rund drei Prozent der Frauen in Deutschland während der strengen Kontaktbeschränkungen zu Hause körperliche Gewalt erlebten. Weitere 3,6 Prozent seien von ihrem Partner vergewaltigt worden.

„Ich wünsche mir, dass endlich die Belange von Frauen seitens der Politik stärker berücksichtigt werden“, betont Peters. Es könne nicht sein, dass Familien in der Krise allein gelassen werden. Daher wollen die Gleichstellungsbeauftragten mit den lokalen Daten auf die Lage der Frauen im Kreis aufmerksam machen. „Wir hoffen, im Sommer aktiv mit den Ergebnissen arbeiten zu können“, sagt Peters. Sie und Petra Bauer planen Veranstaltungen zu diesem Thema.

Kontakt

Die vollständigen Umfrage-Ergebnisse sind anzufordern bei petra.bauer@kreis-ni.de oder s.peters@nienburg.de

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