Nienburg als möglicher Endlager-Standort

Noch ist nichts entschieden

74 Prozent der Fläche des Landkreises bieten vermutlich günstige Bedingungen für die Lagerung von radioaktivem Abfall. Tongestein ist grün markiert, Steinsalz (flache Lagerung) blau und Steinsalz mit steiler Lagerung gelb. Karte: Bundesamt für Kartografie
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74 Prozent der Fläche des Landkreises bieten vermutlich günstige Bedingungen für die Lagerung von radioaktivem Abfall. Tongestein ist grün markiert, Steinsalz (flache Lagerung) blau und Steinsalz mit steiler Lagerung gelb.

Landkreis – Werden im Landkreis Nienburg künftig radioaktive Abfälle gelagert? Das könnte sein. Zumindest kommt das Kreisgebiet als Endlagerstätte in Frage, hat das Land Niedersachsen entschieden und den Bereich bereits vor geraumer Zeit als Teilgebiet ausgewiesen. Das heißt, dass Experten davon ausgehen, dass es günstige geologische Voraussetzungen für die sichere Endlagerung hochradioaktiver Abfälle bietet. Michael Duensing, Sprecher des Landkreises, erläutert den Stand der Dinge, und was sie für die Bürger bedeuten.

Der Kreis ist als Teilgebiet ausgewiesen worden. Welche Flächen sind betroffen?

Michael Duensing: Der Landkreis wird von sechs Teilgebieten überlagert, insgesamt finden sich diese unter 74 Prozent der Landkreisfläche. Dominant sind dabei vier Teilgebiete im Tongestein, die gemeinsam mehr als zwei Drittel der Kreisfläche abdecken. Die Überschneidung mit zwei Teilgebieten im Steinsalz ist deutlich kleinflächiger. Eines dieser Teilgebiete liegt im Süden, das andere, der Salzstock Eitzendorf, im Norden.

Die obige Grafik zeigt viel tonhaltigen Boden im ausgewiesenen Bereich. Weshalb ist Ton günstig?

Alle drei im Standortauswahlgesetz festgeschriebenen potenziellen Wirtsgesteine weisen nach aktuellem Stand der Forschung Eigenschaften auf, die für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle günstig sein können. Tongestein ist beispielsweise relativ undurchlässig für Flüssigkeiten und Gase, und kann radioaktive Teilchen an seiner Oberfläche binden und so deren Ausbreitung verringern. Keines der drei Wirtsgesteine ist jedoch per se besser für die Endlagerung geeignet, da alle auch herausfordernde Charakteristiken aufweisen – Tongestein kann beispielsweise Hitze nicht gut ableiten. In welchem Gestein sich letztendlich der bestmögliche Endlagerstandort befindet, wird stark von den konkreten geologischen Voraussetzungen vor Ort und den geotechnischen Möglichkeiten zum Ausgleich von weniger günstigen Eigenschaften abhängen.

Wenn die Teilgebiete untersucht worden sind, soll die Suche verfeinert werden. Welche Faktoren spielen da eine Rolle?

In allen Phasen des Standortauswahlverfahrens spielt der Sicherheitsaspekt eines künftigen Endlagerstandorts die übergeordnete Rolle. Im nächsten Verfahrensschritt folgen in jedem der 90 Teilgebiete sogenannte „repräsentative vorläufige Sicherheitsuntersuchungen“. Dabei wird nicht nur die Geologie innerhalb der Teilgebiete genauer untersucht, sondern es werden auch erste Überlegungen zu möglichen Endlagerkonzepten berücksichtigt. Basierend auf diesen Erkenntnissen wird dann erneut geowissenschaftlich abgewogen und die Teilgebiete werden weiter eingegrenzt. Neu ist in diesem Verfahrensschritt zur Auswahl der Standortregionen auch die mögliche Anwendung von planungswissenschaftlichen Abwägungskriterien, wie Abstände zu bebauten Flächen oder die Lage in Naturschutzgebieten.

Die Nienburger sollen sich in das Verfahren einbringen können. Wie muss man sich das vorstellen? Haben die Bürger ein Veto-Recht?

Das Auswahlverfahren soll nach Standortauswahlgesetz transparent und partizipativ sein. Transparenz ermöglicht der Landkreis zusammen mit den anderen Kreisen der Regionalen Entwicklungskooperation (REK) Weserbergland Plus durch die Veröffentlichung eines Berichts, der die Ergebnisse des Zwischenberichts Teilgebiete für die Region zusammenfasst und darstellt. Dieser Bericht wird in Kürze zum Download bereitgestellt. Sollte der Landkreis Nienburg nach Eingrenzung der Teilgebiete in einer ausgewiesenen Standortregion liegen, so würde eine sogenannte Regionalkonferenz eingerichtet werden, an deren Vollversammlung alle Personen teilnehmen können, die in einer Standortregion gemeldet und mindestens 16 Jahre alt sind. Ob der Landkreis in einer solchen Standortregion liegen wird, ist derzeit völlig offen.

Wer entscheidet am Ende?

Die Entscheidung über einen Endlagerstandort treffen am Ende des Verfahrens die gewählten parlamentarischen Volksvertreter im Bundestag und Bundesrat per Gesetz. Kein Bundesland oder Landkreis hat im Verlauf des Verfahrens ein Veto-Recht. Ziel des Verfahrens ist es, den Standort mit der bestmöglichen Sicherheit in ganz Deutschland zu finden.

Weitere Informationen

BASE: www.endlagersuche-infoplattform.de
Detailliertes Kartenmaterial soll laut Verwaltung in Kürze auf der Webseite der REK Weserbergland Plus abrufbar sein: www.rek-weserbergland-plus.de

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