Einwohner Marklohes entscheiden morgen über Samtgemeindebürgermeister-Amts

Beide Bewerber gehen optimistisch in die Wahl

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Um die Führung der Verwaltung im Rathaus in Lemke geht es am morgigen Sonntag für die Einwohner der Samtgemeinde Marklohe.

Marklohe - Von Kurt Henschel. Ein Tag noch, dann treten die wahlberechtigten Einwohner der Samtgemeinde Marklohe an die Urnen: Es geht darum, entweder den Verwaltungs-Spezialisten Fritz Jansen oder die Chemikerin Dr. Inge Bast-Kemmerer in das Amt des Samtgemeindebürgermeisters zu hieven. Dabei reicht eine einfache Mehrheit aus.

Seit der Abwahl von Volker Friemelt im September ist die Stelle des Rathaus-Chefs vakant. Die politischen Fraktionen in Marklohe haben sich geschlossen für Fritz Jansen als Kandidaten ausgesprochen, als Einzelbewerberin brachte sich Dr. Inge Bast-Kemmerer quasi mit einer Last-Minute-Bewerbung ins Rennen (wir berichteten ausführlich).

Beide Kandidaten stellen sich heute und an dieser Stelle einem Interview, bei dem naturgemäß die Fragen unterschiedlich ausfallen.

Frau Bast-Kemmerer und Herr Jansen: Wie geht es Ihnen am Tag vor der Wahl? Sind Sie nervös?

Dr. Inge Bast-Kemmerer: Ich habe im Wahlkampf alles getan, was mir richtig erschien und in der kurzen Zeit möglich war. Ich hoffe, dass ich die Bürger davon überzeugt habe, dass ich die Richtige für das Amt bin und ein Neuanfang eingeleitet werden muss. Jetzt bin ich gelassen, aber natürlich gespannt, wie das Ergebnis ausfällt.

Fritz Jansen: Ich bin erwartungsvoll und gespannt, wie der Bürger entscheiden wird, und auch ein wenig nervös.

Frau Bast-Kemmerer: Es gibt Menschen, die sagen, es sei nicht üblich, einen Lehrling den Chef-Posten zu übertragen. Mit welchem Argument reagieren Sie auf diese Meinung?

Einzelbewerberin: Dr. Inge Bast-Kemmerer (57)

Bast-Kemmerer: Wenn Sie damit auf meinen Vorgänger im Amt anspielen, so muss ich Ihnen sagen, dass er meiner Meinung nach vielleicht nicht die beste Besetzung für den Job des Samtgemeindebürgermeisters war. Trotzdem: Die Mehrheit der Bürger hat ihn gewählt und mit diesem Ergebnis hätte der Rat auch demokratisch und fair umgehen müssen. Wie Herr Friemelt aber vor und im Abwahlverfahren menschlich behandelt wurde, das war kein „Meisterstück“, sondern öffentliches Vorführen. Völlig inakzeptabel, weil es um einen Menschen geht. Wenn Sie mit dem Spruch dagegen auf meine Unerfahrenheit im Verwaltungsrecht anspielen, so sehe ich mich zwar als Lernende, aber keineswegs als Lehrling. Sehr vieles von dem, was im Amt des Samtgemeindebürgermeisters gebraucht wird, beherrsche ich nämlich: Managen, Führen, Moderieren, Konsensbildung, Kommunikation – das sind wesentliche Fähigkeiten, die für dieses Amt gerade heute von besonderer Bedeutung sind.

Herr Jansen, Sie genießen politische Rückendeckung und gelten nach 45 Dienstjahren als absoluter Verwaltungs-Spezialist. Sind das Ihre Vorteile bei der morgigen Wahl?

Jansen: Die Bürgerinnen und Bürger der Samtgemeinde und die Räte erwarten von einem Samtgemeindebürgermeister in jeder Beziehung Kompetenz und eine professionelle Amtsführung. Dafür bin ich der richtige Kandidat! Ich möchte ein Samtgemeindebürgermeister für alle Bürgerinnen und Bürger sein.

Ihnen, Frau Bast-Kemmerer, prophezeien einige Markloher, Sie hätten ohne Verwaltungs-Kenntnisse keine Chance, das Amt im Falle einer Wahl durchzustehen. Es bestehe die Gefahr, dass Rathaus-Mitarbeiter und Politiker Sie auflaufen lassen könnten. Was sagen Sie?

Bast-Kemmerer: Ich habe ja in meinem ganzen Wahlkampf immer wieder betont, dass für mich nach dem 6. März ein neues Kapitel beginnt. Es gibt einen Auftrag der Bürger, aber nicht nur für mich, sondern auch für alle gewählten Ratsmitglieder. Die Ränkespiele müssen ein Ende haben. Wir müssen mit offenem Visier, aber auch mit offenem Herzen miteinander nach den richtigen Lösungen suchen.

