Wechsel im Vorstand

Familienunternehmen Frischli bringt vegane Linie auf den Markt

Eine alte Postkarte zeigt einige der Molkereien, mit denen das Frischli-Imperium begonnen hat.
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Eine alte Postkarte zeigt einige der Molkereien, mit denen das Frischli-Imperium begonnen hat.

Rehburg – Bald schon sollen Frischli-Lkw auch Hafer-Drinks transportieren. Die Rehburger Milchwerke planen, eine vegane Produktlinie herauszubringen. Nach 120 Jahren im Milchgeschäft.

Milch ist seit 120 Jahren das Geschäft der Frischli-Milchwerke. Dem soll nun eine vegane Produktlinie hinzugefügt werden. Drinks, einen Ersatz für Kaffeesahne und Desserts aus Hafer wollen die Milch-Experten bereits im September in dem Rehburger Werk produzieren. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Timo Winkelmann über die Bedeutung der Milch, sich wandelnde Märkte und milcherzeugende Landwirte, die das Ansinnen des Unternehmens durchaus skeptisch betrachten.

Hafer-Drinks kommen bei Verbrauchern gut an. Bei Veganern, bei Laktose-Intoleranten und auch bei denjenigen, die die Umwelt schonen wollen. Der Marktanteil liege momentan bei rund zehn Prozent und gehe rasant nach oben, berichtet Winkelmann. Seine Milchwerke verfügten über das Know-how und die Technologie. Das sind für ihn gute Gründe, ebenfalls in das vegane Geschäft einzusteigen.

Timo Winkelmann ist einer der Geschäftsführer des familiengeführten Frischli-Unternehmens.

Auch die Gewinnspannen sind im veganen Geschäft nicht zu verachten. Ein Blick in die gut gefüllten Regale eines beliebigen Supermarktes offenbart Preise von 1,49 bis 2,79 Euro je Liter der Milchersatz-Getränke. Selbst Frischmilch in Bio-Qualität kann dabei nicht mithalten. Große Erwartungen in der Geschäftsleitung? Nein, Winkelmann wiegelt ab. Während der Produkteinführung gebe es ohnehin keine Gewinne. Außerdem ist er sich sicher, dass die Preise von Milch und Hafer-Drinks sich einander angleichen würden. Das sei nur eine Frage der Zeit. Mit tatsächlichen Gewinnerwartungen hält er sich bedeckt. Prognosen in dem relativ jungen Markt seien schwer abzugeben.

Für die Einführung der veganen Linie umreißt Winkelmann einen Drei-Stufen-Plan. Hafer-Drinks sollen bereits im Herbst vom Band laufen. Im Frühjahr 2022 werden ihnen Joghurt-Alternativen und eine Dessert-Soße folgen. Die dritte Stufe wolle das Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Jahre verwirklichen. Eine größere Produktpalette und mehr Eigenständigkeit beim Anmischen der Zusätze hat er für diesen Schritt auf dem Plan. Zunächst kaufe Frischli noch komplette Mischungen, denen beispielsweise bei den Drinks nur noch Wasser zugegeben werden müsse. Später sollen die Zutaten in Rehburg gemischt werden. Hafer werde die Werkseinfahrt aber auch dann in gemahlener Form passieren. Bis hin zur klappernden Getreidemühle an Rehburgs Südbach plant Frischli nicht.

Milcherzeuger sind in Sorge

Dem boomenden veganen Markt und den Frischli-Plänen stehen dessen Lieferanten unterdessen durchaus kritisch gegenüber. Die Landwirte betrachteten die Entwicklung mit Sorge und der Befürchtung, dass ihre Milch in Rehburg nicht mehr in gleichbleibender Menge benötigt werde, sagt Winkelmann.

Diese Sorge könne er nachvollziehen, hält dem aber Expansionspläne entgegen. Frankreich und Skandinavien seien Gebiete, die das Unternehmen sich vermehrt erschließe. Selbst wenn Frischli weniger Milch in Deutschland absetzen sollte, erwartet er, dass die Mengen dort aufgefangen werden.

Dass Ersatzprodukte immer mehr zur Milch-Alternative werden, weist er allerdings nicht von der Hand. Das Loblied auf die Milch singt er dennoch. Winkelmann spricht über wertvolle Inhaltsstoffe, über Vitamine und Mineralstoffe der Milch, die kein Hafer-Drink ersetzen könne. Milch werde sich halten. Das ist seine feste Überzeugung.

An der Sorge der Landwirte ändert das nichts. Von jener Seite sei an ihn bislang in erster Linie die Bitte herangetragen worden, den ökologischen Fußabdruck beider Produkte fair gegenüber zu stellen, berichtet er. Kühe und Milch seien in der Gesellschaft mittlerweile als Klima-Risiko identifiziert worden. Wer der Umwelt helfen wolle, greife zu veganen Produkten. Doch deren Öko-Bilanz, bemängelten die Bauern, sei noch lange nicht hinreichend und mit allen Aspekten erstellt.

Hafer als regionales Produkt einsetzen

Vergleiche, die die Zukunft mit sich bringen wird. Die Rehburger Abfüller wollen zunächst darauf hinarbeiten, den Hafer möglichst regional einzukaufen. Das verhilft den Milchbauern zwar nicht zu einer vergleichsweise besseren Öko-Bilanz, gehört aber zur Unternehmens-Philosophie.

Winkelmann selbst ist hin- und hergerissen zwischen seiner Euphorie für die vegane Linie und seiner eigenen Leidenschaft für Milch. Ein Spagat sind die Argumentationen zwischen dem einen und dem anderen für den Unternehmer allemal. Er entscheidet sich zum Ende des Gesprächs für einen Kompromiss mit Tendenz zu seinen Wurzeln: Auch wenn ihn der Hafer-Drink geschmacklich überzeuge, werde er bei Milch bleiben. So viel Milchmann sei er dann doch.

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