45-jähriger Angeklagter kommt unbefristet in ein psychiatrisches Krankenhaus

„Eine Gefahr für die Allgemeinheit“

Verden - Von Wiebke Bruns. Ein psychisch kranker Mann, der im September 2015 auf dem Flur des Polizeikommissariats in Stolzenau einem Dolmetscher mit einem Messer in den Hals gestochen hatte, wird unbefristet in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Das Landgericht Verden hat dies am Ende eines Sicherungsverfahrens angeordnet. Der 45-Jährige habe im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt, stelle aber auf Grund seiner Erkrankung eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Die 1. Große Strafkammer stützte sich dabei auf die Einschätzung eines Sachverständigen. Eine Unterbringung sei erforderlich, denn von dem Beschuldigten gehe nicht nur eine Gefahr aus, wenn er nicht behandelt wird, sondern auch trotz Behandlung. Übereinstimmend hatten Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung die Unterbringung beantragt. Uneinig waren sich die Juristen, ob der 45-Jährige den Dolmetscher töten oder nur verletzten wollte. „Die Kammer ist mit der Staatsanwaltschaft der Ansicht, dass er mit einem bedingten Tötungsvorsatz, wenn nicht sogar mit Tötungsabsicht gehandelt hat“, hieß es der mündlichen Urteilsbegründung.

Am Tattag hatte der aus Montenegro stammende Mann, der als Asylbewerber in Steyerberg lebte, beim dortigen Rathaus wirre Geschichten von toten Mädchen erzählt, die ein Bekannter unter seiner Garage vergraben habe. Die alarmierte Polizei nahm den Beschuldigten mit auf die Wache. Vorher wurde er durchsucht. „Da hatte er das Messer schon dabei“, betonte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk in der Urteilsbegründung. „Es wurde nicht gefunden, weil der Polizeibeamte nicht gründlich genug durchsucht hat“, stellte der Vorsitzende fest.

In einem Vorraum der Polizeistation war es im Beisein von zwei Beamten und zwei Schülerpraktikanten zu der Tat gekommen. Der Beschuldigte soll zunächst wirres Zeug geredet haben. Dann stand er auf, legte seinen Arm um den Dolmetscher und stach ihm mit dem Messer in den Hals. Es blieb bei einer oberflächlichen Verletzung, weil das Opfer sich zur Wehr gesetzt hatte, so der Vorsitzende. Die Polizeibeamten hätten das Messer erst gar nicht bemerkt, seien dann aber unverzüglich eingeschritten. „Die Kammer ist davon überzeugt, dass er sonst weiter auf den Nebenkläger eingestochen hätte“, so Stronczyk. Das Opfer leidet noch immer schwer unter den psychischen Folgen der Tat.

Die vom Sachverständigen ohne Zweifel feststehende Schuldunfähigkeit wurde schon frühzeitig vermutet. Der Angeklagte hatte unmittelbar nach der Tat von Dämonen gesprochen und auch in dem Prozess erklärt, dass diese an Augenringen, hässlichem Lachen und einer negativen Energie zu erkennen seien.

Zur Sprache gekommen war in dem Prozess noch ein weiterer Vorfall, der sich danach in der vorläufigen Unterbringung des Beschuldigten in der Psychiatrie in Wunstorf ereignet hat. Der 45-Jährige soll dort einen Pfleger zu sich gelockt, ihn dann abgelenkt und versucht haben, ihm ein Messer in den Hals zu stechen. Getroffen habe er aber nur das Ohrläppchen des Pflegers.

Rubriklistenbild: © dpa

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