"Look at me" - Mehr als bunte Bilder

Farbgewaltige Kunst von Eystruperin im Nienburger Theater

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Ilsemargret Luttmann vor ihrem Kunstwerk „Les hommes á la mode“.

Nienburg- von Celsy Dehnert. Ilsemargret Luttmann malt nicht einfach bunte Bilder. Sie zeigt, erzählt, fordert heraus und demonstriert in jedem ihrer Kunstwerke.

Wer mehr über die Künstlerin erfahren möchte, kann nach Daten, Fakten oder ihrem Lebenslauf fragen. Doch Luttmann ist eine Künstlerin, über die man nichts erfährt, wenn man nicht mit ihr über ihre Kunst spricht. Aktuell kann diese im Theater auf dem Hornwerk bewundert werden.

Wie essenziell es für Luttmann ist, sich selbst immer wieder über ihre Grenzen hinauszutreiben, zeigen ihre ersten Schritte in die Kunst. Bereits als junges Mädchen habe sie davon geträumt, „toll malen“ zu können, obwohl sie „immer eine schlechte Note hatte“, wie die Künstlerin zugibt. Aus dem Wunsch nach Anerkennung heraus, fertigte sie am Wochenende freiwillig Bilder für den Kunstunterricht an, mit welchen sie ihre Note verbessern wollte.

Diese Beharrlichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch ihren Lebenslauf. Die aus Eystrup stammende Künstlerin wurde 1957 geboren und absolvierte ihr Abitur auf dem damaligen Hindenburg Gymnasium in Nienburg. An der Universität Hamburg studierte sie Geschichtswissenschaften, Philosophie und Literaturwissenschaft. Der Drang, ihren Lehrern zu beweisen, dass sie besser war, als man ihr zugestand, war der Antrieb, der die Künstlerin bis zur Promotion 1997 brachte. Allerdings gesteht sie auch: „Es war eine Art Selbstkasteiung. Aber ich hab’s durchgezogen.“

"Das Leben ist so aufregend!" 

Das Erlernen des künstlerischen Handwerks verdankt Luttmann einer guten Freundin, die sie damals in Hamburg aufnahm. Diese brachte Luttmann an der privaten Schule für Malerei und Grafik von Heidi Else Boyes-Pulley unter. Ihre Lehrerin wurde für Luttmann zum großen Vorbild. Ihr eigenes, künstlerisches Schaffen ist stark von ihr geprägt. Gleichzeitig findet sich in Luttmanns Bildern auch ihre lebensbejahende Philosophie. „Das Leben ist so aufregend!“, ist die Künstlerin überzeugt.

Welche Energie Luttmann in sich trägt, kommt in der Farbgewalt ihrer Bilder zum Ausdruck. Sie scheut sich nicht, die strahlenden Farben afrikanischer Mode in genau dieser Farbkraft wiederzugeben, wie sie ihr auf ihren Reisen begegnet sind. Dabei ist ihr bewusst, dass sie die Betrachter damit provoziert. „Das ist doch nicht Afrika“, höre sie oft, wenn Besucher ihrer Ausstellung vor ihren Kunstwerken stehen. „Wie jemand auf ein Bild reagiert, sagt ganz viel über ihn selbst aus“, erklärt Luttmann. 

Genau dies ist der Effekt, den Luttmann erzielen will. Wie Ausstellungsbesucher ihre Bilder verstehen können oder sollen, lässt die Künstlerin bewusst offen. „Ich gebe nicht vor, was jemand in meinen Bildern sehen soll“, erklärt Luttmann. Viel mehr lebe ihre Kunst eben von diesem Wechselspiel aus der Botschaft, die ein Motiv sendet, und der Art und Weise, wie der Empfänger diese Botschaft versteht. Die Deutungshoheit überlässt die Künstlerin bewusst dem Betrachtenden. „Was mich inspiriert, wo meine Kunst herkommt, hat immer etwas mit meinen theoretischen Themen zu tun“, führt Luttmann aus, wenn man sie nach ihrer Motivation für ihre Bilder fragt. Theoretische Zugriffspunkte bieten sich der Künstlerin nicht nur dank ihres Studiums, sondern auch aufgrund ihrer Lehrtätigkeit an der Leuphana Universität.

Inspiration aus Afrika 

In ihrer aktuellen Ausstellung „Look at me! Schein und Sein“ zeigt Luttmann die unterschiedlichen Ebenen der Selbstinszenierung. Sich selbst über Kleidung in Szene zu setzen, spielt in den Kulturen afrikanischer Völker eine große Rolle. Damit zeigt Luttmann nicht nur, welch mächtige Kommunikationsmittel Kleidung und Farben sind, sondern sie fordert den Betrachter auch heraus, sich mit der eigenen Beziehung zum Thema Selbstdarstellung auseinanderzusetzen.

Gerade in den sozialen Netzwerken spielt diese Darstellung des eigenen Selbst eine große Rolle, gleichzeitig scheint dieses Bedürfnis nach Geltung im europäischen Raum negativ konnotiert zu sein. Durch die von Luttmann gemalten Bilder bekommen Betrachtende die Chance, ihre eigene Beziehung zur Selbstinszenierung neu in Frage stellen.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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