Chefredakteure diskutierten mit Gästen in der VHS Nienburg

Zukunft der Medien: Spannend – aber ungewiss

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Das Podium im Forum der Volkshochschule Nienburg (v.l): Egon Garding (Radio Mittelweser), Moderator Hartmut Heß sowie die Chefredakteure Hans Willms (Mediengruppe Kreiszeitung) und Martina Thielking-Rumpeltin (Die Harke) diskutierten mit den Gästen über die Entwicklung der Medien.

Nienburg - Von Julia Kreykenbohm. Gehört die Tageszeitung einer vom Aussterben bedrohten Art an? Ausgerottet vom Internet, das ihr seine Nahrungsquelle – Nachrichten und Informationen – erbarmungslos wegschnappt, weil es einfach schneller ist? Sitzen Chefredakteure deswegen nur noch in abgedunkelten Büros und sehen voller Angst der Zukunft entgegen?

Keineswegs, so versicherten Chefredakteurin Martina Thielking-Rumpeltin (Die Harke), Chefredakteur Hans Willms (Mediengruppe Kreiszeitung) und Egon Garding (Radio Mittelweser) während einer Diskussionsrunde im Forum der Volkshochschule Nienburg am Mittwochabend, bei der es um die Zukunft der Medien ging.

Zwar sei es ein Fakt, dass die Auflage aller Zeitungen in ganz Deutschland sinke, doch gleichzeitig „ist unsere Reichweite durch das Internet dramatisch gestiegen“, wie Willms erklärte. „Wir können unsere Nachrichten viel mehr Menschen zur Verfügung stellen – was unser Anspruch ist. Von daher können wir mit der Entwicklung zufrieden sein.“ Thielking-Rumpeltin ergänzte, dass man mit dem Internet außerdem junge Menschen erreiche, die keine Zeitung lesen. „Zudem lassen sich Nachrichten im Netz meist spannender aufbereiten als auf Papier“, so Willms.

Das Internet sei also keine Bedrohung für die Zeitung, sondern lediglich ein neuer Weg, der allerdings ein Problem aufwirft, das nun gelöst werden muss: Wie verdient man damit Geld? Oder besser gesagt, so viel Geld, dass es Gewinn abwirft? Man habe sich zum Beispiel vom E-Paper mehr versprochen, sagte Willms. „Aber das fluppt bei keiner Zeitung so wie gedacht.“

Von einigen der rund 20 Gäste, die lebhaft mit den Journalisten diskutierten, wurde der „Blendle“-Dienst angesprochen, bei dem einzelne Artikel gekauft werden – und bei Nichtgefallen auch zurückgegeben werden können. „Ich halte nichts davon“, sagte Willms entschieden. „Das ist, als würde man ein Kotelett kaufen, verzehren und dann sein Geld zurückverlangen, weil es einem nicht geschmeckt hat.“

Das Geschäftsmodell, einzelne Artikel kaufen zu können, hießen er und auch Thielking-Rumpeltin grundsätzlich jedoch gut. „Wenn man allerdings nur noch das liest, was man sich auswählt, wird man auch nicht mehr von Themen überrascht“, sinnierte Willms. „Das ist doch schon irgendwie schade.“

Das große Pfund der Lokalzeitungen seien die Geschichten über die Themen direkt vor Ort. „Wir berichten über unsere Leute exklusiv“, sagte Thielking-Rumpeltin. „Noch“, warf Willms ein und wies auf die Verbreitung von Nachrichten im sozialen Netzwerk „Facebook“ hin, die besonders in bestimmten Gruppen sehr gut sei. Redakteure müssten seiner Meinung nach einen guten Kontakt zu diesen pflegen, um stets auf dem Laufenden zu bleiben. Allerdings bringe der Druck, immer so schnell wie möglich auf Ereignisse reagieren zu müssen, die Journalisten auch in einen Zwiespalt, denn „bei allem Wunsch nach Aktualiät, darf die Sorgfalt nicht vernachlässigt werden“, so Willms.

Zeitweise drohte die Diskussion aber auch, sich auf Nebenkriegsschauplätzen zu verlieren, als die Zuhörer wissen wollten, warum beispielsweise Leserbriefe zu spät abgedruckt würden, warum Redakteure Pressemitteilungen von Vereinen verwenden, anstatt selbst hinzugehen und wieso es so zahlreiche Rechtschreibfehler in der Zeitung gebe.

Die Journalisten antworteten geduldig, gaben Einblick in den Redaktionsalltag und dankten auch für die kritischen Rückmeldungen, was bei einigen Gästen positiv aufgenommen wurde. „Verstehen Sie das als Herzausschütten gegenüber eines Mediums, mit dem man von Kindesbeinen an verbunden ist“, sagte eine Frau.

Was die Zukunft für die Zeitung genau bringen wird, konnte keiner der drei Redakteure am Ende genau beantworten. „Es bleibt spannend“, meinte Martina Thielking-Rumpeltin. „Doch dass die Zeitung nach wie vor einen gewissen Stellenwert hat, zeigt diese Veranstaltung und dafür möchte ich mich bei Ihnen bedanken“, so Hans Willms‘ Abschlusswort an die Zuhörer.

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