Teamarbeit mit Adrenalinschub

Entkommen auf Zeit im Escape Nienburg

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Geschäftsführer Alexander Mietz und Artur Hammerschmidt planen bereits den dritten Raum im Escape Nienburg". Aktuell gibt es den Mittelalterraum und den Detektivraum „Der mysteriöse Dr. Seltsam“.

Nienburg - Von Vivian Krause. Zu viert sitzen wir auf einer Holzbank. Die Wände des Raumes scheinen näher zu kommen. Die Luft reicht kaum für uns alle, um sich lange hier aufzuhalten. Wir werden mit einer schweren Kette und Fußfesseln aneinander gebunden. Der Kerkermeister schließt die Tür und wir sind unserem Schicksal überlassen. Schaffen wir es, die Ketten zu lösen und dem Henker zu entkommen? Die Zeit läuft...

Dieser Raum befindet sich hinter den Türen vom Escape Nienburg, das erste und einzige Escape-Game im Landkreis. Bereits seit April laden Artur Hammerschmidt und Alexander Mietz Spieler zu sich ein. Das Ziel: Aus einem Raum innerhalb von einer Stunde zu entkommen. Dabei gilt es, Rätsel zu lösen, zu kombinieren und vor allem im Team zu arbeiten.

Warum sind wir vier überhaupt im Kerker eingesperrt? Und wieso bekommt mein Mitspieler die Fesseln nicht auf? So langsam werde ich unruhig...   

Aktuell gibt es in der Location zwei Räume – „Der mysteriöse Dr. Seltsam“, ein Detektivraum, und „Die Flucht aus dem Dungeon“. Dieser Raum versetzt die Gefangenen ins tiefste Mittelalter. „Die Spieler sollen in eine völlig andere Welt eintauchen“, beschreibt Hammerschmidt die Intention. Und so kamen Teams auch schon authentisch gekleidet im Mittelalter-Outfit.

Mittlerweile sind wir voll und ganz ins Mittelalter eingetaucht. Ist es Tag oder Nacht, hell oder dunkel, heiß oder kalt? Die Umwelt außerhalb dieses Raumes ist ausgeblendet.  

Dass die Gäste sich freiwillig einsperren lassen, scheint zunächst etwas seltsam. Diese Art der Freizeitbeschäftigung liegt vor allem in den Großstädten im Trend. Bremen, Hannover, Hamburg – einige „Escaper“ reisen sogar von einem Escape-Game zum anderen. Und landen dann auch bei Hammerschmidt und Mietz in Nienburg.

Ein Schloss springt auf, wir sind überglücklich. Doch beim Blick auf die Uhr schwingt die Freude in Ehrgeiz um.  

Einen Großstadt-Trend in das rund 32.000-Einwohner-Städtchen Nienburg zu holen, bedarf einiger Vorbereitung. Und vor allem langer Planung, liebervoller Gestaltung und handwerklichem Geschick. Dieses bringt Alexander Mietz mit. Der ehemalige Leiter einer Konstruktionswerkstatt gestaltet die Räume in Eigenregie. Die Geschäftsführer wollten sich nicht einem Franchise anschließen. Für Mietz steht das Ausleben der eigenen Kreativität im Fokus. Und das kommt an, zeigen auch die Fünf-Sterne-Bewertungen im Internet und das Feedback der Spieler. „Jeder, der rauskommt, ist begeistert“, sagt Hammerschmidt.

In einer halben Stunde kommt der Henker. Wo versteckt sich nur der nächste Hinweis?  

Hammerschmidt und Mietz, die sich bei der Arbeit kennenlernten, spielten einen Raum in Hannover und beschlossen, dass solch ein Erlebnis in Nienburg fehlt. Mietz entwarf den ersten Raum in nur einer Woche. So wurde „Dr. Seltsam“ das erste Mal in seiner Wohnung gespielt.

Wir kombinieren, grübeln, schreien uns an, vertragen uns wieder, suchen weiter, verzweifeln, schöpfen Hoffnung.

Tatsächlich dauert es rund ein halbes Jahr, bis ein Raum spielfertig ist – im Fall des „Dr. Seltsam“ somit von November bis April. „Ich versuche Räume so zu bauen, dass sie mich selbst packen würden“, so Mietz. Testspieler prüfen die Rästel, Verstecke und Aufgaben auf Herz und Nieren. Dabei setzen die Geschäftsführer auf erfahrene Spieler sowie Neulinge.

Nur noch zehn Minuten... Ist das Angstschweiß auf der Stirn meines Gegenübers? Oder ist es das Adrenalin, dass ihn so verrückt ausschauen lässt? Wir haben keine Zeit.  

Während der Stunde wird die Gruppe vom Spielbetreuer über einen Bildschirm beobachtet. Dieser gibt, wenn nötig, kleine Denkanstöße. „Manche haben gar keine Hinweise gebraucht“, so Hammerschmidt. Dabei erinnert er sich an drei Mädchen aus Neuseeland, die den Raum in 50 Minuten geknackt haben. Das sei aktueller Rekord in beiden Räumen.

Drei, zwei, eins: Geschafft. Wir sind dem Henker entkommen. Eine Mischung aus Freude, Überwältigung und Fassungslosigkeit macht sich breit. Was für ein Erlebnis!  

Ein dritter Raum ist bereits in Planung. „Es wird auf jeden Fall sehr durchgeknallt“, verrät Mietz. Und: Von den Rästeln, der Stimmung und der Story unterscheiden sich die Räume grundlegend. Im nächsten Jahr soll sich eine weitere Tür öffnen, um dann hinter einem mutigen Team verschlossen zu werden. Die Zeit läuft...

Weitere Informationen unter www.escape-nienburg.de

Was ist ein Escape Room?

Beim Escape Room, Escape Game oder auch Exit Game spielt ein Team, bestehend aus mindestens zwei Spielern, gegen die Zeit. Dabei müssen Verstecke entdeckt, Rätsel gelöst und Geheimnisse gelüftet werden. Die Räume, die aus einem oder mehreren Zimmern bestehen können, haben unterschiedliche Themen und sind individuell aufbereitet – von Mittelalter, über ein Leichenhaus bis hin zu Laboren. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, das Spiel zu lösen. Wenn die Gruppe nicht weiterkommt, gibt der Spielleiter kleine Hinweise über einen Monitor, Lautsprecher oder Walkie-Talkies.

Nach Angaben der Internetseite „Live Escape Room Games“ gibt es rund 663 Escape Rooms in 137 deutschen Städten – und wöchentlich kämen neue hinzu. Die zu Grunde liegende Idee ist die der sogenannten „Point&Click-Adventures“ – Computerspiele, bei denen durch Klicks auf Gegenstände oder Hinweise, Rätsel gelöst werden.

Eine Übersicht über die Live Escape Games in Deutschland gibt es unter www.escape-game.org

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