27-jähriger Nienburger vor Landgericht

Drogen-Handel in 55 Fällen

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Symbolbild

Nienburg/Verden - Von Wiebke Bruns. Bayrische Zivilfahnder der Bundespolizei hatten im Oktober 2012 den richtigen Riecher, als sie in einem ICE in Höhe Würzburg einen heute 27 Jahre alten Nienburger kontrollierten. Im Gepäck hatte er knapp 3 000 Gramm Marihuana.

Der Student benannte in seinem Strafverfahren seinen Lieferanten. Dieser ebenfalls 27-Jährige aus Nienburg muss sich seit dieser Woche vor dem Landgericht Verden wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in 55 Fällen verantworten. Es soll sich jeweils um Mengen zwischen 500 und 2 500 Gramm gehandelt haben.

Die Staatsanwaltschaft Verden geht in der Anklageschrift von einem Tatzeitraum ab Juni 2010 bis zur Festnahme des Zeugen aus. Der Wirkstoffgehalt der Drogen habe bei mindestens 8,4 Prozent gelegen. Der Wert wird mit 162.500 Euro angegeben. Der Angeklagte ist jedoch nicht in Untersuchungshaft und weil Haftsachen immer Vorrang haben, zog sich das Strafverfahren in die Länge.

„Das Verfahren ist schlecht gelaufen“, bekannte der Vorsitzende Richter Marcus Tittel und versuchte gar nicht erst, den Angeklagten zu einer Aussage zu überreden. „Ich rate an, abzuwarten, ob der Kronzeuge kommen und was er aussagen wird“, empfahl er dem Angeklagten. Schließlich sei gegen den Zeugen noch ein Verfahren beim Schöffengericht Nienburg anhängig und somit bestehe ein Aussageverweigerungsrecht.

Wegen der bei der Zugfahrt sichergestellten Drogen wurde der Zeuge schon längst zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. „Die Bewährungszeit läuft schon bald ab“, so Tittel. Gleichzeitig gab er dem Angeklagten aber zu bedenken, dass sich sein Fingerabdruck an den Drogenpaketen aus der Zugfahrt befunden habe.

Der Angeklagte hüllt sich in Schweigen. Gesprächiger war, obwohl er sich selbst damit belastete, der „Kronzeuge“. Er wiederholte die in seinem eigenen Strafverfahren gemachten Angaben. Der Angeklagte sei damals sein Marihuana-Lieferant gewesen.

„Wir kennen uns seit der Schulzeit. Das mit den Drogengeschäften hat sich erst später entwickelt, da war ich dann schon selber am Kiffen“, so der Zeuge. Anfangs habe er bei dem Angeklagten nur kleine Mengen für den eigenen Konsum erworben. Dann habe er zunächst immer 50 Gramm, später zumeist 14-tägig 500 Gramm gekauft. Erst habe er damit seinen eigenen Konsum finanziert und dann ganz gut daran verdient. Eingekauft habe er das Gramm für 5,50 Euro und verkauft für 6,40 Euro.

Bei einer Durchsuchung seien 9 000 Euro in bar gefunden worden, hielt der Vorsitzende dem Zeugen vor. Der Student bestätigte, dass dieses Geld aus Drogengeschäften stammte. In Nienburg habe er auch ein paar Abnehmer gehabt, berichtet der Zeuge. Deren Namen wollte er aber nicht nennen. An dem Abend vor seiner Festnahme habe er bei dem Angeklagten 2 500 Gramm auf Kommission geholt, die er an einen Bekannten in Bayreuth verkaufen wollte. Die Polizei verhagelte ihnen aber das Geschäft.

Das Gericht hat für den Prozess sechs weitere Verhandlungstage bis zum 17. Juni vorgesehen.

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