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Der Forstwirtschaft fehlt es an Nachwuchs

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Von: Katrin Köster

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Im Nienburger Forstamt arbeiten derzeit 60 Beschäftigte. Wenn es nach der IG Bauen-Agrar-Umwelt geht, sollten es schon jetzt deutlich mehr sein.
Im Nienburger Forstamt arbeiten derzeit 60 Beschäftigte. Wenn es nach der IG Bauen-Agrar-Umwelt geht, sollten es schon jetzt deutlich mehr sein. © IG Bau

Der Forstwirtschaft in Niedersachsen fehlt es an Nachwuchs. Im Forstamt Nienburg kann das ein Problem werden, da bald viele Pensionierungen anstehen.

Landkreis – Die Forstgewerkschaft im Land ist alarmiert: Zu wenig qualifiziertes Personal für zu viele Aufgaben, heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Mitteilung. Wie ist die Lage in Landkreis Nienburg? Während die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) Niedersachsen-Mitte auch für Nienburg einen Mangel sieht, schätzt das Nienburger Forstamt die Situation vor Ort weniger dramatisch ein – zumindest für den Moment. Einig sind sich beide Seiten darin, dass in den nächsten Jahren qualifizierter Nachwuchs fehlen wird.

Branchenumfrage der IG Bau zeigt deutliche Tendenz zu hoher psychischer Belastung

Die IG Bau beruft sich auf eine Umfrage der Forstgewerkschaft unter bundesweit 1300 Beschäftigten der Branche. Demnach hätten fast neun von zehn Befragten angegeben, dass es im Betrieb nicht genügend Mitarbeiter gebe, um die anfallende Arbeit zu schaffen. 70 Prozent hätten berichtet, durch die Arbeit „emotional ausgelaugt“ zu sein. „Hinzu kommt, dass ein großer Teil der Beschäftigten in den nächsten Jahren aus dem Berufsleben ausscheidet, ohne dass ausreichend Nachwuchskräfte in Sicht sind“, ergänzt die IG Bau-Bezirksvorsitzende Stephanie Wlodarski.

„Im Forstamt Nienburg gibt es derzeit keinen Personalmangel“, erklärt hingegen dessen Sprecherin Wibeke Schmidt auf Nachfrage. Sie spricht von einer „guten Personaldecke“. Im Nienburger Forstamt seien aktuell 60 Mitarbeiter beschäftigt – „vom Azubi bis zum Forstamtsleiter“, so Schmidt. Davon sind 16 Forstwirte im Maschinenstützpunkt tätig und weitere 16 Personen in teilautonomen Arbeitsgruppen. Allerdings: „Wir werden in den nächsten Jahren dringend gut ausgebildetes Personal brauchen. Es stehen einige Pensionierungen an, diese Lücken müssen gefüllt werden“, so Schmidt weiter.

Die IG Bau schätzt, dass „bundesweit 11000 Forstbeschäftigte zusätzlich nötig“ sind, um die aktuellen Aufgaben zu bewältigen. Das entspräche einer Erhöhung des aktuellen Personalschlüssels um einen Beschäftigten pro 1000 Hektar Wald.

Viele Beschäftige aus Nienburg werden aktuell zur Unterstützung im Harz eingesetzt

Weshalb wird so viel Personal benötigt? Frank Duensing ist Branchensekretär der IGBau und beobachtet die Entwicklung im Raum Nienburg bereits seit geraumer Zeit. Eines der grundlegenden Probleme seien die nach dem Zweiten Weltkrieg angelegten Fichtenwälder, zum schnellen Wiederaufforsten der zerstörten Flächen. „Diese Monokulturen kommen aber mit dem jetzigen Klima nicht klar“, erläutert Duensing. Unwetter, Stürme und Trockenheit führen Duensing zufolge zu erheblich mehr Arbeit für das Personal in der Forstwirtschaft. „Nicht nur das Beseitigen der Schäden, sondern auch der Umbau der Monokulturen erfordert Fachpersonal, die Forstwirte“, so der Branchensekretär. „Das größte Problem ist aber die Tatsache, dass landesweit etwa 30 bis 40 Prozent der Fachkräfte im Laufe der nächsten zehn Jahre in den Ruhestand gehen werden“, betont er.

Mit Blick auf den Nienburger Raum sieht er dort eine besondere Situation: „Die Leute sind mit den Forstmaschinen in ganz Niedersachsen unterwegs, sie werden überregional eingesetzt.“ Wibeke Schmidt bestätigt das, derzeit sind mehrere Beschäftigte in Solling im Harz, um die dortigen Forstleute zu unterstützen.

Diese bisweilen weit entfernten Einsatzorte können zu einer Belastung werden: „Einige Beschäftigte haben uns gesagt, dass sie belastet und ausgepowert sind“, berichtet Frank Duensing mit Blick auf die landesweite Befragung und eine Regionalkonferenz der Branche in 2021. Duensing und Wlodarski bemängeln, dass landesweit zu wenig Fachpersonal eingestellt werde. „Es gibt in den Forstämtern zwar eine relativ hohe Kopfzahl, aber zu wenig voll einsatzfähige Beschäftigte“, sagt Duensing. Zahlreiche Beschäftigte seien aufgrund von Krankheit nur teilweise einsatzfähig.

„Vom Forstwirt bis zur Revierleiterin – die Beschäftigten haben in Niedersachsen alle Hände voll zu tun, um die massiven Schäden der letzten Jahre zu beseitigen. Gleichzeitig kümmern sie sich darum, die Wälder der Zukunft anzulegen, damit sie für den Klimawandel gewappnet sind“, sagt Stephanie Wlodarski.

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