Angeblicher landesweiter Diebstahl-Rekord nicht korrekt

Mit Stahlketten gegen Raddiebe

Eine Person versucht, ein Fahrradschloss zu knacken.
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Ansetzen, durchkneifen, abhauen: Diese Kabelschlösser bieten nur wenig Sicherheit. Polizei, ADFC und Stiftung Warentest empfehlen hochwertige Markenschlösser aus Stahl. Sie schrecken Täter oft ab.

Landkreis – Ist Nienburg ein gefährliches Pflaster für wertige Fahrräder? Diesen Eindruck hinterlässt ein kürzlich erschienener Bericht des Landeskriminalamtes Niedersachsen. Darin heißt es, dass es im „Corona-Jahr 2020 in Nienburg 1 355 Diebstähle“ gab. Die Nienburger Polizeioberkommissarin Julia Haase relativiert dieses Bild.

„Die absolute Zahl 1 355 ist in diesem Fall nicht richtig. Das LKA hat hier die Häufigkeitszahl genannt, also die Anzahl der Fälle Fahrraddiebstahl auf die Einwohnerzahl bezogen. Wir hatten in der Stadt Nienburg nach den Auswertungen für 2020 insgesamt 458 Fälle absolut, also wesentlich weniger“, erläutert die Polizei-Sprecherin auf Nachfrage.

Serien-Raddieb in Nienburg aktiv

Wer sein Rad in der Stadt stehen lassen muss, sollte die einschlägigen „Hotspots“ meiden – also Orte, von denen bereits bekannt ist, dass dort häufig Räder gestohlen werden. Julia Haase zufolge gehören in der Weserstadt der Bahnhof, die Freibäder und Schulen zu den bevorzugten Revieren von Raddieben. Zudem gab es in Nienburg offenbar einen Serientäter, „der Fahrräder von Privatgrundstücken und aus Garagen entwendet hat. Diese Fälle stellten auch einen nicht unerheblichen Anteil an der Gesamtzahl dar“, ergänzt die Sprecherin.

Die Corona-Pandemie wirkt sich nach Angaben der Beamtin nicht auf die Zahl der Diebstähle aus, obwohl weniger Pendler, Schüler und Badegäste unterwegs waren. Weshalb das so ist, ist unklar. Auch eine Dunkelziffer in Sachen Räderklau gibt es. Julia Haase: „Naturgemäß kann man zur Dunkelziffer eigentlich wenig sagen, obwohl es sie natürlich gibt. Nicht abgeschlossene und somit unversicherte Fahrräder werden selten angezeigt, sind aber trotzdem gestohlen worden.“ Haase verweist da auf die Anzahl der Fundfahrräder. „In Nienburg hatten wir in 2020 alleine 144 Fundfahrräder, also auch eine erhebliche Anzahl. Konkreten Strafanzeigen konnten davon 24 zugeordnet werden.“ Das zeige, dass auch der Aspekt „ ich leihe mir das Rad nur mal eben aus, um nach Hause zu kommen“ und somit also eine missbräuchliche Benutzung und keine Diebstahlsabsicht in der Statistik nicht richtig abgebildet wird.

Hochwertige Räder besonders begehrt

Wenn ein Drahtesel abhandenkommt, trifft es auch in Nienburg bevorzugt die hochwertigen Exemplare. Das bestätigt die Beamtin auf Nachfrage. Damit liegt Nienburg also im Landestrend.

Aber weshalb ist es offenbar immer noch zu einfach, ein Rad zu stehen? „In vielen Fällen wird in ein hochwertiges Fahrrad aber nicht in ein hochwertiges, sicheres Schloss investiert“, berichtet Julia Haase. Die Polizei rät grundsätzlich, rund fünf bis zehn Prozent des Fahrradpreises für den Kauf eines guten, diebstahlsicheren Fahrradschlosses einzuplanen. „Dabei gilt: Je leichter und teurer ein Rad, desto schwerer und teurer sollte das Schloss sein“, so Haase. Ratsam sei es zudem, möglichst zwei Schlösser verschiedener Typen zu verwenden – beispielsweise Ketten- und Bügelschloss. „Täter sind oft inklusive mitgebrachtem Werkzeug auf nur einen Schlosstyp spezialisiert“, erläutert die Polizistin. Zudem sollte man es Dieben möglichst schwer machen und das Fahrrad immer an geeigneten Gegenständen und hoch anschließen, damit nicht der Boden unter Zuhilfenahme des Körpergewichts als Hebel benutzt werden kann.

Sollte das Rad doch gestohlen werden, erleichtetert eine individuelle Codierung bei der Polizei oder dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) die Fahndung nach Diebstahl. Eine gute Option sind auch GPS-Tracker, die etwa im Rückstrahler angebracht werden können. Sie erleichtern es der Polizei, Täter zu verfolgen und das Rad zu finden.

Wie sichere ich mein Rad am besten?

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club hat aktuelle Empfehlungen in Sachen Radschloss aufgestellt – eine Übersicht:

. Bügelschlösser: Die schweren Stahlbügel sind die Favoriten in Sachen Sicherheit. Die Markenprodukte sind so stabil gebaut, dass ein gewaltsamer Aufbruchversuch auf offener Straße kaum möglich ist. Gegen das professionelle Knacken des Schlosses durch sogenanntes Lockpicking schützen aber meist nur die Topmodelle von renommierten Herstellern.

. Panzerkabel und Ketten: Gute Panzerkabel und Kettenschlösser sind mittlerweile fast so sicher wie Stahlbügel, da meist die gleichen Schließmechanismen verwendet werden und die Panzerung, beziehungsweise die Kettenglieder, ähnlich widerstandsfähig sind. Zudem sind sie flexibler, was das Anschließen an Bäume oder Straßenlaternen ermöglicht.

. Faltschlösser: Sie lassen sich wie ein Zollstock auf ein kompaktes Maß zusammenlegen und gut am Fahrrad mitführen. Die hochpreisigen Versionen bieten eine ähnlich hohe Sicherheit wie Bügelschlösser.

. Rahmenschlösser: Sie reichen als alleinige Diebstahlsicherung nicht aus. Als „Wegfahrsperre“ haben sie aber eine Berechtigung. Beim kurzen Besuch des Tante-Emma-Ladens kann es reichen, das Hinterrad zu blockieren, wenn man sein Rad im Auge behält. Darüber hinaus eignen sie sich als zusätzliche Sicherung neben dem Panzerkabel- oder Bügelschloss und haben den Nebeneffekt, dass das Hinterrad gegen Teileklau gesichert ist.

. Spiralkabelschlösser: Hier gilt das gleiche wie für Rahmenschlösser: Sie bieten nicht genug Sicherheit, um das Rad unbeobachtet lassen zu können. Meist reicht ein Seitenschneider, um das Seil knacken zu können.

Weitere Infos:

www.test.de/suche/?q=Fahrradschloesser

www.vds-home.de/

www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/diebstahl/diebstahl-von-zweiraedern/

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