Enthüllung auf dem Klostergelände am kommenden Sonnabend

Eine Gedenk-Tafel für die Opfer des Hexen-Wahns

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An der Südseite der ehemaligen Frauen-Kapelle auf dem Klostergelände soll die Gedenk-Tafel befestigt werden – Loccums Abt Horst Hirschler zeigt den Ort.

Loccum - Eine Gedenktafel für die Opfer des Hexen-Wahns im Stiftsbezirk Loccum wird am Sonnabend, 5. Dezember, 17.30 Uhr, im Kloster Loccum enthüllt. Nach der Hora in der Stiftskirche sollen sich Vorträge zu den „Hexen“-Verfolgungen in Loccum anschließen.

Am 2. Juni 1660 ist das letzte Urteil vollstreckt worden. Gesche Köllars, Witwe aus Wiedensahl, sei der Hexerei für schuldig befunden worden, hatten die juristische Fakultät Rinteln und das Kloster Loccum verkündet. Da sie geständig war, wurde Gesche Köllars „begnadigt“ – statt bei lebendigem Leib verbrannt zu werden, gestanden ihr die Richter zu, mit dem Schwert vom Leben zum Tode befördert zu werden.

Gesche Köllars Prozess stand am Ende einer langen Reihe von Anklagen gegen Frauen und Männer aus dem Loccumer Stiftsbezirk, die „überführt“, verurteilt und hingerichtet wurden. 29 Namen von Menschen, denen es in den Jahren von 1581 bis 1660 so ergangen ist, werden auf der Tafel zu lesen sein, die auf dem Gelände des Klosters, an der Südseite der ehemaligen Frauenkapelle, angebracht und nun enthüllt werden soll.

Dem vorangegangen waren im Jahr 2013 eine Tagung zu den Loccumer Hexenprozessen und im Anschluss daran eine Initiative von Menschen aus dem Stiftsbezirk, die die Hintergründe der damaligen Verfolgungen näher beleuchten wollten – und auch die Bitte an Abt, Prior und Konvent des Klosters richteten, eine Form des Gedenkens zu schaffen.

Diese Art des Gedenkens wird nun zum einen die Tafel mit den Namen sein. Darüber hinaus bekommt aber auch der Weg, von dem vermutet wird, dass ihn die Verurteilten auf dem Weg zur Hinrichtungsstätte nehmen mussten, den Namen „Gesche-Köllars-Weg“. Auf deren Schicksal wird dort zudem mit einem Emaille-Schild hingewiesen. Auf eine Broschüre soll dieses Schild dann ebenfalls hinweisen. Deren Thema werden unter anderem die noch erhaltenen Prozess-Akten sein, die Loccums Abt Horst Hirschler in den 1970er-Jahren als Grundlage für einen viel beachteten Aufsatz nahm. Außerdem enthalten sein soll eine Zusammenfassung der Dissertation von Dr. Peter Beer zu den Loccumer Hexenprozessen. Und Beer selbst soll am Sonnabend auch zu Wort kommen.

An die Enthüllung der Tafel soll sich um 18 Uhr eine themenbezogene Hora in der Stiftskirche anschließen. Danach ist ein Vortragsabend geplant, bei dem Abt Horst Hirschler von seiner Wiederentdeckung der Prozess-Akten erzählt, Dieter Hüsemann aus dem Initiativkreis von dessen Intention berichtet und Beer einen Vortrag zum „Hexenwahn im Klostergebiet Loccum – die Gründe für die Hexenprozesse“ hält. Interessierte sind eingeladen.

Zu zeigen, dass der Hexen-Wahn seinerzeit die Obrigkeit wie auch alle anderen Leute ergriffen habe, sei der Sinn der Gedenk-Tafel, sagt Hirschler.

ade

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