Bürger klagen über das Ausbringen von Gülle / Bußgeld-Bescheid für Landwirt

Hoyaer lassen nicht locker und schreiben dem Minister

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Was hier rauskommt, stinkt. Und die im Sommer in Hoya ausgebrachten Gärreste stanken besonders stark, deutlich stärker als Schweinegülle.

Hoya - Von Kurt Henschel und Michael Wendt. Die Bewohner der Johann-Beckmann-Straße in Hoya sowie weitere Einwohner lassen nicht locker: Sie haben einen Brief verfasst, der mit zahlreichen Unterschriften dem niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) zugehen soll. Ausgangspunkt und Grund für Aufregung war das Aufbringen von Gülle und Gärresten im Sommer auf ein an die Häuser grenzendes Maisfeld gewesen (wir berichteten). Der Landwirt hat deswegen mittlerweile einen Bußgeld-Bescheid erhalten.

Die Verfasser des vierseitigen Briefs – drei der betroffenen Familien – erklären dem Minister den Sachverhalt: Das Ausbringen von Gülle und Gärresten an einem 28 Grad heißen Tag habe neben der Geruchsbelästigung auch andere Beeinträchtigungen ausgelöst. Die Liste der körperlichen und seelischen Beeinträchtigungen mehrerer Anwohner ist lang: Übelkeit, Brechreiz, Erbrechen, Kopfschmerzen, Kopfdruck und Schwindel, Reizungen der Atemwege, Atemnot, Angstzustände (bei einer Asthmatikerin), Durchfall (auch bei zwei Hunden) sowie Verzweiflung darüber, es im Haus und auch „an der frischen Luft“ nicht aushalten zu können. Sie hätten mehrere Wochen lang weder im Garten sitzen, Wäsche aufhängen noch die Kinder im Freien spielen lassen können.

Die Verfasser des Briefs teilen dem Minister mit, dass sie „vom Lande“ seien und kein Problem mit sach- und fachgerechter Ausbringung von Gülle hätten. In diesem Fall sei aber das Maß des Erträglichen deutlich überschritten worden.

Die Brief-Verfasser bringen ihre Freude darüber zum Ausdruck, dass Minister Meyer eine Verschärfung der Gülleverordnung des Bunds begrüßt. Denn es könne nicht sein, „dass überall im rechtlichen Bereich das Verursacherprinzip herrscht, nur hier nicht“. Sie spielen damit an auf Trinkwasser-Grenzwerte. Die seien in Hoya längst erreicht, was dazu führe, dass die Samtgemeinde in eine teure Filteranlage investieren will. Die Crux: „Nicht aber die Landwirte, denen wir den Boden anvertraut haben, werden diese Anlage zahlen, sondern wir, die Nutzer.“

Dazu anzumerken ist, dass es, anders als im Schreiben behauptet, im Bereich der Hoyaer Trinkwasserbrunnen keine Nitrat-Belastung gibt, wie sie mittlerweile in vielen Regionen der Bundesrepublik durch verstärkte Gülle-Düngung zu beobachten ist. Die Filteranlage soll vielmehr Rückstände von Pflanzenschutzmitteln aus dem Wasser entfernen.

Die Autoren des Schreibens fordern „eine Agrarwende, die zurückführt zum respekt- und verantwortungsvollen Umgang mit den Tieren, dem Grundwasser und dem Boden, der uns alle nährt“. Sie bitten den Minister „inständig, nicht abzulassen von einer zukunftsorientierten Landwirtschaftspolitik, die mehr als nur das Jetzt im Blick hat, sondern sich auch an dem orientiert, was wir in 20 Jahren in Grundwasserproben nicht finden wollen – und welche Äcker wir dann noch bestellen können“.

Der Landwirt aus Goldenstedt bei Vechta, der das Feld gepachtet und die Gärreste ausgebracht hat, entschuldigte sich im September im Stadtrat öffentlich bei den Bewohnern der Johann-Beckmann-Straße. Auch wenn er nicht rechtswidrig gehandelt habe, könne er die Beschwerden der Anwohner verstehen, sagte er und versprach, in Zukunft anders zu düngen.

Der Prüfdienst der Landwirtschaftskammer (LWK) sah im Ausbringen der Gärreste aus einer Biogasanlage keinen Verstoß gegen die Dünge-Verordnung. „Wir halten das nicht für richtig, haben aber keine Sanktionsmöglichkeiten“, sagte LWK-Kontaktmanager Jelko Djuren gegenüber dieser Zeitung.

Ganz rechtmäßig hat der Landwirt dann aber doch nicht gehandelt. Denn die ausgebrachten Gärreste gelten als Abfall, und der Landkreis hat einen Verstoß gegen die Bioabfall-Verordnung festgestellt, teilte Stadtdirektor Detlef Meyer in einer weiteren Stadtratssitzung mit. Torsten Rötschke, Pressesprecher des Landkreises, bestätigte dies gestern auf Nachfrage: Der Landwirt habe vor einiger Zeit Klärschlamm auf dem Feld ausgebracht und danach nicht die vorgeschriebene Ruhefrist von drei Jahren bis zur Ausbringung des nächsten Bioabfalls eingehalten. Ihm sei deshalb ein Bußgeld-Bescheid zugegangen. Die Höhe des Bußgelds verriet Rötschke nicht.

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