Diepenau

Beschuldigter gesteht Brandstiftung und berichtet von Leben im Wahn

Sein Leben ist eine Flucht, beschreibt der Beschuldigte vor dem Landgericht Verden eine Erkenntnis seines Klinikaufenthalts.
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Sein Leben ist eine Flucht, beschreibt der Beschuldigte vor dem Landgericht Verden eine Erkenntnis seines Klinikaufenthalts.

Nach einem Wohnhausbrand in Diepenau am 3. Juni 2021 war in dem Gebäude eine Mörsergranate aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Stammen soll sie vom mutmaßlichen Brandstifter, der einen Tag später in einer Psychiatrie in Lübbecke untergebracht wurde. Von dort floh der Mann und lieferte sich nach seiner Entdeckung in Herford am 15. Juni mit der Polizei eine für viele Menschen lebensgefährliche Verfolgungsjagd. Ganz friedlich verhielt sich der 40-Jährige am Donnerstag beim Auftakt eines Sicherungsverfahrens am Landgericht Verden.

Verden/Diepenau – Dreieinhalb Wochen vor dem Brand soll der Beschuldigte in Wiesbaden, wo er damals wohnte, mehrfach auf den Zünder einer „akut explosionsgefährdeten Mörsergranate“ geschlagen und diese auf den Boden geworfen haben. In einem Video soll er zu hören sein mit: „Ich habe keine Angst vor dem Tod“ und „wir spielen russisches Roulette“. Das bestreitet er nicht, nur sei das alles in der Schweiz gewesen.

Tatvorwurf: Verbrechen nach dem Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen

„Verbrechen nach dem Gesetz über die Kontrolle von Kriegswaffen“, lautet der Tatvorwurf auch in diesem Fall. Weil es eine veraltete Waffe ist, sieht das Gericht darin einen Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. Der 40-Jährige will die Granate in Frankreich am Strand gefunden haben. Eine weitere Granate bereits im Jahr zuvor.

Während der Taten sei sein Mandant „akut psychotisch“ gewesen, erklärte Verteidiger Stephan Wittrock. „Ich hatte einen Verfolgungswahn, Eifersuchtswahn, Todesangst und Vergiftungswahn“, sagte sein Mandant. So habe er geglaubt, dass seine Frau ihn betrogen habe, als sie ihm verkündete, schwanger zu sein. Er sei dann unter anderem nach Frankreich und in die Schweiz gefahren. Sein Leben sei eine „Reise immer neuer Entdeckungen, aber eigentlich eine Flucht“, das habe er jedoch erst jetzt in der Klinik erkannt.

Behandlung in Klinik hilft 40-Jährigem seine Psychose und deren Folgen zu verstehen

Im Juni sei er in Diepenau von der Besitzerin des dann in Brand gesteckten Hauses herzlich aufgenommen worden. „Ich habe ihr vorgeworfen, ihren Mann umgebracht zu haben, und dass sie gemeinsam mit meiner Frau mich umbringen will. Deshalb habe ich den Brand gelegt“, sagte der 40-Jährige. Diese Gedanken seien auch Folge seiner Psychose gewesen.

Eine Verfolgungsjagd wie in einem James Bond-Film mutet das Geschehen am 15. Juni an. Mehrere missachtete rote Ampeln und Stop-Schilder, erfolgreiche Vollbremsungen zum Zwecke einer Kollision mit dem verfolgenden Polizeiauto, Geschwindigkeiten bis zu 140 Stundenkilometer innerorts, rechts überholen und gezieltes Steuern in den Gegenverkehr. „Ich hatte Todesangst, dachte, die wollen mich erschießen“, erklärte der Beschuldigte sein damaliges Verhalten infolge seiner Psychose. Dass nichts passiert ist, sei reines Glück. Ihm sei bewusst: „Ich hätte heute hier sitzen können als Mörder.“

Tat er aber nicht, dafür ist er mit einer ganzen Latte anderer Tatvorwürfe konfrontiert. Aktuell ist er in einer Klinik untergebracht. Die 10. Große Strafkammer hat zu prüfen, ob er, wovon die Staatsanwaltschaft ausgeht, im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt hat, damit eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt und deshalb dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik unterzubringen ist. Sechs weitere Verhandlungstage bis zum 28. Januar sind vorgesehen.

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