Es ist ja richtig, dass ich die Randbedingungen von Entscheidungen, also gesetzliche Grundlagen oder Beschränkungen heute noch nicht genau kenne. Diese Kompetenz ist aber im Rathaus bereits vorhanden und ich gehe davon aus, dass die Mitarbeiter im Rathaus, auch unter einer neuen Leitung, professionell und loyal ihre Aufgaben erledigen. Entscheidend ist doch, was wir uns gemeinsam vornehmen und wieviel wir von den hochgesteckten Zielen erreichen. Darum sollte sich der Wettstreit drehen – und nicht darum, wie gut der eine den anderen ausbremsen kann.

Herr Jansen, bei Ihnen, so heißt es, bestehe die Befürchtung, dass Sie im Falle Ihrer Wahl die fünf weiteren Jahre nicht erfüllen. Schließlich sind Sie ja schon jetzt rentenberechtigt. Ihre Aussage dazu?

Politik-Favorit: Fritz Jansen (62)

Jansen: Ich habe mich für die Kandidatur entschieden und damit ist auch klar, dass ich die Wahlzeit von fünf Jahren auf jeden Fall erfülle. Ich bin gesund und energiegeladen und habe mit der Samtgemeinde noch viel vor. Eine weitere Amtszeit ist aufgrund meines Alters durchaus möglich (Anm. d. Red.: Das ist nicht so, denn das niedersächsische Kommunalwahlsystem schließt eine Kandidatur aus, wenn der Bewerber das 67. Lebensjahr bereits vollendet hat).

Dass Sie beide die geheim tagenden Verwaltungsausschüsse nicht abschaffen können, ist klar. Wie konkret wollen Sie im Samtgemeindebürgermeister-Amt Transparenz für die Bürger erreichen?

Bast-Kemmerer: Wir müssen es schaffen, in einem demokratischen Prozess das Richtige für die Samtgemeinde zu tun. Beschlüsse und Entscheidungen entstehen ja nicht aus dem Nichts, sondern bauen auf Informationen und Interessen auf und bringen Menschen dazu, so und nicht anders zu entscheiden. In einer so kleinen Gemeinschaft wie der Samtgemeinde Marklohe kann und sollte es auch Elemente direkter Demokratie geben. Sind viele Bürger in die Entscheidungsfindung eingebunden, kann man auf dieser Basis auch viel bessere Entscheidungen treffen, die dann auch mitgetragen werden. Es ist daher naheliegend, vor einer Entscheidung des Ausschusses oder des Rates möglichst vielen, zumindest aber den Betroffenen, in einer öffentlichen Diskussion zuzuhören. Der Ausschuss sollte als Repräsentant der Bürger diese Meinungen berücksichtigen. Bei einem davon völlig abweichenden Beschluss müsste er nämlich schon sehr schlüssig erklären, warum er sich nicht der Mehrheitsmeinung anschließt.

Jansen: Mehr Öffentlichkeitsarbeit über die Medien betreiben, Info-Veranstaltungen und Bürgerversammlungen zu wichtigen Entscheidungen in der Samtgemeinde durchführen und regelmäßige Bürgermeistersprechstunden abhalten.

Welche Rolle spielt bei Ihnen beiden das Gehalt eines Samtgemeindebürgermeisters?

Bast-Kemmerer: Ich verfüge heute als Führungskraft über ein gutes Einkommen und werde mich durch das Gehalt eines Samtgemeindebürgermeisters wirtschaftlich nicht verbessern. Die Gehalts- oder Pensionsfrage ist für mich jedenfalls nie der Grund für meine Kandidatur gewesen.

Jansen: Der entscheidende Grund für meine Kandidatur ist für mich den Einsatz für die Bürgerinnen und Bürger der Samtgemeinde und deren Weiterentwicklung. Ich habe noch viele Ideen und Pläne, die ich umsetzen möchte. Das Gehalt des Samtgemeindebürgermeisters steht dabei nicht im Vordergrund.

Ein ehemaliger Samtgemeindebürgermeister, der die Eingleisigkeit propagiert, beklagt die Tatsache, dass es in den Mitgliedsgemeinden einer Samtgemeinde neben den Ortsbürgermeistern auch noch Gemeindedirektoren sowie ein bis zwei Stellvertreter gibt, die allesamt Geld kosten. Hätten Sie Ambitionen, daran zu rütteln?

Bast-Kemmerer: Es ist sicher richtig, dass durch eine Einheitsgemeinde Einsparungspotenziale generiert werden könnten. Nur noch eine zentrale Verwaltung, nur noch ein Haushalt, keine Verwaltungsdirektoren und konsequenterweise auch keine Stellvertreter in den Einzelgemeinden.

Bevor ich jedoch anfange, daran zu „rütteln“, will ich mir erst einmal ein Bild machen, wie wertvoll die Arbeit der Gemeindedirektoren tatsächlich ist und ob die Aufwandsentschädigung im richtigen Verhältnis dazu steht.

