IG Bau hat deutliches Lohn-Plus für die Reinigungsbranche in trockenen Tüchern

Ein Erfolg für die Schattenarbeiter

Kai Schwabe
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Kai Schwabe

Landkreis Nienburg – Die Freude ist Kai Schwabe deutlich anzuhören, als er die Einigung bestätigt: „Wir sind zufrieden. Das kann sich sehen lassen“, sagt der stellvertretende Regionalleiter der IG Bau Region Nord am Telefon. Die Gebäudereiniger sollen mehr Geld bekommen. Darauf haben sich Arbeitgeber und die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) in der Nacht zu Mittwoch geeinigt. Damit werden auch die 240 Männer und Frauen, die im Landkreis Reinburg als Gebäudereiniger arbeiten, künftig mehr Geld im Portmonee haben.

Laut Schwabe soll der Mindestlohn für die Branche in drei Stufen um insgesamt elf Prozent steigen. Derzeit bekommen die Beschäftigten einen Mindestlohn von 10,80 Euro. Zum Vergleich: Der staatlich vorgeschriebene Mindestlohn beträgt aktuell 9,35 Euro. Bis 2023 soll der Einstiegsverdienst auf die geforderten zwölf Euro steigen.

Laut Gewerkschaft arbeiten etwa 75 Prozent aller Beschäftigten zum Branchenmindestlohn. Nach einer Studie der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag des Reinigungsunternehmens Piepenbrock verdient ein Großteil der Beschäftigten der Branche unterhalb der amtlichen Niedriglohnschwelle.

Demnach müssen knapp 14 Prozent aller Minijobber und elf Prozent aller Teilzeitbeschäftigten ihr Einkommen durch Hartz IV aufstocken. Laut Unternehmensangaben stiegen die Umsätze in der Gebäudereinigung, der größten deutschen Handwerkssparte, zwischen 2014 und 2019 um 32 Prozent auf zuletzt 19,6 Milliarden Euro.

Für die Beschäftigten bedeutet die Einigung ein „kräftiges Plus“ und einen „großen Schritt heraus aus dem Niedriglohnsektor“, sagt die Verhandlungsführerin Ulrike Laux. Das sieht auch Kai Schwabe so. „Das haben diese Leute auch verdient“, ergänzt er.

Bisher seien Lohnsteigerungen oft von verkürzten Zeitfenstern pro Einsatz wieder aufgefressen worden. „Vor zehn Jahren haben zehn Kollegen die Arbeit gemacht, die heute fünf Kollegen machen. Und diese fünf bekommen nur noch den halben Lohn. Das ist mittlerweile Akkordarbeit“, ärgert sich der Gewerkschafter. Auch Änderungskündigungen seien in der Branche derzeit gängige Mittel, um laut Schwabe die Ausgaben der Arbeitgeber zu drosseln.

Und dann ist da noch Corona: „Diese Kollgen sind natürlich einer erhöhten Ansteckungsgefahr ausgesetzt.“ Sie arbeiten in Schulen, Kliniken, Pflegeheimen, Kindergärten und anderen öffentlichen Gebäuden. „Auch sie haben schon in der ersten Corona-Welle dazu beigetragen, dass die Einrichtungen funktionierten“, betont Schwabe. Aber bisher seien diese Beschäftigten nicht gesehen worden. „Sie kommen in der Regel ja auch erst, wenn alle anderen gegangen sind“, so der Gewerkschafter.

Aus diesen Gründen ist die Einigung für den Gewerkschafter auch ein überfälliges Zeichen der Wertschätzung für diese Männer und Frauen. Einen generellen Einstieg ins Weihnachtsgeld gab es bei den Verhandlungen hingegen nicht.

Komplett in trockenen Tüchern ist die Einigung allerdings erst am 18. November um 12 Uhr. Dann endet Schwabe zufolge die übliche Zeichnungsfrist für Arbeitgeber und Gewerkschaft. Doch das ist in seinen Augen eher eine Formalität.

Von Katrin Köster

Sie machen die Arbeit, die in der Regel keiner sieht: Reinigungskräfte arbeiten oft für den Mindestlohn. Nun soll ihr Lohn binnen drei Jahren um insgesamt elf Prozent steigen.

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