„dkholz“ in Nienburg: Begegnungsstätte und Werkstatt in einem

Kreativität schafft Familien

+
Gerd Kinderling (links) ist seit etwa fünf Jahren im Kreativzentrum. Aktuell arbeitet er an einer Schale. Reinhold Büdeker unterstützt die Tüftler, wenn sie Hilfe benötigen.

Nienburg - Von Vivian Krause. Erinnerungen an die Kindheit werden wach: Der Geruch von Linde und Harz steigt in die Nase, abgehobelte Holzspäne fliegen von der Werkbank und ohrenbetäubende Geräusche verschlucken die wenigen gesprochenen Wörter. Das Gefühl: Wie zurückversetzt in den Werkunterricht der Grundschulzeit – nur, dass die Kinder an diesem Tag sechs gestandene Männer sind. Sie hämmern, sägen, meißeln und feilen an individuellen Werken im Deutschen Kreativzentrum Holz.

Eine Werkstatt und eine Begegnungsstätte zugleich, eine Kombination aus dem Produkt und der Unterhaltung: Das Deutsche Kreativzentrum Holz („dkholz“). Dort treffen sich Interessierte jeden Alters, die Gefallen an der Schnitzkunst und der Arbeit mit Holz haben. Neben verschiedenen Seminaren, Wochenendangeboten und Schnupperkursen gibt es eine offene Werkstatt. Jedermann kann diese Nienburger Schnitzstube für fünf Euro pro Stunde nutzen.

Der Inhaber Reinhold Büdeker wusste schon immer, dass er mit Holz arbeiten wollte. Seine Träume waren eine Lehre zum Tischler und eine hochwertige Musikanlage. „Beides ist nicht eingetroffen“, grinst er. Stattdessen war Büdeker bis vor zwei Jahren Lehrer für Werken an der Realschule Nienburg. Bis vor zwei Jahren hieß das „dkholz“ auch noch Nienburger Schnitzstube – die nun nur noch als Teilstück besteht.

Dann kam der große Umschwung in Form von fünf Studentinnen aus Göttingen, die eine Menge Ratschläge im Gepäck hatten. Für ihre Semester-Arbeit testeten sie die Schnitzstube auf Herz und Nieren – mit Erfolg. Denn die erkannten Defizite können für Büdeker nur ein Schritt in die richtige Richtung sein – mangelnde Übersichtlichkeit, nicht ausreichend überregionale Kunden und fehlende Attraktivität.

Ein Umdenken begann und so wurde aus dem „romantischen Holzmichel“ ein zukunftsorientiertes Konzept mit dem Ziel, die Natur zu entdecken und zu erfahren – auch über die Grenzen des Kreativzentrums und Nienburgs hinaus. Und das Ganze mit dem Namen: Deutsches Kreativzentrum Holz.

„Wir waren uns nach 25 Jahren einig, dass dieses Konzept so keine Zukunftsfähigkeit hat“, so Büdeker. Im Jahr 2014 begann das Umdenken, 2015 sieht er als Aufbaujahr und im folgenden beginnen die Perspektivjahre. Heißt: Die Änderungen sollen auch auf das gesamte Grundstück, nicht nur auf das Innere, übertragen werden.

Und jene Änderungen sind schon jetzt zu erkennen: Die Werkstatt ist aufgeräumter, Vitrinen präsentieren filigrane Holzfiguren, ein Ruhebereich im abgeteilten Wintergarten entsteht. Auch ist ein neues Übernachtungsdomizil geplant: Die Villa am Wall.

Der Plan: Auf dem Hof des „dkholz“ soll eine Herberge mit sechs Doppelzimmern entstehen. Büdeker spricht von einem „Kurort auf dem Grundstück, klein und gemütlich.“

Und die Zukunft liegt nicht mehr nur im handwerklichen Bereich: Der Urlauber von heute guckt auch nach links und rechts. Der Urlauber möchte Gemütlichkeit und Bildung. Der Urlauber möchte Informationen und Erlebnisse, erklärt Büdeker. Das heißt also, das regionale Angebot unangetastet zu lassen, aber zusätzlich überregionale Besucher anzulocken.

Weitere Änderungen seien laut Büdeker Spezialkurse mit Fachleuten, die sich beispielsweise mit Gewinden oder besonderen Techniken rund ums Bildhauen und Schnitzen beschäftigen. Das seien Arbeitstechniken, „die wir so nicht eingeübt haben“. Frischer Wind von von außerhalb muss her.

Alleinstellungsmerkmale gibt es bereits: Das Kreativzentrum hat „eine der größten Sammlungen an Schnitz- und Holzliteratur“, mehr als 100 Bücher, so Büdeker. Darunter sogar ein eigenes Fachbuch mit dem Titel „1x1 kreativ Schnitzen“. Und die Werkstatt hat 365 Tage im Jahr geöffnet.

„Ich will keine Großveranstaltungen, sondern ein menschliches Miteinander“, beteuert der Inhaber. Die Arbeit mit Holz sei auch eine Art therapeutisches Vorgehen. Der Mensch wird entschleunigt, sieht ein Endprodukt und wird von anderen um ihn herum gelobt. Der soziale Aspekt stehe vor dem ökologischen. Die Teilnehmer sollen sich wie eine Familie fühlen, daher unterstreicht Büdeker auch die Vielfalt einer Gruppe. Alter, Geschlecht, Geschick – all das würde durch viele unterschiedliche Charaktere angereichert. Dabei seien Frauen kreativer, Männer zunächst stolz, überhaupt etwas geschaffen zu haben. Jäger und Sammler werden im Kreativzentrum zum Macher und Denker.

Weitere Infos online.

www.dkholz.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Jahrestag des Münchner Amoklaufs: "Ins Mark getroffen"

Jahrestag des Münchner Amoklaufs: "Ins Mark getroffen"

Eskalation: Palästinenser brechen Kontakt zu Israel ab

Eskalation: Palästinenser brechen Kontakt zu Israel ab

Bilder: Deutsche Frauen holen Sieg gegen Italien

Bilder: Deutsche Frauen holen Sieg gegen Italien

DFB-Frauen auf Kurs EM-Viertelfinale: 2:1 gegen Italien

DFB-Frauen auf Kurs EM-Viertelfinale: 2:1 gegen Italien

Meistgelesene Artikel

Familie Willen begrüßt 1000 Besucher bei Hoffest

Familie Willen begrüßt 1000 Besucher bei Hoffest

Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr

Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr

Pkw ohne Versicherungsschutz gefahren

Pkw ohne Versicherungsschutz gefahren

Arbeitskreis „Bürger gestalten Hoya“ strotzt vor Ideen

Arbeitskreis „Bürger gestalten Hoya“ strotzt vor Ideen

Kommentare