„Drakenburger Heide“ arbeitet nahezu „ohne planbare Einnahmen“

Stadt Nienburg hat für das Tierheim Vorbild-Charakter

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Fund-Hund aus Glissen: Seit Ende Mai ist diese etwa acht Monate alte Hündin im Tierheim Drakenburg und in der Obhut von Kerstin Bock.

Drakenburg - Von Kurt Henschel. „Wir sind oft frustriert und könnten alles hinwerfen, aber wir sind nicht so gestrickt, dass wir Tiere im Stich lassen.“ Helke Romann, Vorsitzende des Vereins „Tierschutz Nienburg – Drakenburger Heide“, äußert sich hinsichtlich der finanziellen Ausstattung des Tierheims sowie der Arbeit für die Tiere weiterhin besorgt. Weiterhin, weil es nach wie vor kaum einzuplanende Einnahmen gebe. Allein die Stadt Nienburg dürfe diesbezüglich im gesamten Gebiet des Landkreises als Vorbild gelten, so Romann.

Die Stadt Nienburg vergütet die Tierheim-Arbeit in Drakenburg mit der Einwohner-Kopf-Pauschale – mit 39 Cent pro Stadtbewohner. „Das ist eine feste Größe, mit der wir planen können“, sagt Helke Romann. Sie bedauert, dass sich alle anderen Städte, Gemeinden und Samtgemeinden im Landkreis Nienburg dieser Praxis der planbaren Unterstützung der Tierschutz-Arbeit nicht anschließen.

„Außerhalb der Stadt Nienburg bekommen wir Geld nur dann, wenn wir ein Fund-Tier aufnehmen. Für einen Hund gibt es 200 Euro, für eine Katze 160“, erklärt die Vorsitzende. „Dabei mag es sich zwar auf den ersten Blick um viel Geld handeln, aber es bleibt abzüglich der Kosten für ein aufgenommenes Tier nichts übrig“, sagt Romann und erklärt: „Allein der Rechnungsbetrag für den Tierarzt liegt pro Tier bei weit mehr als 200 Euro.“

Das sei einer der Gründe dafür, dass bei jährlichen Tierarzt-Kosten von durchschnittlich rund 30000 Euro der Tierheim-Etat nicht zu decken sei. „Wir fahren pro Jahr ein Minus von etwa 35000 Euro ein“, was als „betrieblicher Verlust“ zu bezeichnen sei. „Bekämen wir nicht ab und zu eine Spende aus einer Erbschaft, dann wären die Lichter hier längst aus“, so die Vorsitzende, die von Beruf Ingenieurin der Elektrotechnik ist. Sie, ihre Mutter Silvana als Tierheim-Leiterin sowie ihr Bruder Carlheinz gehören neben Kerstin Bock (stellvertretende Tierheim-Leiterin), Evi Heidrich im Büro und einer Handvoll treuer Verbündeter, die sich intensiv mit den Tieren beschäftigen, zum Kern der Tierschutz-Truppe. Sie würde sich wünschen, dass alle Kommunen im Landkreis dem Nienburger Beispiel folgten. „Dann hätten wir eine berechenbare Summe, mit der wir kalkulieren können“, erklärt die Chefin des Vereins, die aktuell auch noch die Tatsache quält, dass einer der beiden Tierschutz-Transporter, mit denen sie im gesamten Landkreis unterwegs sind, „so gut wie Schrott“ ist.

„Irgendwie kriegen wir‘s hin“, sagt Romann, die in ihrem Tierheim derzeit hinsichtlich der Aufnahme-Kapazität bei etwas mehr als 50 Prozent liege. Eine Tier-Schwemme aus Anlass der bald beginnenden Ferien erwarte sie nicht. „Das Aussetzen von Tieren während der Ferien ist seltener geworden“, sagt sie, um gleich das aktuelle Problem „Import-Wahnsinn“ anzusprechen. Heißt: Immer mehr Länder würden eigens dafür „produzierte“ Hunde-Welpen an Touristen verkaufen, die sie mit nach Deutschland bringen und dann oftmals feststellten, dass sie sich nicht mit ihren bisherigen Haustieren vertragen. „Und wo landen dann viele dieser Hunde aus dem Ausland? Bei uns!“, so Romann über die „Geschäftemacherei auf Kosten der Tiere“.

Klagen äußert Helke Romann auch über „das Verdrängen und Verleugnen der Katzen-Problematik in vielen Kommunen“. Ein Verwaltungs-Chef hätte kürzlich gesagt, eine solche sei ihm in seinem Bereich nicht bekannt. „Wenig später hatten wir genau von dort 40 Katzen, die zu kastrieren waren“, verrät Romann.

Kaninchen, Hühner, Enten, Gänse, ein Wellensittich sowie ein Papagei leben auf dem Tierheim-Gelände, für Exoten wie Reptilien oder Greifvögel ist kein Platz. Romann: „Mit denen kennen wir uns nicht so aus. Die bringen wir entweder zur Wildtierhilfe Lüneburger Heide oder in die Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhagen, wo die Experten sind.“

Sie begegnet abschließend entschieden der nicht seltenen Meinung, dass Tierheim-Tiere, die nicht zu vermitteln seien, getötet würden: „Das ist nicht der Fall – sie bekommen bei uns selbstverständlich ihr Gnadenbrot.“

Hier noch eine Rechnung für „Einnahmen im günstigsten Fall“: Die Stadt Nienburg zahlt bei rund 32000 Einwohnern (Stand Ende 2012) pro Kopf 39 Cent an das Tierheim-Team in Drakenburg. Das macht 12480 Euro jährlich aus. Eine Summe, die die Tierschützer als eine der wenigen „planbaren Einnahmen“ verbuchen können. Angenommen, die Crew um die Vereins-Chefin Helke Romann bekäme für jeden Landkreis-Bewohner 39 Cent, dann wäre das bei rund 122000 Köpfen (Stand Ende 2011) die Summe von 47580 Euro. Abzüglich eines jährlichen betrieblichen Verlustes des Vereins „Tierschutz Nienburg – Drakenburger Heide“ in Höhe von durchschnittlich 35000 Euro blieben im günstigsten Fall 12580 Euro übrig – zu verwenden beispielsweise für die Anschaffung eines neues Transport-Fahrzeugs, für Handwerker oder eben zur Umsetzung der Dinge, die zur Erhaltung der Bauten auf dem Tierheim-Gelände erforderlich sind.

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