Ehemann ist keine Altersvorsorge

Nienburg: Wie Frauen der Altersarmut engehen können

Eine Frau zählt Bargeld. Für eine gute Altersvorsorge sollten sich Frauen möglichst umfassend absichern.
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Eine gute Geldanlage zu finden, ist kein Hexenwerk, verspricht Finanzcoach Nadine Rajner. Sie berät speziell Frauen darin, sich eine solide Altersvorsorge aufzubauen.

Nadine Rajner aus Heemsen hat sich auf Finanzcoaching für Frauen spezialisiert. Im Interview erklärt sie, warum Frauen oft ungern ihr Geld verwalten und wie eine solide Altersvorsorge aussehen sollte.

  • Rajner: Für eine gute Geldanlage muss frau kein Mathe-Ass gewesen sein
  • Das Vermögen sollte breit gestreut werden
  • Umgang mit Geld in der Familie prägt

Landkreis Nienburg - „Das macht immer mein Mann“ oder „ich bin doch verheiratet, da muss ich nichts mehr regeln“: Diese Aussagen hört der selbstständige Finanzcoach Nadine Rajner häufig – auch von jungen Frauen. „Das Thema hat mich beschäftigt“, sagt sie. Und sie merkte, als sie selbst vor der Frage stand, wie sie ihre finanzielle Zukunft planen sollte, dass das Thema „Geld“ oft auf Männer zugeschnitten ist. Das will Nadine Rajner ändern. Daher gründete sie 2020 „MoneyQueen- Finanzielle Freiheit für Frauen“. Der Finanzcoach unterstützt hauptsächlich Frauen dabei, ihre Finanzen bewusst in die Hand zu nehmen und zu optimieren. Wie das gelingt, verrät sie im Interview.

Frau Rajner, weshalb geben viele Frauen durchaus gerne Geld aus, tun sich aber mit ihren Finanzen so schwer?

Das Thema „Finanzen“ hat leider immer noch einen negativen Touch. Viele Frauen schieben das Thema Vermögensaufbau und Rente gerne gekonnt vor sich her, weil dafür im stressigen Arbeitsalltag kaum Zeit bleibt. Außerdem glauben Frauen häufig, dass sie ihre Finanzen nicht selbst in die Hand nehmen können. Grund dafür sind Blockaden oder negative Glaubenssätze wie „Ich war nie gut in Mathe in der Schule“ , „Männer sind in Sachen Finanzen viel fitter“, „Ich kann das nicht“, und so weiter, die die Frauen blockieren und ausbremsen.

Woher kommt diese Scheu?

Das hat auch ganz viel mit der Familie zu tun. Wie ist zum Beispiel die eigene Mutter mit Geld umgegangen? Hat sie es selbst verwaltet?

Wenn Sie Ihrer besten Freundin einen Rat in Sachen Vermögensaufbau geben sollten, wie würde der lauten?

Nicht alles auf eine Karte setzen. Breit streuen beziehungsweise „Diversifikation“ sind hier die Zauberworte. Es macht keinen Sinn, zum Beispiel alles nur in Aktien der Automobilindustrie zu stecken. Besser ist ein Mix aus Geld- und Sachwerten. Also zum Beispiel noch in eine Eigentumswohnung investieren. Und: Es ist nie zu spät, anzufangen!

Nadine Rajner (36) ist seit 2020 selbstständiger Finanzcoach mit ihrer Firma „MoneyQueen“. Sie lebt in Heemsen und unterstützt Frauen darin, ihr Vermögen effektiv aufzu bauen.

Wie gehen Sie persönlich mit Geld um?

Ich persönlich liebe Geld, weil es einem Wahlmöglichkeiten eröffnet, die man ohne Geld nicht hätte. Als Studentin konnte ich nicht so gut mit Geld umgehen und habe das Sparen vernachlässigt. Heute sieht das ganz anders aus, und ich freue mich, dass mein Geld nun für mich arbeitet, und ich so mehr Zeit für die Dinge habe, die mir wirklich wichtig sind im Leben.

In Ihrem Vortrag am 11. März soll es um Freude und Leichtigkeit im Umgang mit Geld gehen – wie kann das funktionieren?

Wenn wir verstehen, wie Geld funktioniert und wir unsere persönliche Anlagestrategie entwickelt haben und sehen, wie Monat für Monat unser Vermögen wächst dann bringt das viel Freude. Und wenn wir unsere negativen Gedanken im Umgang mit Geld parallel dazu aufgelöst haben, kehrt außerdem eine gewisse Leichtigkeit ein.

Was sollte frau für eine solide Altersversorgung unbedingt beachten?

Eine Frau sollte vor allem die drei Säulen der Altersvorsorge beachten: gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge. Die private Altersvorsorge ist die Wichtigste, um eine Absicherung im Alter zu gewährleisten, und um den Lebensstandard zu sichern. Denn leider ist die Altersarmut „weiblich“ und betrifft hauptsächlich Frauen.

Was sagen Sie zu der weit verbreiteten Meinung „Die Rente kommt doch von allein mit 67“?

(lacht): Ganz sicher nicht! Derzeit bekommen Menschen beim Renteneintritt 68 Prozent ihres Lohns. Wenn ich in Rente gehe, werde ich vorraussichtlich 35 Prozent bekommen. Das reicht nicht. Deswegen ist die private Absicherung entscheidend. Ich sage meinen Klientinnen immer: Ihr müsst unabhängig sein vom Partner, vom Staat und von der gesetzlichen Rente. Denn die ist eher „nice to have“, aber nichts, worauf man sich ausschließlich stützen sollte.

Online-Vortrag am 11. März

Nadine Rajner ist am Donnerstag, 11. März, als Referentin zu hören. Auf Einladung der Nienburger Gleichstellungsbeauftragten Petra Bauer und der Koordinierungsstelle frau+wirtschaft hält sie anlässlich des Equal Pay Days einen Onlinevortrag zum Thema „Finanzielle Freiheit für Frauen“. Los geht es am 11. März um 9.15 Uhr.

Catrina Lohmeyer, Koordinierungsstelle frau+wirtschaft, und Petra Bauer wollen auf die Altersarmut von Frauen sowie auf das Thema Altersvorsorge aufmerksam machen. Nadine Rajner rundet das Programm ab: Sie will über Themen wie Vermögensaufbau, Schließung der Rentenlücke und Vorsorge für das Alter sprechen. „Dabei stehen bei ihr die Freude und Leichtigkeit im Umgang mit Geld im Vordergrund“, heißt es weiter.

Anmeldung & weitere Infos

www.frau-und-wirtschaft-ni.de Telefon 05021/9229195 www.moneyqueen.eu

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