Es gibt aber noch einen zweiten, sehr wichtigen Aspekt, den wir nicht vergessen sollten: Die Bürger wollen, dass ihre Interessen vor Ort in ihrer Gemeinde angemessen vertreten werden. Das muss gewährleistet sein, auch wenn das mit Kosten verbunden ist. Es kann also nicht nur eine finanzielle Frage sein, sondern der Bürgerwille muss berücksichtigt werden.

Jansen: Ich habe dazu in den Info-Veranstaltungen ausführlich Stellung genommen. In den nächsten Jahren sollten dazu dem Samtgemeinderat und den Räten der Gemeinden vom Samtgemeindebürgermeister Entscheidungshilfen an die Hand gegeben werden. Ziel muss es sein, dass bis zum Ende der Wahlperiode dazu eine Entscheidung von den Räten getroffen wird.

Die Frage steht vor dem Hintergrund, dass viele Gemeinden ihre Haushalte nicht mehr oder nur noch schwer ausgleichen können. Ist diese Art der Selbstbedienung durch Aufwandsentschädigungen angesichts vielerorts hoher Verschuldungen noch tragbar und zu rechtfertigen?

Bast-Kemmerer: Mich stört der Begriff „Selbstbedienung“ in der Frage sehr. Gewählte Vertreter des Bürgers haben diesen Damen und Herren Aufgaben übertragen und dafür eine Aufwandsentschädigung festgelegt. Das ist der jetzige Stand und den muss ich auch so akzeptieren.

Ich stimme vollkommen zu, dass wir sehr sorgfältig mit öffentlichen Geldern umgehen und dass wir auch die Prioritäten richtig setzen müssen. Künftige Aufgabenverteilungen und mögliche Aufwandsentschädigungen müssen aber mit den Gemeinden diskutiert und abgestimmt werden.

Jansen: Die Aufwandsentschädigung ist für die ehrenamtlichen Mandatsträger ein Ausgleich für die geleistete Arbeit zum Wohle der Allgemeinheit. Darauf zu verzichten würde sicherlich dazu führen, dass noch weniger Bürgerinnen und Bürger bereit sind, sich ehrenamtlich in den Räten einzubringen.

Herr Jansen, was machen Sie im Falle einer Niederlage? Arbeiten Sie dann mit einer Chefin Inge Bast-Kemmerer im Rathaus weiter?

Jansen: Meine Tätigkeit als tariflich beschäftigter Arbeitnehmer der Samtgemeinde werde ich fortsetzen.

Wie wäre das für Sie, Frau Bast-Kemmerer, mit einem Amtsleiter Fritz Jansen?

Bast-Kemmerer: Sollte ich die Wahl gewinnen, wäre es für mich ein Glücksfall, einen so erfahrenen Verwaltungsangestellten an meiner Seite zu wissen. Ich glaube, ich habe bereits mehrfach betont, dass ich Herrn Jansen als Verwaltungsfachangestellten schätze.

Zum Schluss bitte Ihre persönlichen Tipps in Prozenten für morgen.

Bast-Kemmerer: Ich habe die Hoffnung, dass ich die Wahl gewinne – ob mit kleinem oder großen Vorsprung spielt am Ende keine Rolle. Ich habe sehr viel positives Feedback erhalten und würde mich über eine hohe Wahlbeteiligung freuen.

Jansen: Ich bin davon überzeugt, dass mir die Bürgerinnen und Bürger der Samtgemeinde ihr Vertrauen aussprechen und erwarte am Sonntag ein klares Votum für mich.

Geben Sie bitte beide in drei bis vier kurzen Sätzen von sich, warum sich die Wähler morgen für Sie entscheiden sollen.

Bast-Kemmerer: 1. Wenn Sie wollen, dass es nicht einfach so weitergeht wie bisher, sondern dass frischer Wind in die Samtgemeinde kommt, dann bin ich Ihre Kandidatin.

2. Wenn Sie wollen, dass wir die Ränkespiele in der Politik hinter uns lassen und Entscheidungen wieder transparent und nachvollziehbar getroffen werden, dann bin ich Ihre Kandidatin.

3. Wenn Sie wollen, dass wir Vereine und Ehrenamt besser unterstützen und fördern, dann bin ich Ihre Kandidatin.

4. Wenn Sie Ihrer Samtgemeinde Marklohe eine finanziell solide Zukunft wünschen, dann wählen Sie morgen mich, Inge Bast-Kemmerer, zur Bürgermeisterin der Samtgemeinde.

Jansen: Die Ziele meiner Kandidatur konnte ich in den letzten Monaten vielen Bürgerinnen und Bürger persönlich, in Info-Veranstaltungen und mit meinem Flyer vermitteln. Durch meine Kompetenz und langjährige Erfahrung bin ich in der Lage, diese Ziele auch umzusetzen. Ich bitte daher alle Bürgerinnen und Bürger der Samtgemeinde, meine Kandidatur zu unterstützen, damit es in unserer familienfreundlichen Samtgemeinde positiv und kompetent weitergeht!

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