Fast schon Pilot-Projekt: „Junges Wohnen“ der Lebenshilfe auf gutem Weg

Modell „stärkt Kompetenz behinderter Menschen“

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Junge Erwachsene mit Behinderungen planen ihren Auszug.

Nienburg - Von Jens Heckmann. Menschen mit Behinderungen sollen ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen – das ist das große Ziel der Lebenshilfe. Zu einem selbstbestimmten Leben gehört das Wohnen dazu. So ist wenig überraschend, dass es im Bereich der Lebenshilfe Nienburg etliche verschiedene Wohnformen gibt. Nun kommt wohl bald eine weitere hinzu: „Junges Wohnen“, so der Arbeitstitel, stößt auf breite Zustimmung.

Die Initiative geht von Eltern aus, umgesetzt werden soll die Idee, wie in der Vergangenheit schon geschehen, mit Unterstützung der Lebenshilfe.

Angebote für Menschen mit Behinderungen und deren Angehörigen sollen möglichst dezentral vorgehalten werden – da, wo die Menschen wohnen: So sind die früher zentral im „Luftballon-Haus“ am Berliner Ring zu findende Beratungsstelle für Früherkennung, die Frühförderung, Autismus-Ambulanz und die sozialpädagogische Familienhilfe jetzt in den Kitas der Lebenshilfe und im Lebenshilfe-Haus an der Mühlenstraße angesiedelt.

Die Idee des „Jungen Wohnens“ greift aber weiter. Sie ist vor einigen Wochen bei einem Meinungsaustausch von Eltern und der Lebenshilfe zum Thema „Neue Wohnformen“ in Nienburg entstanden und wird nun konkret: Jüngere Menschen mit Behinderungen beziehen gemeinsam eine große Wohnung oder ein Haus – ähnlich wie eine WG. Die individuellen Verantwortungen und Gestaltungsspielräume sind größer als in einer (stationären) Wohngruppe, gleichzeitig ist die Gefahr sozialer Isolation geringer als beim „klassischen“ ambulant betreuten Wohnen. Und: Da der Hilfebedarf der jungen Erwachsenen unterschiedlich hoch ist, können sie sich gegenseitig unterstützen und voneinander profitieren.

Jan Christoph Hogrefe, Bereichsleiter Kitas und Offene Hilfen bei der Lebenshilfe, ist sehr angetan von der Idee: „Es handelt sich um junge Erwachsene, die in diesem oder dem nächsten Jahr zuhause ausziehen und das gemeinsam angehen wollen. Und die Eltern stehen dahinter“, sagt er.

Hilfestellungen in

virtuellem „Pool“

Das „Junge Wohnen“ hat aber noch weitere Vorteile, so Hogrefe: Da sich die jungen Leute gut verstehen und unter einem Dach leben, können sie ihre Betreuungsleistungen – also die Hilfestellungen, die sie für ein selbstständiges Leben benötigen – sozusagen in einen virtuellen „Pool“ geben. Unterm Strich können diese Betreuungsleistungen effizienter genutzt werden. Dazu sollen sich die jungen Erwachsenen von Anfang an aktiv einbringen – angefangen von der Aufteilung der Wohnräume bis zur individuellen (und gemeinschaftlichen) Gestaltung von Freizeitangeboten.

Auch der Landkreis als Kostenträger stehe dem Modell aufgeschlossen gegenüber. Das überrascht den Bereichsleiter nicht: „Man kann die Hilfe passgenauer anbieten als bisher und schafft keine zusätzlichen stationären Plätze, sondern stärkt die Kompetenz junger Menschen mit Behinderungen. Das ist ja auch im Sinne des Landkreises.“

Lebenshilfe, Eltern und der auszugswillige Nachwuchs wollen das „Junge Wohnen“ zügig angehen. „Wir suchen jetzt nach geeignetem Wohnraum in Nienburg“; sagt Hogrefe. „Da sind verschiedene Ansätze denkbar.“ Zeitgleich sollen mit dem Landkreis die Rahmenbedingungen geklärt werden.

„Für eine Stadt von der Größe Nienburgs ist das schon ungewöhnlich, fast ein Pilot-Projekt“, freut sich der Bereichsleiter. „Eltern, die sich dafür interessieren, können sich unter Telefon 05021/8941853 gern melden – das muss ja keine einmalige Sache bleiben.“

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