Großes Interesse für Erhalt des Geschäfts am Rathaus

Nachfolger für Bioladen in Nienburg gesucht

+
Nachfolger gesucht: Silke Schulz schließt ihren Bioladen in Nienburg zum Ende des Jahres.

Nienburg - Von Johanna Müller. Nach 37 Jahren ist Schluss: Silke Schulz wird Nienburgs ersten Bioladen nicht weiterführen. Doch das Interesse der Kunden ist weiterhin groß. Sie wünschen sich, dass das Angebot erhalten bleibt. Ein Nachfolger wird dringend gesucht. 

„Einen kleinen Moment, ich bin gleich für Sie da“, ruft es aus dem Zimmer hinter der Kasse. Ein Satz, der in üblichen Supermärkten wohl eher selten gerufen wird. Doch im Bioladen am Rathaus in Nienburg bietet Silke Schulz den Kunden gerne ihre Hilfe an. Und steht nicht nur bereit, um zu kassieren.

In dem kleinen Markt geht es sehr persönlich zu. Viele Kunden kennt die Inhaberin mit Namen, weiß, welche Produkte sie suchen und berät sie gerne. Daher waren auch viele regelmäßige Gäste traurig und entsetzt darüber, als sie hörten, dass die 62-Jährige aufhört. Aus gesundheitlichen Gründen wird der Bioladen zum Ende des Jahres geschlossen – wenn sich nicht noch ein Nachfolger findet.

„Das Interesse der Kunden ist riesig“, erklärt Schulz. Nicht nur deshalb wünscht sie sich, noch kurzfristig jemanden zu finden, der ihr Geschäft in ähnlicher Weise weiterführt. Ihr ist auch die Idee wichtig, die hinter dem Landen steht: Biologisch angebaute Produkte zu verkaufen, die möglichst aus der Region kommen. „Ich wollte immer etwas machen, wo ein tieferer Sinn hinter steckt“, erklärt sie.

Das Inventar möchte Silke Schulz gerne weitergeben. 

Sinnvolle Beschäftigung 

Das war auch ihr Antrieb, als sie ihr Geschäft 1980 eröffnete. Eigentlich war Schulz im Bereich der Physiotherapie tätig, wurde dann aber arbeitslos. Also suchte sie eine sinnvolle Beschäftigung. Die ersten Biobauern nahmen in dieser Zeit den Betrieb auf und die junge Frau wollte diesen Ansatz gerne unterstützen.

Ohne eine kaufmännische Ausbildung wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit – damals noch in der Leinstraße. Mit anderen Bioläden in Hannover und Bremen tauschte sie sich aus. Gemeinsam lernten die Unternehmer, wie sie ihre Geschäfte zum Laufen bringen.

Seit zwölf Jahren ist der Nienburger Bioladen nun an dem Standort gegenüber des alten Rathauses. 500 Kunden kommen wöchentlich vorbei. „Davon konnte ich früher nur träumen“, sagt Schulz heute. In der ersten Zeit seien manchmal nur zehn Kunden da gewesen. „Da konnte ich viel Stricken“, erinnert sich Schulz und schmunzelt.

Aber sie blieb am Ball und baute sich nach und nach eine „kleine, solide Existenz“ auf, wie sie es nennt. Diese würde sie auch an einen Quereinsteiger weitergeben und ihn oder sie in der Anfangsphase begleiten. Voraussetzung sei nur, dass den Interessenten der Anbau von Bio-Produkten wichtig sei. „Wenn sein Herz dafür schlägt, dann ist dieser Mensch hier richtig“, findet die 62-Jährige, die mit ernsthaften Interessenten gerne über die Details spricht.

Im Bioladen nehmen die Kunden auch gerne mal Platz und klönen ein bisschen. 

Und es stecke noch Potenzial in dem Laden. „Wer jung ist und Schwung hat, kann noch mehr draus machen“, sagt Schulz. Sie selbst arbeitet nachmittags und hat für den Vormittag zwei 450-Euro-Kräfte angestellt. Das würde gut klappen. Und: „Jeder Tag im Laden ist schön“, findet Schulz, die ein ganz besonderes Verhältnis zu ihren Kunden hat.

Besonderes Vertrauen

Wie groß das gegenseitige Vertrauen ist, hat sich bereits an einem Freitag vor rund 30 Jahren gezeigt. Schon länger hat Schulz nicht mehr an dieses Ereignis gedacht, aber noch immer hat sie Gänsehaut, wenn sie sich erinnert.

Silke Schulz schließt ihren Bioladen in Nienburg zum Ende des Jahres.

An diesem Tag wurde ihre Großmutter beerdigt. Doch die junge Frau hatte keine Aushilfe, die den Laden öffnen konnte. „Es waren aber einige Brote bestellt und ich wusste, dass Kunden kommen würden.“ Diese wollte Schulz nicht vor verschlossener Tür stehen lassen, daher ließ sie diese einfach offen. Sie legte einen Zettel auf den Tresen, schilderte in einem kurzen Text die Situation und bat ihre Kundschaft doch aufzuschreiben, was mitgenommen wurde.

