Ausstellung ab Sonntag in der Nienburger Galerie N

An Demenz Erkrankte zeigen ihr künstlerisches Können

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Drei der Ausstellungsstücke – präsentiert von (v.l.) Gunhild Sievers, Kirsten Pfeiffer und Marlies Wienert.

Nienburg - Von Kurt Henschel. „Kultur und Demenz – geht das?“ Diese Frage habe sich laut Bea Garding-Schubert vom Künstler-Team der Galerie N in Nienburg gestellt, als Marlies Wienert als Vorsitzende der Alzheimer-Gesellschaft Nienburg angefragt hatte, ob es zu einer Kombination kommen könne. „Es geht“, so die Galerie-Sprecherin über ein Projekt, das nun zur ersten Ausstellung von Werken an Demenz erkrankter Menschen führt.

Am Sonntag, 29. Mai, ist es soweit. Um 11 Uhr beginnt die Vernissage in der Heimat der Künstler der Galerie N an der Leinstraße 6 in Nienburg – mit Musik von Dr. Burkhard Luber und im Beisein auch von Gunhild Sievers (Haßbergen). Sie ist Kunst- und Religionspädagogin sowie Bildende Künstlerin und diejenige, die im Rahmen eines Kreativ-Projekts der Alzheimer-Gesellschaft die demenziell Erkrankten angeleitet und inspiriert hat, mehr als 300 Bilder zu erschaffen.

Im dritten Jahr läuft das in den beiden ersten Jahren von der Bürgerstiftung, der Sparkasse und der Volksbank geförderte Projekt, berichtet Marlies Wienert. Dabei trafen sich die an Demenz Erkrankten etwa alle zwei Wochen für zwei Stunden, um miteinander krativ zu sein. „Wir haben dabei aber nicht nur gemalt, sondern auch gesungen, getanzt und musiziert“, so Gunhild Sievers. Überhaupt seien für sie Lieder „die Eingangstür“ zu den dementen Menschen gewesen und hätten es ihr erleichtert, Zugang zu ihnen zu finden.

Sie habe sich langsam angenähert, Entspannung erzeugt und dann für eine „Reise in ein unbekanntes Land“ ein Thema vorgeschlagen, dem sich dann etwa zehn Demenzkranke pro Nachmittag in freier Gestaltung widmeten. „Dabei hat es fantastische Ergebnisse gegeben, die vorher nicht zu erahnen gewesen waren“, wie Gunhild Sievers berichtet.

„Demenzkranke sollen nicht am Rand stehen"

Während der Treffen seien die Teilnehmenden „im Jetzt – nicht irgendwo“, so Sievers. Sie seien glücklich, was im Anschluss an die Nachmittage noch etwa zwei Stunden lang angehalten habe, wie es ihr Angehörige mitgeteilt hätten. Und die Beteiligten würden sich beim Wiedersehen freuen, obwohl sie sich rational nicht erinnerten, aber „gefühlsmäßige Erinnerungen haben“. Eine Teilnehmerin, so Marlies Wienert, habe einmal gesagt: „Wie ist das hier so schön – und gleich bin ich wieder so verloren.“

Genau das sollen sie nicht sein, so Wienert: „Demenzkranke sollen nicht am Rand stehen. Wir wollen Aufklärung über diese Erkrankung und erreichen, dass sich die Betroffenen trauen, überall hinzugehen, sich nicht abzugrenzen, sondern dabei zu sein.“

Tun als Therapie – das ist die Intention des Projekts, bei dem sogar bis zu vier Personen an einem Bild („Karneval in Rio“) arbeiteten und mit ihren Motiven auch einen Blick in ihre Seelen erlaubten, wie Gunhild Sievers erklärt. Darüber hinaus habe sich ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt, das über die Farben auch das Emotionale geweckt habe.

Die Ausstellung, zu der am 1. Juni, 19 Uhr, auch ein Theaterstück („Im Gehäuse“) mit Andreas Bentrup gehört, ist bis zum 25. Juni an den Wochenenden in der Galerie N zu sehen.

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