Pandemie begrenzt die Schuleingangsuntersuchungen / Checks laufen noch

Fokus auf Förderkinder

Eien kleines Mädchen sitzt im Klassenzimmer..
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Bereit für die Schule? Um das einschätzen zu können, gibt es die sogenannte Schuleingangsuntersuchung. Normalerweise wird jedes künftige Schulkind dazu eingeladen. Aufgrund der Corona-Pandemie beschränkt sich der Kreis Nienburg in diesem Jahr auf Kinder mit Förderbedarf.

Lange bevor es für die neuen Erstklässler im Sommer mit Ranzen und Schultüte das erste Mal ins Klassenzimmer geht, stehen die Schuleingangsuntersuchungen an. Auch im Landkreis Nienburg hat das Gesundheitsamt in diesen Tagen wieder Mädchen und Jungen auf ihre Eignung für den Schulbesuch untersucht. Die Corona-Pandemie hat sich auch auf diesen Bereich deutlich ausgewirkt.

  • Deutlich weniger Eingangsuntersuchungen bei Kindern
  • Oft sprachliche Defizite
  • Was der Elternrat kritisiert…

Der Landeselternrat Niedersachsen hat kürzlich in einem Schreiben bemängelt, dass die Schuleingangsuntersuchungen (SEU) in Teilen des Landes offenbar nicht rund laufen. Im Kreis Nienburg übernimmt diese Aufgabe das Team des Gesundheitsamtes. Konkret hat das Gesundheitsamt vor dem Schuljahresbeginn 2020/21 etwa 1200 Kinder untersucht. Die Anzahl sei jedes Jahr ähnlich, sagt Duensing. Vor dem Schuljahresbeginn 2021/2022 sind es weniger Kinder, die untersucht werden.

Auf Anfrage erläutert der stellvertretende Kreissprecher Michael Duensing, dass „normalerweise alle Kinder, die eingeschult werden sollen, auch untersucht werden. Jetzt während der Pandemie werden aber nur die SEU 2 durchgeführt, das betrifft etwa 100 Kinder.“ Sie haben einen besonderen Förderbedarf.

„Dazu kommen noch die Jungen und Mädchen ohne besonderen Förderbedarf, die von den Schulen zur Überprüfung angemeldet werden, weil eine Klärung erforderlich ist, ob doch Förderbedarf besteht“, ergänzt der Sprecher. Diese Kinder werden derzeit untersucht, das Verfahren soll bis Mai abgeschlossen sein. Im Rahmen der aktuellen Checks haben die Fachleute bei etwa 100 Mädchen und Jungen aus dem Kreis Förderbedarf festgestellt. Diese Zahl war laut Duensing in den Vorjahren ähnlich. Die Mediziner haben vier Problemfelder eingegrenzt: Die Kinder leiden meist an sprachlichen Defiziten, geistigen Entwicklungsstörungen, motorischen Behinderungen oder Defiziten im sozial-emotionalen Bereich. „Meistens handelt es sich um eine Mischung verschiedener Probleme. Rein sprachliche Probleme betreffen zum Beispiel etwa ein Viertel der untersuchten Kinder“, berichtet Duensing.

Die SEU unterteilte sich vor der Pandemie in zwei Termine – zunächst standen ein Hör- und Sehtest an, zudem bündelte das Personal Befunde von Voruntersuchungen, etwa aus der Logopädie oder vom sozialpädiatrischen Zentrum. Beim zweiten Termin folgte üblicherweise eine ärztliche Untersuchung mit Entwicklungstest sowie ein Gespräch mit Eltern und Erziehern über den weiteren Förderbedarf.

Seit Beginn der Pandemie beschränkt sich das Gesundheitsamt Nienburg auf einen Termin. Dort erwartet die Kinder eine erweiterte Untersuchung mit Entwicklungstest. Das Beratungsgespräch mit dem Arzt erfolgt per Telefon, so Duensing. Zudem beurteilen die Mediziner die Kinder nach Aktenlage und geben eine Empfehlung.

Landeselternrat fordert Tests ohne Einschränkung

An dieser Stelle hat der Landeselternrat grundsätzliche Bedenken. Darum fordert er, dass die Tests landesweit wie gehabt stattfinden sollen. Das Gremium hat Sorge, dass andernfalls Kinder vergessen werden könnten: „Es gibt Kinder, die hier das erste Mal in ihrem Leben auf einen altersadäquaten Entwicklungs- und Gesundheitszustand hin überprüft werden!“ Heftige Kritik äußert der Verband zudem daran, dass einige Kreise offenbar die Feststellung der Schulfähigkeit den Kitas überlassen haben. Gab oder gibt es so ein Vorgehen auch im Kreis Nienburg?

„Die Kitas haben gegenüber dem Gesundheitsamt kein Auskunftsrecht, sondern eine Schweigepflicht“, erklärt Duensing. „Nur bei einer Schweigepflichtentbindung der Eltern dürfen die Kitas dem Gesundheitsamt Auskunft über ein Kind geben – dies läuft zum Beispiel so, wenn ein Kind Frühförderung bekommt.“

Bei den Schulen sei das anders. Dort sei laut Duensing ein Austausch zwischen den Schule und Kita möglich. Zudem müsse das Gesundheitsamt das Ergebnis der SEU der Schule mitteilen. „Es ist also nicht so, dass die Kreise die Feststellung der Schulfähigkeit den Kitas überlassen haben, sondern die Schulen haben die Kitas um deren Einschätzung gebeten“, stellt der Sprecher klar.

Landkreis: Beurteilung aller Kinder schwierig

„Aufgrund der langfristigen Schließungen ist natürlich für alle Beteiligten eine Beurteilung sehr schwierig“, räumt Duensing ein. Damit kein Kind auf der Strecke bleibt, greift folgendes Prinzip: „Die Schulen melden dem Gesundheitsamt die Kinder, bei denen nach Einschätzung der Schulleitungen eine SEU erforderlich ist. Dies sind die Jungen und Mädchen, für die eine Empfehlung einer Überprüfung von Seiten der Kita kam, aber auch die Kinder, die nicht in eine Kita gehen, neu zugezogene Kinder, Kinder, die ambulante Frühförderung erhalten, sehr junge Kinder und wenn die Einschulung aus Sicht der Schule unsicher ist.“

Von Katrin Köster

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