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Forstamt zählt Wildkatzen

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Seltener Anblick: Wildkatzen sind scheu und vom Aussterben bedroht. Häufig werden die Tiere beim Überqueren der Straße überfahren.
Seltener Anblick: Wildkatzen sind scheu und vom Aussterben bedroht. Häufig werden die Tiere beim Überqueren der Straße überfahren. © Thomas Stephan/BUND Wildkatzenprojekt

Tiere haben sich im Grinderwald und in der Krähe angesiedelt. Das Forstamt Nienburg möchte herausfinden, ob sie auch schon in den Norden vorgedrungen sind.

Landkreis – Die Wildkatze ist wieder zurück. Im Grinderwald oder in der Krähe haben sich die Tiere bereits länger angesiedelt. Aber hat sie auch schon die nördlichen Wälder des Forstbezirks erreicht? Dieser Frage geht Christer Bochow nach. Er ist Forst-Anwärter in der Försterei Bruchhausen-Vilsen und betreut ein Wildkatzenprojekt, das diese Frage klären soll.

Derzeit stehen die Chancen für ihn gut, die scheuen Waldbewohner anzutreffen. Von Ende Januar bis in den April hinein ist Paarungszeit. „In der sogenannten ‚Ranzzeit‘ bewegen sich die Wildkatzen besonders viel, weil sie auf Partnersuche sind. So ist die Chance, dass ein Tier an unseren Monitoringpunkten vorbeikommt recht hoch“, erklärt Bochow.

Einrichtung von Wanderkorridoren mit Grünbrücken oder Tunneln

In Bochows Untersuchungsraum sind weit verstreut fünf Holzpflöcke im Gelände aufgestellt. Er hat Orte ausgewählt, die für Wildkatzen besonders interessant sind. Sei es, weil dort gute Deckung zu finden ist, ein vielversprechendes Nahrungsangebot oder ein Wildwechsel. „Die Pflöcke werden mit Baldriantinktur bespritzt. Der Duft des Baldrians lockt Katzen an, die auf Partnersuche sind. Die Tiere reiben sich an den Pflöcken und an der aufgerauten Oberfläche bleiben Haare hängen“, erläutert der Forst-Anwärter. Einmal in der Woche untersucht er die Pflöcke auf Spuren. Die Wildkatze hat in Niedersachsen ihren Verbreitungsschwerpunkt im Süden. Dort gibt es mittlerweile jedoch so viele, dass die Raubtiere nach Norden auswandern, berichten die Landesforsten. „Diese Wanderungen können wir unterstützen, indem wir geeignete Lebensräume der Wildkatzen miteinander verbinden“, sagt Kerstin Geier, Försterin für Waldnaturschutz im Forstamt Nienburg. Damit meint Geier sogenannte Verbundbiotope: Wanderkorridore mit Grünbrücken oder Tunneln zur Querung großer Straßen und linienhafte Gehölzstrukturen in der offenen Landschaft. „Verbundbiotope helfen außerdem, dass einzelne Wildkatzenpopulationen miteinander Kontakt aufnehmen können, wie zum Beispiel in der Paarungszeit“, so Geier weiter.

Ehrenamtliche betreuen das Monitoring

Das Projekt besteht bereits seit 2017. Zusammen mit den Flächeneigentümern und ehrenamtlichen Helfern können die Akteure das Monitoring auf großem Gebiet leisten. Neben Bochow sind im Forstamt Nienburg Ehrenamtliche des BUND, Kreisgruppe Nienburg, in den Revierförstereien Uchte und Weberkuhle unterwegs. Bochow hat Glück: Er findet zum ersten Mal an einem Pflock ein Haar. Allerdings kann nur das Labor bestimmen, ob es sich um Wildkatzenhaar handelt.

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