Christian Lohmeyer völlig frustriert / Mitte Juni endet „Ehrenamt“

Wolfsberater wirft Minister seinen Job vor die Füße

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Noch ist er einer von zwei ehrenamtlichen Wolfsberatern im Landkreis Nienburg, Mitte Juni ist damit aber Schluss: Christian Lohmeyer aus Stendern – hier mit einem Teil seiner Schafe – ist frustriert und wirft deshalb hin.

Stendern/Nienburg - Von Kurt Henschel. 142 ehrenamtliche Wolfsberater hat das Land Niedersachsen – ab Mitte Juni zumindest einen weniger: Christian Lohmeyer aus Stendern hat für sich beschlossen, Umweltminister Stefan Wenzel seinen Job vor die Füße zu werfen. Der 37-jährige Landwirt und Familienvater ist völlig frustriert und nennt unverhohlen die Gründe für seinen Rückzug.

„Ich habe dem Ministerium bereits vor einem Monat mitgeteilt, warum ich als Wolfsberater aussteige“, so der 37-Jährige. „Die müssen ja Zeit haben, um für mich einen Nachfolger zu finden“, fügt er hinzu. Ob das gelinge beziehungsweise wer das sein könne, wisse Lohmeyer nicht.

Das „Ehrenamt selber“, dann „der rechtliche Umgang mit dem Wolf“ sowie „die öffentliche Diskussion“ seien kurz zusammengefasst ausschlaggebend für seine Entscheidung, nach nur rund acht Monaten das Handtuch zu werfen. Doch Lohmeyer geht ins Detail.

Zum Ehrenamt Wolfsberater erklärt er: „Es gibt keine Erstattung meiner Kosten für Telefon, Internet und Fahrten mit meinem Auto, ich bin nicht versichert, stehe medial und in verschiedenen Foren persönlich am Pranger. Das birgt auch rechtlich ein enormes Risiko, das ich mir und meiner Familie nicht mehr antun will“, so Lohmeyer, der angibt, seit Beginn seiner Tätigkeit als Wolfsberater im November vergangenen Jahres „etwa 500 Euro aus eigener Tasche draufgelegt“ zu haben.

Den „rechtlichen Umgang mit dem Wolf“ bezeichnet Lohmeyer als „Katastrophe“. „Es herrscht völlige Unsicherheit, es gibt keine Weisung, wie mit Wölfen umzugehen sei, die sich am Tage dem Menschen nähern“, so Lohmeyer, der neben Hubert Wichmann aus Linsburg einer von zwei Wolfsberatern für den Bereich des Landkreises Nienburg ist. Es habe unlängst ein Gespräch mit Polizei, Veterinäramt sowie anderen Akteuren gegeben – „aber eben keine klaren Aussagen“, so der Landwirt.

„Was passiert, wenn ein Wolf angefahren wird und noch lebt?“, „Was sage ich einem Waldkindergarten auf die Frage, ob die Erzieherinnen mit den Kindern im Wald spielen dürfen?“, „Was rate ich Hundehaltern, wenn sie mit ihrem Hund einem Wolf begegnen?“. Das seien Fragen, auf die es keine Antworten gibt. „Und auch keine Lösung“, schiebt Lohmeyer nach. Außerdem: Alle bisherigen „Schulungen“ der Wolfsberater hätten „keine Antworten gebracht“.

In der öffentlichen Diskussion „scheint jeder ein Wolfsberater zu sein“, so die Einschätzung Lohmeyers. Es gebe in den sozialen Netzwerken „massive persönliche Angriffe auf ihn als Wolfsberater, ohne dass auch nur einer von denen das Gespräch mit mir gesucht hat“, bedauert der 37-Jährige.

Auch das „Bild vom Wolf“ stimme laut Lohmeyer nicht mehr: Habe es anfangs noch geheißen, „der Wolf meidet den Menschen“, so treffe das auf die Beobachtungen im Landkreis Nienburg nicht zu. Der Wolf sei „ein Kulturfolger, der den Nutzen am Menschen maximiert“. „Wäre der Wolf so, wie ihn die Wolfs-Befürworter sehen, hätten wir keine Probleme.“

Das Thema Wolf habe eine „zu hohe Emotionalität“, beklagt Lohmeyer und setzt seinen Kritik-Reigen fort. Adressat: der Naturschutzbund (Nabu). „Der Wolf eignet sich nicht zum Spendensammeln. Statt Wolfs-Patenschaften sollte der Nabu lieber Zaun-Patenschaften initiieren, um den Nutztierhaltern zu helfen“, sagt Lohmeyer.

Er sieht viele Widersprüche und weist auf einen übertriebenen Schutzstatus des Wolfes hin, „der zu staatlich verordneter Tierquälerei führt, wenn bei angefahrenen Wölfen der Artenschutz wichtiger sei als das Leid des Tieres“. Er sei „froh und glücklich, dass im Landkreis Nienburg noch nichts Schlimmes passiert“ sei, dennoch ärgere ihn das Verhalten des Umweltministeriums: „Muss das Kind erst in den Brunnen fallen, ehe jemand handelt? Wir warten im Grunde doch alle auf den ersten nachweisbaren aggressiven Angriff eines Wolfes auf einen Menschen“, so Lohmeyer, der überzeugt ist: „Vorher reagiert das Ministerium vermutlich nicht.“

Er selbst habe seinen Job als ehrenamtlicher Wolfsberater immer so verstanden, die Akzeptanz des Wolfes in der Bevölkerung zu fördern. „Das kann aber ohne Entscheidungen und nur mit Floskeln nicht gelingen.“ Lohmeyers Fazit: „Es ist absolut nichts geregelt.“ Und: „Dringend notwendige Entscheidungen der politisch Verantwortlichen werden nicht getroffen und auch der Landkreis Nienburg benötigt dringend klare Handlungsweisungen aus dem Ministerium.“

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