Termine ändern sich

Corona-Pandemie im Nienburger Theater: Ein Stuhl besetzt, drei bleiben frei

Es geht wieder los: Das Team des Nienburger Theaters freut sich, dass wieder mehr Plätze besetzt werden können. Allerdings gelten auch im Saal die Hygieneregeln.
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Es geht wieder los: Das Team des Nienburger Theaters freut sich, dass wieder mehr Plätze besetzt werden können. Allerdings gelten auch im Saal die Hygieneregeln.

450 von insgesamt 630 Sitzplätzen bleiben im Nienburger Theater derzeit leer. Dennoch haben Theaterleiter Jörg Meyer und sein Team damit in Corona-Zeiten ein volles Haus. Das hat Folgen – für die Gäste und auch für die Kulturschaffenden.

Jörg Meyer verfolgt die Nachrichten derzeit besonders aufmerksam. „Nahezu jeden Tag ändert sich etwas“, sagt er mit Blick auf neue Regelungen und Verordnungen des Landes, um die Corona-Pandemie einzudämmen.

Der Theaterleiter und seine Mitarbeiter mussten für die neue Saison bereits vor dem Start Veranstaltungen verlegen oder absagen. Wie Meyer berichtet, werden im September lediglich „Der Zauberer von Oz“ sowie die beiden Premieren des Musicals „Himmlische Zeiten“ aufgeführt, allerdings unter Corona-Bedingungen.

Das Theaterteam hatte nach dem Shutdown gehofft, dass rechtzeitig zum Saisonstart weitreichende Lockerungen der Corona-Beschränkungen erfolgen könnten. Bislang war das aber nicht der Fall. „Jetzt ist absehbar, dass trotz regional niedriger Infektionszahlen vorerst Veranstaltungen nur unter einschneidenden Hygiene-Regeln stattfinden werden, während zahlreiche weitere Termine verschoben werden müssen. „Wir haben jetzt die Aufgabe, einen gut besetzten Saal aufzuteilen“, bedauert Meyer.

Das heißt: Es gilt bis auf Weiteres die Abstandsregel von 1,50 Metern. „Diese bedeutet für uns aktuell eine Reduzierung der verfügbaren Sitzplätze von 630 auf 180 Plätze. Wir werden für die betroffenen Termine möglicherweise nicht alle Reservierungen berücksichtigen können.“

Meyer stieß bislang vor Allem auf Unsicherheit, aber auch auf Verständnis für die neuen Regeln seitens der Kulturliebhaber. „Das Infektionsgeschehen ist ja nicht vorbei. Viele Leute trauen sich noch gar nicht ins Theater“, sagt Meyer. Daher hat er zuweilen sogar erleichterte Reaktionen auf stornierte Veranstaltungen bekommen.

Wer sein Ticket nutzen möchte, sollte sich auf Änderungen einstellen. Wegen der Abstandsregel muss das Theater allen Besuchern neue Sitzplätze zuweisen. Pärchen und Gruppen bis zehn Personen (bei gemeinsamer Buchung) können im Saal ohne Abstand zueinander sitzen. Zwischen einzelnen Gästen und Gruppen müssen jeweils Plätze gesperrt bleiben. Das Publikum erhält seine neuen Platzkarten erst im Theater unmittelbar vor der jeweiligen Veranstaltung. Im Saal werden die Sitzreihen über einen einzigen Eingang von links nach rechts und mit Abstand aufgefüllt. „Eine Art Einbahnstraße“, fasst Meyer zusammen. Aufgrund der festen Sitzreihen können die Plätze nur abhängig vom zeitlichen Eintreffen der Gäste vergeben werden. „Wer einen Platz in den vorderen Reihen gebucht hat, wird weiterhin im vorderen Bereich sitzen, nur möglicherweise nicht ganz so weit vorn und nicht direkt auf dem gebuchten Platz“, erläutert er.

Angesichts dieses Aufwands möchte Meyer seine Kunden auch ein wenig beruhigen: „Wir halten uns an das Hygiene-Konzept und an die rechtlichen Auflagen. Daher ist ein Theaterbesuch nicht gefährlicher als andere Aktivitäten.“ Sein Team habe mögliche Kontaktpunkte so weit wie möglich reduziert. „Der Saaleinlass wird frühestens 30 Minuten vor der Aufführung beginnen, die Dauer auf maximal 90 Minuten ohne Pause verkürzt, und im Anschluss sollte das Theater auf direktem Weg zügig verlassen werden“, so Meyer.

Zu den Aufführungen werde zusätzliches Servicepersonal eingesetzt, um die Laufwege des Publikums zu steuern. Hygienebeauftragte sollen sicherstellen, dass nur Personen ohne Erkrankungssymptome eingelassen werden, bis zum Sitzplatz eine Mund-Nase-Bedeckung getragen sowie auf Händedesinfektion hingewirkt wird. „Die Garderobenpflicht wird ausgesetzt, um unnötige Kontakte zu vermeiden, und weil im Saal jede zweite Reihe gesperrt ist, kann diese ruhigen Gewissens zur Ablage genutzt werden. Der Theatersaal und die Foyers werden zudem angemessen belüftet, um Aerosole zu reduzieren.“

Meyer und seinen Mitarbeitern ist es wichtig, Besuchern einen sicheren Theater-Abend zu ermöglichen. Doch das bringe derzeit erhebliche Einschänkungen mit sich, so der Leiter. Wer allerdings seine Karte zurückgeben möchte, könne das natürlich tun. „Da werden wir kulant sein, weil wir die Sorgen unseres Publikums ernst nehmen.“

Der Chef des Hauses hofft auf weitere, zeitnahe Lockerungen. Nichtzuletzt wegen der wirtschaftlichen Perspektive. Das Nienburger Theater ist zwar eine öffentlich getragene Einrichtzung und steht derzeit wirtschaftlich solide da, so Meyer. „Zudem gibt es inzwischen glücklicherweise einen Rettungsschirm für Gastspielhäuser“, ergänzt er. Aber: Sein Haus verliere aufgrund der Pandemie einen „kleinen sechsstelligen Betrag“. „Genau kann ich den nicht beziffern, weil es täglich Änderungen gibt“, erläutert Meyer. „Wir haben keine Kurzarbeit.“ Die 15 Beschäftigten bleiben, zum Teil sind sie inzwischen in anderen Bereichen des Theaters tätig. Hinzu kommen zwischen 30 und 40 Personen mit geringfügiger Beschäftigung, die beispielsweise als Bühnenhelfer oder an der Garderobe tätig sind.

Auf der Internetseite des Theaters stehen alle Terminverlegungen oder Absagen. Eine persönliche Beratung in der Theaterkasse im Stadtkontor, Kirchplatz 4 in Nienburg, ist derzeit nur nach Terminabsprache möglich, per Telefon 05021/ 87356, Fax 05021/8758356, per E-Mail an theaterkasse@nienburg.de.

Internet: www.theater.nienburg.de

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