Rohrsener Nachbarschaft „Wir im Kreuzkamp“ ausgezeichnet

Die Familie nebenan

Die Nachbarschaft „Wir im Kreuzkamp“ im Jahr 1985 mit dem damaligen Bürgermeister Gerhard Achmus (links, mittlerweile verstorben).

Rohrsen - Von Robin Grulke. Als seine Familie nach Rohrsen kam, ging man sich in der Nachbarschaft noch aus dem Weg. Jahrelang per Sie, blieb es untereinander beim höflichen „Guten Tag“ über den Gartenzaun hinweg. Dass diese Menschen später für Zusammehalt und soziales Engagement ausgezeichnet würden, schien zu diesem Zeitpunkt noch abwegig. Jürgen von Bargen erzählt eine Geschichte, wie Fremde zu Freunden werden, vom Oberschenkelhalsbruch einer Nachbarin und wie sich das Leben im Dorf verändern kann.

„Wir hatten immer versucht, mit den Nachbarn mehr Kontakt zu haben. Das lief sehr schleppend. Wie das auf dem Land so ist, ist jeder sehr reserviert gegenüber den Neuen“, erinnert sich Jürgen von Bargen. Der 69-jährige Rentner ist 1981 nach Rohrsen gezogen und sozusagen Gründungsmitglied von „Wir im Kreuzkamp“ – ein Zusammenschluss aus 16 Haushalten, die das Miteinander der Anonymität vorziehen.

Jürgen von Bargen mit der Urkunde vom Netzwerk Nachbarschaft. 

Bei einer örtlichen Müllsammelaktion 1985 kam von Bargen zum ersten Mal mit Anwohnern aus seiner Straße ins Gespräch. Bei Kuchen und Bier war den Rohrsenern schnell klar: Gemeinsam ist besser als einsam. Ein Straßenfest, das die Menschen aus dem Kreuzkamp kurz danach veranstalteten, brachte nicht nur Fremde ins Gespräch, auch konnten von Bargen und Co. dabei Geld zusammentragen. Ihnen kam die Idee, von den Einnahmen ein neues Spielgerät für den örtlichen Spielplatz zu kaufen. Zur Einweihung sprach der damalige Bürgermeister Gerhard Achmus, der sich bereits zu dem Zeitpunkt über das Engagement der Nachbarschaft freute. Der dann folgende Grillabend ist seitdem Tradition – bis zu fünfmal im Jahr.

„Die Leute waren wie ausgewechselt“

„Die Leute waren wie ausgewechselt“, erzählt der 69-Jährige. Das „Sie“ wurde zum „Du“ und die Menschen vom Kreuzkamp unternahmen immer mehr gemeinsam. „Es gibt zum Beispiel eine Doppelkopfrunde und wir haben mit fünf Nachbarn ein Geburtstagstreffen.“ So haben sie zu diesem Anlass einen Teil ihrer Nächsten bei sich – im Kreuzkamp sind das auch die Nachbarn.

Mit der Nähe zueinander geht aber auch Verantwortung und Betroffenheit einher. Die Trauer um Verstorbene aus dem neuen, engeren Kreis sei viel realer als zuvor, außerdem sei man nun Ansprechpartner, wenn jemand Hilfe benötigt. Ein älteres Ehepaar aus der Straße hat Probleme, sich um seinen Garten zu kümmern. Deswegen komme regelmäßig ein Nachbar zu ihnen nach Hause, um den Rasen zu mähen und andere Arbeiten zu verrichten. Von Bargen selbst ist in Erinnerung geblieben, wie er einmal zu einem Notfall gerufen wurde. „Die Frau war im Keller gestürzt und konnte nicht mehr aufstehen. Ich habe sie dann auf meinen Armen nach oben ins Bett getragen. Sie hatte, wie sich herausstellte, einen Oberschenkelhalsbruch.“ Dass ihn jemand in solch einer Situation um Hilfe bittet, war früher undenkbar. Glück hat, wer auf die zählen kann, die sofort zur Stelle sind.

Als Jürgen von Bargen dann Mitte dieses Jahres in einem Zeitungsartikel von dem 2004 gegründeten Netzwerk Nachbarschaft und dessen Absicht las, die „besten Nachbarschaften“ auszuzeichnen, habe er sich gemeinsam mit seinen Nachbarn sofort beworben. Schließlich ist der Zusammenhalt in der Rohrsener Anwohnergruppe beispielhaft.

Zusammenhalt hat die Jury überzeugt

Die Grillabende, gemeinsames Backen, regelmäßige Farrad-Touren (Interessierte aus Rohrsen können sich unter Telefon 05024/1551 melden) sowie die jährliche Grünkohltour im Januar haben die Jury vom Netzwerk Nachbarschaft schließlich überzeugt. „Wir im Kreuzkamp“ wurde für die schönsten Nachbarschaftsaktionen ausgezeichnet, „weil Sie sich für mehr Nachbarschaft und Zusammenhalt über alle Generationen hinweg stark machen“, so die Begründung vom Netzwerk.

Die Auszeichnung hat das Netzwerk zurecht an die Nachbarschaft in Rohrsen verliehen. Sie hat es geschafft, Unpersönlichkeit in Freundschaft zu verwandeln und bietet dabei Platz für Gleichgesinnte: „Wir sind für jeden offen, die Leute können aus ganz Rohrsen kommen.“ Eine solche Definition von Nachbarschaft ist genauso ungewohnt wie vorbildlich.

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