53-Jähriger beantwortet Fragen der Staatsanwaltschaft

„Das war eine Falle“: Angeklagter fühlt sich betrogen und baut Bomben

Kirchdorf - Wegen versuchten Mordes und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion muss sich vor dem Landgericht Verden ein 53 Jahre alter Angeklagter aus der Schweiz verantworten. Gestanden hatte er bereits beim Prozessauftakt am 17. Januar dieses Jahres, dass er mehrere selbstgebaute „Knallkörper“ auf dem Hof seiner Familie deponiert hatte. Im Mai 2018 war es zur Explosion einer Rohrbombe und zwei Verletzten gekommen. Montag beantwortete der Angeklagte die Nachfragen von Gericht, Staatsanwaltschaft und Nebenklage.

Bereits im Sommer 2017 war er aus dem Chur in der Schweiz nach Kirchdorf zu dem elterlichen Hof gefahren, um dort die „Knallkörper“ zu deponieren. Weil diese nicht auffallen sollten, hatte er sie in Bohrmaschine, Haarschneidemaschine und Rasierapparat versteckt. Bei Bewegung oder Starten der Geräte sollte es zur Explosion kommen.

Den Feuerlöscher habe er mit einer Zündvorrichtung aus einer Glühlampe sowie einem verlängerten Kupferkabel versehen und mit einem Gemisch aus Holzkohle und anderen Dingen befüllt. „Mit Nägeln?“, fragte einer der Verfahrensbeteiligten. „Weiß ich nicht.“ „Mit Schrauben?“ „Kann ich nicht sagen.“ Bohrmaschine und Feuerlöscher habe er auf einer Werkbank deponiert und die Haarschneidemaschine durch ein offenes Fenster in ein Bad gelegt.

Am 5. Mai 2018 explodierte in einer Scheune eine Rohrbombe. Der Neffe des Angeklagten soll das Rohr von einem Kettcar genommen haben, mit dem seine damals achtjährige Tochter spielen wollte. Es kam zur Explosion. Vater und Tochter wurden verletzt.

Der Angeklagte habe nicht gewusst, dass auf dem Hof Kinder leben. Sandkiste und Trampolin will er nicht wahrgenommen und das Kettcar nicht gesehen haben. Das Rohr habe er in den Kehricht gesteckt. Es sei ihm auch nie darum gegangen, jemanden körperlich zu verletzen. Einen Knall - mehr habe er nicht erwartet. Getan habe er das Ganze, weil er um sein Erbe betrogen worden sei; vor 25 Jahren, am Tag seiner Hochzeit.

Sein ältester Bruder habe sich während des Festes eine Unterschrift von ihm geben lassen. In dem Trubel will der Angeklagte geglaubt haben, nur eine Quittung für 10.000 Mark zu unterschreiben, die er tatsächlich bekommen habe. Doch unwissend habe er die „Anrechnung auf seine Hofesabfindung“ anerkannt. „Hätte man mir gesagt, das hat mit dem Hof, mit meinem Schicksal zu tun: Ich hätte das verneint. Das war eine Falle“, so der 53-Jährige. Man habe ihn weggejagt, „sonst wäre es niemals zu dieser Situation gekommen“. Im Gerichtssaal kritisierte der heute 53-Jährige: „Es ist für mich beschämend, dass ich hier als Täter aussagen muss.“

20 Gerichtsverhandlungen habe er hinter sich, 200 Briefe geschrieben; die Staatsanwaltschaft, das Landwirtschaftsministerium und den Politiker Jürgen Trittin kontaktiert und vor dem Gemeinderat gesprochen. „Ich wollte Aufmerksamkeit in der Sache. Ich wollte endlich Gehör finden.“ Auf die Frage, was nach dem Knall passieren sollte, antwortete der Angeklagte: „Eine ganz andere Macht sollte kommen, um Licht auf diese Szenerie zu werfen.“ 

wb

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Testzentrum Hoya: ASB sucht Personal und plant Ausweitung der Öffnungszeiten

Testzentrum Hoya: ASB sucht Personal und plant Ausweitung der Öffnungszeiten

Testzentrum Hoya: ASB sucht Personal und plant Ausweitung der Öffnungszeiten
ASN eröffnet Testzentrum in Bücken

ASN eröffnet Testzentrum in Bücken

ASN eröffnet Testzentrum in Bücken
Weihnachtshaus Calle bleibt auch 2021 dunkel

Weihnachtshaus Calle bleibt auch 2021 dunkel

Weihnachtshaus Calle bleibt auch 2021 dunkel
Eystrup-Doenhausen: Abrissarbeiten an der Brücke starten -Bahnstrecke muss gesperrt werden

Eystrup-Doenhausen: Abrissarbeiten an der Brücke starten -Bahnstrecke muss gesperrt werden

Eystrup-Doenhausen: Abrissarbeiten an der Brücke starten -Bahnstrecke muss gesperrt werden

Kommentare