Russische Kriegsgefangene in Rehburg

Erinnerung an eine harte Zeit

Das „Russenkörbchen“ war vielleicht eine Dankesgabe oder ein Tauschmittel.
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Das „Russenkörbchen“ war vielleicht eine Dankesgabe oder ein Tauschmittel.

Rehburg – Wo sind noch Spuren von Kriegsgefangenen in Rehburg-Loccum? Der Arbeitskreis Stolpersteine ist nicht nur bei Ausgrabungen im Rehburger Forst fündig geworden, sondern auch in Haushalten und Museum. Wie beim Ehepaar Volkewien.

Sieben oder acht Jahre alt war Luise Volkewien, als sie ihr Nähkästchen geschenkt bekommen hat. „Das hat ein russischer Kriegsgefangener gemacht“, sagt die heute 85-Jährige. Einer der Kriegsgefangenen, die in dem Lager im Rehburger Forst interniert waren. Da ist sie sich sehr sicher.

Nähkästchen aus Stroh und Papier

Es geht um das Lager aus dem Zweiten Weltkrieg, dem der Arbeitskreis seit einigen Monaten auf die Spur kommen will. Durch Recherchen in Archiven, durch Ausgrabungen und durch Gespräche mit Zeitzeugen. Der Kontakt zu Luise Volkewien und ihrem Mann Heinrich ist ein Glücksfall für die Gruppe. Während sie das Kästchen auf den Tisch stellt, berichtet er davon, wie er als Junge neugierig zu dem Lager geschlichen ist. Stacheldraht, Baracken, außerhalb des Lagers zwei Wachtürme. Daran erinnert er sich. Nach dem Krieg hat er sich mit Freunden Bretter geholt, um Butzen bauen zu können. Da sei schon alles abgerissen gewesen, erzählt er. Rehburger hätten sich Baumaterial geholt. „Es gab doch nichts nach dem Krieg.“

Luise Volkewien erzählt von den Hockern, die aus dem Lager stammten. Vier Beine, eine Sitzfläche, in deren Mitte ein Schlitz als Griff. Bei ihrem Arbeitgeber in Rehburg habe solch einer im Keller gestanden, ebenso bei ihr zu Hause. Auch die stammten aus den Überresten des Lagers.

Luise und Heinrich Volkewien halten es in Ehren.

Essen für die Gefangenen in Forst

Die Hocker sind weg. Verschlissen in Jahrzehnten. Auf dem Müll gelandet. Das Kästchen ist jedoch noch da und in ihm bewahrt Luise Volkewien immer noch Stickgarn auf.

Auch wenn der Deckel der herzförmigen Handarbeit mittlerweile verknickt ist. Sie erinnert sich daran, dass ihre Großmutter den Gefangenen im Forst Essen bringen ließ. Das Essen wurde am Tor abgegeben. „Ins Lager ist niemand gekommen“, fügt ihr Mann Heinrich Volkewien hinzu.

Drei Söhne habe ihre Großmutter gehabt, erzählt Luise Volkewien. Alle seien sie damals im Krieg gewesen. „Vielleicht hat sie das getan, weil sie hoffte, dass ihren Söhnen auch jemand Essen gibt, falls sie in Gefangenschaft geraten sollten“, sagt sie. Ob das kunstvoll aus Stroh geflochtene Nähkästchen ein Dankeschön für die Unterstützung war? Sie vermutet es.

Das „Russenkörbchen“

Das Flechten von Stroh zu kleinen Kunsthandwerken hat in Osteuropa eine lange Tradition. Nicht nur Körbchen, sondern auch dekorative Gegenstände und Spielzeugfiguren werden in dieser Technik hergestellt. Für sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren diese Handarbeiten im Zweiten Weltkrieg ein verbreitetes Tauschmittel gegen Lebensmittel oder Geschenke als Dank für gute Behandlung durch Zivilisten. Für die Gefangenen waren solche Tauschgeschäfte nicht ungefährlich, denn die Annahme von Lebensmitteln war ihnen strikt verboten und stand unter Strafe. Die geflochtenen Kästchen von diesen Gefangenen sind im Volksmund oft auch als „Russenkörbchen“ bezeichnet worden.

Ein Körbchen, das dem von Luise Volkewien ähnelt, steht im Rehburger Heimatmuseum. Daneben liegt ein Zettel, der besagt, dass es ebenfalls von einem Russen in Gefangenschaft gemacht wurde. In dem Lager im Forst sei es gebastelt und bei einem Bauern gegen Brot eingetauscht worden. ade

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