1888 bekommt Rehburg die erste Wasserleitung der Region

Ein Fass Bier für die gute Laune

Zur Erinnerung an Rehburgs erste Wasserleitung ist 1906 ein Brunnen in der Nähe des Marktplatzes aufgestellt worden.
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Zur Erinnerung an Rehburgs erste Wasserleitung ist 1906 ein Brunnen in der Nähe des Marktplatzes aufgestellt worden.

Rehburg – Heute schon Kaffee gekocht? Zähne geputzt und Wäsche gewaschen? Dann sollte das reine Wasser gewürdigt werden, mit dem solches hierzulande geschehen kann. Das taten auch Rehburgs Bürger vor rund 130 Jahren – als sie die Ersten in weitem Umkreis waren, die eine Wasserleitung bekamen. Bis dahin mussten sie sich mit Würmern, Schnecken und Magenleiden herumplagen – als Folge des Genusses von Wasser aus dem Meerbach.

Das Bild in Rehburgs Heimatmuseum ist Idylle pur: Bäume neigen ihre belaubten Kronen bis an den Steinhuder Meerbach, windschiefe Häuser schmiegen sich an das sich durch Rehburg windende Gewässer. Zwei Frauen beugen sich über die Uferkante des Baches und schöpfen Wasser in hölzerne Eimer.

Die Realität war weniger idyllisch. Und das nicht nur, weil die Rehburger eher arm waren und ihren Lebensunterhalt mit vielen Schwierigkeiten dem Boden abtrotzen mussten. Harte Realität war für sie auch, dass das Wasser aus „ihrem“ Bach keineswegs gesundheitsförderlich war. Doch es blieb ihnen zunächst nichts anderes übrig, als ihre Eimer dort hineinzutauchen. Jeder Versuch, Brunnen zu bohren, hatte bis dahin nur schwefelhaltiges Wasser hervorgefördert.

Die Bürger tranken also Meerbach-Wasser. Wie es indes um dessen Qualität bestellt war, ist in Rehburgs Schulchronik nachzulesen, wo Lehrer Konrad Piepenbrink seine Eindrücke schilderte: „Im Eimer wurde das Wasser ins Haus getragen und nachdem sich Würmer und Schnecken in dem dicken Bodensatz verkrochen hatten, wurde das ,klare’ Wasser in die Kochgeschirre geschöpft. Ekelhaft war diese Methode für Hinzuziehende, namentlich für die Beamten, und von diesen sind oft Pläne auf Abhilfe des Übelstandes erdacht worden, die aber nie zum Ziele geführt haben.“

Lehrer Piepenbrink hatte jedoch mehr Erfolg als seine Vorgänger. Vielleicht hing das mit seiner Vorliebe für Spaziergänge zusammen. Während einer Wanderung, die ihn zu den Rehburger Bergen führte, entdeckte er klares Quellwasser nahe der Klosterruine der Esbeke. Diese Entdeckung und den Vorschlag, eine Wasserleitung zu verlegen, machte er auf seinem Rückweg Bürgermeister Wilhelm Meßwarb schmackhaft.

Freibier sorgte für nötige Zustimmung

Es musste noch einiges Wasser den Meerbach herunterfließen, bis Bürgermeister und Lehrer die Rehburger davon überzeugen konnten, dass es die Ausgabe lohnt, den wahnwitzigen und außergewöhnlichen Plan einer Wasserleitung für den Ort umzusetzen. „Bürgermeister Meßwarb hat sich viele Mühen und Unannehmlichkeiten zugezogen“, notierte Piepenbrink in der Schulchronik und fügte auch hinzu, wie die Überzeugung gelang: „Um die Bevölkerung für den Plan günstig zu stimmen, wurde eine Gemeindeversammlung einberufen, in welcher der Geheime Sanitätsrat Michaelis eindringlich die Notwendigkeit einer Wasserleitung betonte. Der Hotelbesitzer Menke aus Bad Rehburg sorgte zum Schluss durch ein Fass Bier für eine günstige Stimmung.“ Freibier hilft nahezu immer.

Sieben Kilometer Leitungen verlegten die Rehburger bald darauf mit eigener Muskelkraft. Um die Kosten niedrig zu halten, wurden sie zu „Hand- und Spanndiensten“ herangezogen. Im August 1888 legten sie los, im November des Jahres floss das erste Wasser bis in den Ort, wo es an zwölf Straßenbrunnen entnommen werden konnte. Piepenbrink freute besonders der Brunnen direkt vor der Schule. Das Bild der Wasser schöpfenden Frauen am Meerbach ist seitdem passé. Und auch wesentlich weniger Bürger mit Magenleiden sollen danach erfasst worden sein.

Von Beate Ney-janssen

Diese alte Zeichnung zeigt Frauen, die aus dem Meerbach Wasser schöpfen. Bis 1888 war er die einzige Trinkwasserquelle. Allerdings war das Wasser voller Keime und Ungeziefer, wie historische Aufzeichnungen belegen.

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