Brutaler Angriff auf Rentner-Ehepaar in Nienburg/75-Jähriger überwältigte mit Revolver bewaffneten Täter

Opfer von Überfall beweist gutes Gedächtnis

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Ein mutmaßlicher Räuber muss sich vor dem Landgericht Verden verantworten.

Verden/Nienburg - Damit hatten die beiden Räuber bei ihrem Überfall im Januar 2013 in Leeseringen (Samtgemeinde Mittelweser) sicher nicht gerechnet. Das überfallene Rentnerpaar, ein 75-Jähriger und eine 72-Jährige, widersetzte sich den Tätern und schlug sie in die Flucht. Einer der mutmaßlichen Täter muss sich seit gestern wegen dieses versuchten und eines weiteren vollendeten schweren Raubes vor dem Landgericht Verden verantworten. Der 37 Jahre alte Angeklagte aus Nienburg schweigt zu den Vorwürfen.

Dafür äußerten sich die beiden Rentner sehr detailliert. Die Schilderungen des 75-jährigen Zeugen zum Tatablauf waren beeindruckend. Kurz nachdem seine Frau frühmorgens draußen Schnee gefegt hatte, habe es gegen 7 Uhr an der Haustür geklingelt. Als die heute 72-Jährige die Tür öffnete, sei diese von einem Täter weit aufgedrückt worden. Seine Frau sei gestürzt und habe, was vielleicht deren Glück war, vor der geöffneten Tür gelegen und immer um Hilfe gerufen. Die Täter mussten der Schilderung zufolge befürchten, dass Zeugen darauf aufmerksam werden könnten.

Während er mit dem zuerst ins Haus gestürmten Täter auf dem Flur gerangelt habe (dabei soll es sich um den unverheirateten Angeklagten handeln) habe er zu seiner Frau gesehen, berichtete der 75-Jährige. „Sie lag auf der Erde und der zweite Täter hatte eine Stange in der Hand“, so der Zeuge. Laut Anklageschrift war es ein „metallener Schlagstock“.

„Wenn er meiner Frau etwas getan hätte, dann hätte ich den Täter, mit dem ich gerangelt habe, die Kellertreppe runtergeschubst“, so der Rentner. Ob er glaubt, dass er dies geschafft hätte, wollte der Vorsitzende Richter Jürgen Seifert wissen. Schließlich soll der Täter deutlich größer gewesen sein. Der Zeuge erklärte daraufhin, dass er früher Soldat bei der britischen Armee gewesen sei.

Dass der vermummte Täter (es soll der Angeklagte gewesen sein, einen Revolver in der Hand hielt) habe ihn von seiner Gegenwehr nicht abgehalten. „Als ich ihn geschlagen habe, dachte ich aber, gleich habe ich eine Kugel im Bauch“, so der 75-Jährige. Zwischendrin sei der Revolver auf den Boden gefallen. Dann habe der Räuber signalisiert, dass er aufgebe.

Der andere Täter sei als erstes geflüchtet und der mutmaßliche Angeklagte mit dem Revolver hinterher. Was so locker, fast schon unterhaltsam klingt, bezeichnete der Zeuge selbst als Albtraum. Später wurde seine Frau noch als Zeugin gehört.

Zu spontaner Gegenwehr blieb den Opfern der zweiten Tat aus der Anklageschrift keine Zeit. Im November 2011 sollen die Eheleute aus Nienburg im Schlafzimmer ihrer Villa von Räubern geweckt worden sein, die Geld und Schmuck gefordert haben sollen. „Gold, Gold, Gold“, werden die Täter in der Anklageschrift zitiert. Das Ehepaar zeigte keine Gegenwehr und blieb genauso wie das Ehepaar aus der zweiten Tat körperlich unversehrt. Schmuck im Wert von 20000 Euro soll erbeutet worden sein.

Der von der zweiten Tat betroffene ebenfalls 75-Jährige hatte den Angeklagten per Foto als Täter identifiziert. Seine Frau ist als Nebenklägerin an dem Verfahren beteiligt, für das sieben Verhandlungstage bis zum 3. November angesetzt sind.

wb

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