Und so war es auch. „Alle haben aufgeschrieben, was fehlt und innerhalb von drei Wochen war alles bezahlt.“ Die Leute fanden das entgegengesetzte Vertrauen toll und ließen sogar noch ein paar nette Worte und Blumen zurück.

Noch immer schätzen viele Stammkunden die nette Atmosphäre, bestätigt auch Hedda Freese, die selbst lieber in den Bioladen als in einen Supermarkt geht. „Für mich ist es angenehm dort einzukaufen, wo ich mich auch beraten lassen kann“, sagt sie.

Stammkunden tun sich zusammen 

Daher setzt sich Freese mit einer Gruppe weiterer Stammkunden dafür ein, dass der Bioladen in der Nienburger Innenstadt erhalten bleibt. Noch immer hoffen sie, dass sich kurzfristig ein Nachfolger findet. Da sich die Suche allerdings als schwierig gestaltet, überlegt die rund 20-köpfige lose Gruppe von Stammkunden parallel dazu, den Laden durch einen Verein oder eine Genossenschaft gemeinsam weiterzuführen.

„Uns ist wichtig, dass es möglich ist, in Nienburg weiterhin ökologisch angebaute und regionale Produkte erwerben kann – außerhalb vom Wochenmarkt“, erklärt Freese.

Auch der Standort soll erhalten bleiben, da das Geschäft gut in die Ladenzeile passe. In Nachbarschaft etwa zum Kosmetik-Basar und dem Café-Laden Esszimmer habe sich das Angebot bisher gut ergänzt. Dort sei das gleiche Kundenklientel unterwegs. „Es wäre schade, wenn dort nun beispielsweise ein Büro reinkäme. Auch vor dem Hintergrund, dass die Stadt Nienburg versucht, die Innenstadt zu beleben“, sagt Freese.

Nachfolger gesucht: Der Bioladen befindet sich in passender Gesellschaft. 

Als Vorbild haben die Bioladen-Kunden ähnliche Projekte im Landkreis. Sie stehen etwa in Kontakt mit Mitgliedern der Dorfladeninitiative in Linsburg und einer Kooperative aus Steyerberg. Die Bereitschaft, sich finanziell an dem Projekt zu beteiligen sei da, erklärt Freese. Allerdings sei der zeitliche Aufwand momentan noch ein Problem. Daher soll es nun einen Austausch mit den vergleichbaren Organisationen geben, um zu erfahren, was alles für die Umsetzung nötig sei.

Appel an die Stadt Nienburg 

„Grundsätzlich muss die Stadt aber auch ein Interesse daran haben, so ein Angebot in der Innenstadt zu halten“, findet Freese. „Wenn es das nicht mehr gibt, wäre das schade für eine Stadt, die sich Klimaschutz auf ihre Fahne schreibt.“

Wer sich auch beteiligen möchte oder Fragen an die Initiative hat, erreicht Hedda Freese per Mail an hedda.freese@t-online.de. Das Engagement für den Erhalt des Bioladens ist also groß. Das merkt auch Silke Schulz, die beeindruckt ist von ihren langjährigen Kunden und Bekannten.

Eine Alternative zum herkömmlichen Supermarkt bietet der Bioladen. 

Sie selbst hofft auch, dass das Angebot ohne sie weiterhin bestehen kann. Schließlich würde sich auch selbst gerne ihre Lebensmittel auf diese Weise beziehen. „Auf jeden Fall würde ich hier weiterhin einkaufen. Im Bioladen gibt es zwar nicht zehn verschiedene Joghurt-Sorten zur Auswahl, aber alles, was man braucht.“

Quelle: BlickPunkt Nienburg

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Israels Armee riegelt Gazastreifen nach Raketenangriffen ab

Israels Armee riegelt Gazastreifen nach Raketenangriffen ab

Tödlicher Unfall zwischen Clues und Heiligenfelde

Tödlicher Unfall zwischen Clues und Heiligenfelde

Altpapiercontainer gerät in Brand

Altpapiercontainer gerät in Brand

„Helene Fischer Show“ 2017: Alle Infos zu Gästen, Sendetermin und Live-Stream

„Helene Fischer Show“ 2017: Alle Infos zu Gästen, Sendetermin und Live-Stream

Meistgelesene Artikel

Nikolaus-Baby hatte lange Anreise 

Nikolaus-Baby hatte lange Anreise 

Neue Busfahrpläne im Landkreis Nienburg

Neue Busfahrpläne im Landkreis Nienburg

Vandalismus auf Golfplatz in Rehburg

Vandalismus auf Golfplatz in Rehburg

Stadtrat Hoya: B-Pläne mehrheitlich beschlossen

Stadtrat Hoya: B-Pläne mehrheitlich beschlossen

Kommentare